Was wussten und was taten die Alliierten?
…Im Sommer 1941 (Überfall auf die Sowjetunion / Unternehmen Barbarossa) gehörten deshalb die Entschlüsselungen von Nachrichten über Erschießungen seitens deutscher Polizeitruppen in der UdSSR zum täglichen Geschäft in englischen Geheimdienstbüros.
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Die entschlüsselten Funksprüche wurden regelmäßig an den britischen Militärgeheimdienst weiter geleitet, der dem Premierminister wöchentliche Berichte vorlegte.
Die mörderischen Aktivitäten der Einsatzgruppen, die hinter der Ostfront operierten, waren also der britischen Regierung bekannt.
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Ein Bericht, der im Mai 1942 vom Jüdischen Arbeitsbund in Warschau an die Polnische Exilregierung in London geschickt wurde, war das erste bekannte Dokument über die Morde, das den Westen erreichte.
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Der Volkswirt Artur Sommer übergab eine Mitteilung an den Universitätsprofessor Edgar Salin in Basel, in der er angab,
dass im Osten Vergasungslager errichtet würden. Die BBC solle täglich Warnmeldungen senden. Diese Nachricht blieb auch unbeachtet.
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Bis November 1942 gab es in den USA keine öffentliche Erklärung zu den erhaltenen Nachrichten.
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In Polen konnte niemand den Judenmord verhindern. Daher konnten nur die Alliierten versuchen, die Juden zu retten.
Feiner sagte: .....
Die Geschichte wird die Alliierten verantwortlich machen, wenn sie nicht handeln.
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Karskis Mission ist letztlich unterminiert worden von einer Kombination aus politischer Heuchelei, sorgloser Bürokratie, nationalem Egoismus und Gleichgültigkeit.Es scheint so, als ob die Juden nichts Wert gewesen sind.
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Letztlich, und auch am wichtigsten, war die Tatsache, dass man die Juden weder als Nationalität noch als Alliierte ansah. Aus dieser Argumentation heraus war die jüdische Situation hoffnungslos.
Es gab einen großen Anteil von Zynismus in der Einstellung der Alliierten. Man hielt es nicht für nötig, den Juden in ihrer verzweifelten Lage irgendeinen Vorrang einzuräumen. Tatsächlich herrschte in alliierten Kreisen eher eine gegenteilige Meinung vor.
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Auf wiederholte Anfragen jüdischer Führer, die Krematorien von Birkenau und die dorthin führenden Eisenbahnstrecken zu bombardieren, gab es immer wieder die Standartantwort, dass jegliche Aufspaltung von Mensch und Material den Sieg der Alliierten verzögern würde.
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Und die Berichte, die wir erhielten, wurden beiseite gelegt wegen der offiziellen Politik in Washington und London, sich nur auf die Abwehr des Feindes zu konzentrieren."
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Es gab aber noch einen anderen Faktor in dem gleichgültigen Verhalten der Alliierten. Die Haltung vieler britischer und amerikanischer Politiker, Staatsbeamter, Diplomaten und Militärs war nicht sehr positiv. Ihre Reaktion variierte zwischen Ungläubigkeit und Apathie, Eigennutz und Voreingenommenheit. Gemäß seines Privatsekretärs
hat Eden mindestens zweimal seine Abneigung gegen Juden ausgedrückt. Das passte zu der Haltung einiger Bediensteter des britischen Außenministeriums und des United States State Departments. Es wird oft vergessen wie alltäglich es war, fast war es Mode, dass man sich in der Vor-Holocaust-Zeit als Antisemit zeigte.
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Als das US-Finanzministerium versuchte, eine Geldüberweisung von jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen zum Aufbau eines Hilfsprogramms zu genehmigen, wurde das vom US-Außenministerium monatelang blockiert. Die Briten waren nicht weniger gefühllos.
Im Dezember 1943 wurde ein Telegramm von London nach Washington geschickt, das sich gegen derartige Hilfsprogramme wendete, wegen "der Schwierigkeiten, die die Vielzahl von Juden machen würde, wenn sie gerettet würden".
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Unter dem Druck der zunehmenden Beweise veranstalteten die Briten und Amerikaner am 19. April 1943 eine Konferenz auf den Bermudas, um angeblich eine Lösung für das Flüchtlingsproblem zu finden. Die Teilnehmer schlossen kategorisch jede Annäherung an Hitler aus, was die Entlassung von Juden in den besetzten Gebieten, den Austausch von Kriegsgefangenen oder die Sendung von Nahrung an die europäischen Juden betraf.
Der Bezug zum Problem der Juden wurde einfach unterdrückt. Die Briten bestanden darauf, dass die Juden nur ein Problem von vielen anderen darstellten. Das US-Außenministerium bestand auf der Verwendung des Begriffes "politische Flüchtlinge", was das wahre Problem verheimlichte. Man erreichte die stillschweigende Übereinkunft, dass die Amerikaner die Briten nicht wegen Palästina unter Druck setzten, und die Briten sich bedeckt halten, was die jüdische Einwanderung in die USA betraf. Auf jeden Fall war diese Konferenz ein Disaster für die Juden. Sie fühlten sich verlassen und vergessen. Und das waren sie tatsächlich.
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Eine einfache Maßnahme hätte evtl. viele Leben gerettet: Die konsequente Nutzung des Radios zur Verbreitung von Informationen über das Schicksal der Juden. Manch einer hätte die Meldungen richtig eingeschätzt und der Widerstand gegen Hitler wäre evtl. größer gewesen.
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So fügte sich das Verhalten der Alliierten unbeabsichtigt in die Nazipolitik eines Völkermordes.
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Wenn auch niemand den Holocaust vorhersehen konnte, hätte doch ein gewisses Maß an Humanität die zivilisierten, freien Nationen zwingen müssen, ihre Türen weit zu öffnen. Sie blieben jedoch weitgehend verschlossen.
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Szmul Zygelbojm... "Die Verantwortung für die Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung liegt in erster Linie bei den Mördern, aber indirekt ist auch die menschliche Gesellschaft als Ganzes verantwortlich - alle alliierten Nationen und ihre Regierungen, die bis heute nichts getan haben um das Verbrechen zu stoppen.
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Möge mein Tod ein widerhallender Schrei der Anklage gegen die Gleichgültigkeit sein, mit der die Welt auf die Zerstörung der jüdischen Welt blickt, zuschaut und nichts tut."