
Zitat von
A-Lincoln
Wenn Amerikas Nuklearstreitkräfte weg sind, übernehmen Russland und China die Erde! – ganz klar, das ist die Art von Szenario, die man sonst nur in Hollywood-B-Movies sieht, bei denen die Helden in letzter Sekunde die Welt retten, während ein rotes Licht blinkt.
Ernsthaft: Ich meine, wir reden hier über Länder mit tausenden Jahren Geschichte, in denen Philosophie, Wissenschaft, Literatur und Architektur blühten. China mit Konfuzius, die Kaiserpaläste, die Han-Dynastie – kein Hort von Barbaren. Russland: Literatur von Tolstoi bis Dostojewski, Wissenschaft, Raumfahrt – nicht unbedingt das, was man unter nuklearem Barbarentum verstehen würde. Aber im Internet reicht es schon, ein paar Raketen in die Schlagzeilen zu packen, und schon verwandeln sich jahrtausendealte Kulturvölker in apokalyptische Monster.
Das Ganze ist ein klassisches Beispiel für apocalyptic framing: maximale Emotionalisierung, minimale historische Präzision. Natürlich schützen die amerikanischen Nuklearstreitkräfte die westliche Zivilisation – das ist realpolitisch richtig. Aber zu glauben, dass ohne die USA plötzlich eine Horde von Barbaren durch die Straßen marschiert, ist ungefähr so realistisch wie ein spontaner Meteoriteneinschlag auf das Kapitol während der morgendlichen Kaffeepause.
Und ja, MAD – Mutual Assured Destruction – funktioniert auch ohne Hollywood-Overkill. Sowohl Russland als auch China wissen, dass ein nuklearer Schlagabtausch keinen Sieger hinterlässt. Deshalb: Wenn jemand hier so tut, als stünde die ganze Welt unmittelbar vor der Knechtschaft durch Barbaren mit Raketen, dann ist das eher dramaturgische Übertreibung als nüchterne Analyse.
Kurz gesagt: Man kann die nukleare Triade der USA ernst nehmen, ohne dass gleich ein historisches Kulturvolk in einen Haufen Barbaren mutiert.