
Zitat von
Lichtblau
Das 3. Reich hatte eine Privatwirtschaft.
Göring hielt am 8. Juli 1938 vor Luftfahrtindustriellen eine Rede. Ein großer Teil der Rede ist eine Suada die egoistischen Geschäftsinteressen zurückzustellen und dem Gesamtinteresse zu dienen. Hier einige markante Passagen:
"Deshalb mochte ich noch einmal die innige Bitte an Sie richten, meine Herren: Fühlen Sie sich als Industrie, die die Luftwaffe aufzubauen hat, die mit der Luftwaffe bis ins Letzte verbunden ist. Verstehen Sie, dass hier jedes persönliche Interesse zurück zutreten hat. Was bedeutet Ihr Werk gegenüber der Nation? Was bedeuten schliesslich all die Überlegungen, die Sie oft anstellen werden: Ja, was machen wir nachher, wenn jetzt die Kapazitäten so aufgebläht werden? wollen wir nicht lieber ein bisschen langsamer arbeiten, dann verteilt sich das mehr? Das zeigt nur, meine Herren, nehmen Sie mir das harte Wort nicht übel, eine ganz kleine Einstellung.
[...]
Deshalb kann ich es umsomehr, als es auf die Luftfahrtindustrie nicht zutrifft, sagen: Ich würde heute keine Sekunde, aber auch keine Sekunde zögern -ich habe das auch auf einem anderen Gebiete bewiesen -, umsofort einzugreifen und dem Betreffenden augenblicklich seinen ganzen Laden abzunehmen, von dem ich das Gefühl hatte, er kapiert es nicht, er sieht nur den Klosettdeckelhorizont seines eigenen Betriebes und sieht nicht darüber hinaus. Der Mann versündigt sich, der Mann muss weg. Mit einem Federstrich würde er sein Geschäft und seinen Besitz los. Aber wie gesagt, ich bin sehr glücklich -das möchte ich noch einmal feststellen-, dass die Luftfahrtindustrie in ganz grossem Masse Leistungen hinter sich gebracht hat.
[...]
in England ist es möglich, das Lord Nuffield sagt: mein Kasten wird gebaut, wenn ich ihn nicht bauen soll, dann baue ich gar nicht. Ja, das kann er in England sagen, Gott sei Dank nicht in Deutschland, und hoffentlich sagt er das; Gott erhalte ihn in diesem Zustand. Dann ist es selbstverständlich, daß er eines Tages mit den verschiedensten Mustern an der Front herumfliegen wird. Das wird ihm eben diese Unterlegenheit geben. Nachdem wir das Prinzip und die Möglichkeit der straffsten Organisation besitzen, müßte ich ja wirklich wahnwitzig sein, wenn ich nicht diese Kräfte organisiere und das voll und ganz ausnutze, was das
Schicksal mir gegeben hat.
Also das ist ganz klar, meine Herren. Ich weiß und habe volles Verständnis dafür, daß das nichts Leichtes für Sie ist. Aber ich glaube, wenn Sie dann den Erfolg sehen, dann werden Sie sich freuen. Und darum bitte ich Sie nun noch einmal: es ist nicht entscheidend, ob ein Junkers, ein Dornier, ein Heinkel, ein Messerschmidt oder eine andere Maschine gebaut wird; entscheidend ist, daß das beste deutsche Flugzeug gebaut wird, daß es in möglichst grosser Anzahl gebaut wird, daß es rasch gebaut wird und rasch herauskommt. Das ist entscheidend, alles andere ist belanglos."
Dokument R-140, IMT Bd. 38, S. 376 ff.
Und das passierte in Wirklichkeit:
"Die klägliche Geschichte der He-177 hat tiefer liegende Gründe [...] auch das Ausmaß der Rivalitäten unter den Flugzeugbauern nicht begriffen, die Heinkel dazu veranlassten, die schwerwiegenden Konstruktionsprobleme zu verheimlichen - aus Angst, der Auftrag für einen schweren Bomber könnte einem anderen Unternehmen erteilt werden"
Richard Overy, Der Bombenkrieg in Europa 1939 bis 1945, Rowohlt Ebook, S. 214.
Der Grund das Deutschland es nicht schaffte eine strategischen Bomber zu bauen lag am Kapitalismus.