Ach was, man muss auch bei der Wahrheit bleiben.
Sicher wäre es einfacher gewesen, und mir auch lieber, du wärest der üblich beliebige Antifaschist, der jedweden als Bräunling bezeichnet und seinen Kampf dagegen als Lebenselexier sieht.
Aber schon vor deinem letztmaligen Abschied bemerkte gewisse Spuren von Nonkonformität, meinetwegen auch Anarchoaffinität.
Und damit triffst du mich wirklich an einer Schwachstelle, denn auch ich beinhalte offenbar noch marginale Spuren von Aufmüpfigkeit, geschuldet meinem früheren Leben in der Subkultur, wenn auch sicherlich nicht der von dir präferierten.
Wie es auch sei, ein unangepasster linker Chaot, der mit dem System so seine Probleme hat, ist mir immer noch mental näher, als der nichtsriskierende Spiessbürger.
Und dabei bist du lt. eigener Aussage nicht mal ein Linker, also bleibt nur der Chaot.
Ich bin ein strikter Gegner der Antifa, und bezeichne mich weiterhin als Nationalist.
Nur muss man dann auch seine Gegner kennen, und dazu gehören Menschen deiner Einstellung eben vordergründig nicht, da kannst du mich noch so oft als Braunbatz bezeichnen.
Was du meiner Kennung nach allerdings nicht bzw.nur sehr selten bewerkstelligst hast.
Tja, und in die Schublade ABAS und Circopolitico stecken?
Das wäre quasi eine Zäsur.
Der hehre Kämpfer der Anti-Nazi-Front, der berühmt berüchtigte Nathan, in einer Linie zu nennen mit europafreundlichen Nationalsozialisten?
Gut, das hätte was, auch ein beträchtlicher Fortschritt deiner Person in meinen Augen.
Aber du musst dich auch nicht verbiegen.
Ist es aufrichtige Erkenntnis, umso besser.
Mir persönlich ist es relativ egal.
Leute, die mit uns laufen, sind von Nutzen.
Ob sie nun zu Hause hocken, oder mit Trillerpfeifen auf der Gegenseite, spielt nicht mehr die entscheidende Rolle.
Adler sterben und die Ratten gedeih'n.
Tausend Scherben und wo Freiheit war Stein, nur Stein.
Als ich von "wir" sprach, hatte ich meine Generation im Auge, geboren in den späten 60ern bis 70ern, aufgewachsen in der alten Republik, Kind von Eltern ohne materielle Sorgen, Eigenheim-Bewohner, jeder (mit Führerschein) ein Auto, zwei oder drei Urlaube im Jahr, darunter eine Fernreise. Wenn das nicht "weit oben" ist, was dann? Das es ältere weniger schön und angenehm hatten, das wir "Jungen" (u50) auf den Füßen unserer Eltern stehen, natürlich, schrieb ich ja sogar. Mein Vater war Ostvertrieben, in Kassel dann kurz vor der Kapitulation noch ausgebombt, viel mehr als das nackte Leben hatte dieser Teil meiner Familie nicht, in der " Stunde Null". Zwei Brüder und ein Onkel im Krieg geblieben, der Vater vermisst seit den Kämpfen in der Normandie, ein Bruder auf der Flucht gestorben, zwei in Gefangenschaft, einer, der zweitjüngste, noch bei der Familie, aber ein rechter Hans Guckindieluft. Gelebt hat mein Vater in der "kleinen Stube" über dem Tanzlokal mit Wirtschaft und Metzgerei eines Onkels bei Oberaula, im Winter Eisblumen an den Fenstern, in der Waschschüssel morgens ein Eisklotz, und so weiter, und so weiter. Für mich unvorstellbar, aber Realität für die, die zwischen 1925 und 45 geboren und dem totalen Zusammenbruch lebend entronnen waren. Mein Vater ist jetzt knapp über zwei Jahre tot, aber ich hab sein Gesicht vor Augen, wenn er davon erzählt hat.
Akademische Karriere hat er gemacht, im Staatsdienst gestanden, an der Universität gelehrt, war im Kultusministerium tätig. 1967 "schuldhaft" geschieden von der ersten Frau mit zwei Kindern, trotzdem hat es noch nur für eine neue Familie und ein neues Eigenheim gereicht, auch die Spielereien meiner Mutter mit ihrem eigenen Buchladen hat er finanziert. Eine Erfolgsbiographie, wenn auch nicht Kometenhaft, aber für den Sohn eines Berufsoffiziers und späteren Postbeamten im mittleren Dienst, der erst mal in Frankreich Zwangs-Repatriiert werden musste, und der von den Amis drei Jahre Festungshaft wegen schwunghaftem Schwarzhandel mit U.S.-Versorgungsgütern und Wehrmachts-Restbeständen bekam, alles andere als schlecht.
Und, ich muss es doch sagen, den Wiederaufbau, den haben die Deutschen zwar mit US-Hilfe (bis auf den letzten Cent zurückgezahlt) geschafft, aber ohne "Gastarbeiter", die kamen erst, als die Wirtschaft schneller boomte, als heimische Arbeitskräfte nachwachsen konnten. Die Hinterlassenschaften der anglo-amerikanischen Befreiungsbombardements waren da aber schon weitestgehend beseitigt, die Infrastruktur zumindest wieder auf dem Vorkriegsstand. Ohne Gastarbeiter hätte es die zweite Phase des Wirtschaftswunders so nicht gegeben, aber mit dem Wiederaufbau hatten die Türken absolut nichts zu tun, die Italiener, Spanier, Portugiesen, Griechen nur sehr bedingt. Wir wollen ja nicht an einer falschen Legendenbildung mitwirken, oder?
Geändert von OneDownOne2Go (17.02.2018 um 23:33 Uhr) Grund: Autokorrektur korrigiert ...
Die Geschichten unserer Großeltern- und Elterngeneration erfüllen mich mit einer gewissen Demut.
Und Dankbarkeit das man in relativen Frieden und Wohlstand aufgewachsen ist dieweil auch der kalte Krieg
Spuren in der Psyche hinterlassen hat, wie auch anders wenn man stets unter dem Damoklesschwert totaler
Auslöschung leben musste. Aber abgesehen davon sind uns zumindest die immensen physischen Härten erspart
geblieben. Ich denke das unsere Generation die erste und vieleicht auch letzte war die diesen Luxus hatte.
Was du von deiner Familie erzählst, das kenne ich, in Abwandlungen, auch von der meinen. Die Oma die mit meinem
Vater und weiteren Kindern durch die Schlacht um Berlin aus Brandenburg geflohen ist, die Kriegsgeschichten Opas, der Horror an der Ostfront in den ein völlig unerfahrener, schon dreissigjähriger Rüstungsarbeiter '44 hineingeworfen wurde. Die vielen Toten in der Familie. Ich hab hier noch ein sehr makaberes Dokument herumliegen. Ein Foto von ein paar Soldaten, einer davon mein Großonkel. Und in der Mitte des Fotos ein Loch. Der hatte das Foto im Soldbuch stecken. Genau da, durch die Brusttasche, ging der Todesschuß der ihn erwischte.
Meine Oma musste nach dem Krieg, in den Westen geflüchtet, in die Region aus der die Familie stammte, im Wald Bucheckern und Kräuter etc sammeln um die Kinder überhaupt durchzukriegen, mein Vater verhungerte fast.
Wenn heute alles zusammenbräche, mein Gott, wie wohlstandsverwöhnt man ist, ob man das überhaupt durchhielte ist fraglich, von der heutigen "Generation Smartphone" mal ganz zu schweigen.
Man ist verweichlicht. Wir sind die erste Generation die so leben konnte.
Was war denn davor? Hitlerzeit, na gut, bis '39 wars für die Leute die Anhäger des Systems waren oder
sich, notgedrungen, mit ihm arrangierten ja nicht gerade wirklich schlecht. Aber davor war eigentlich immer hart und schwer. Die Menschen waren es gewohnt Härte zu etragen. Vor '33 Wirtschaftskrise, Depression, Inflation, Nachkriegswirren, erster Weltkrieg, davor gab es noch Bedrohung durch Mißernten die Hungersnöte auslösen konnten, ach, das war hart das Leben davor. Unsere Generation, noch weniger die nachfolgenden, wir kennen das gar nicht mehr. Vieleicht haben wir Glück und lernen das auch nicht mehr kennen, aber den Glauben daran habe ich eher verloren. Ich denke wir erleben nun das Ausklingen der sicheren und stabilen Zeit in ein neues Chaos oder Schlimmeres. Es stehen Umbrüche an und sind in Bewegungen deren Konsequenzen erahnbar, aber schwer abschätzbar sind aber unser Selbstverständnis von Sicherheit, Ordnung und Wohlstand zutiefst in Frage stellen werden.
Bricht der "Westen" zusammen, so wird es für uns härter werden als für unsere Vorfahren damit klar zu kommen,
soviel steht fest.
Geändert von OneDownOne2Go (17.02.2018 um 23:34 Uhr) Grund: Sinnentstellenden Autokorrektur-Fehler im Ausgangsbeitrag korrigiert
Wenn morgen die Muschelhörner und Trommeln erklingen, dann lasst uns fallen, so leichten Herzens wie die Kirschblüten im linden Frühlingswind.
Impfpass und mit Sicherheit noch weitere digitale Maßnahmen in diese Richtung:
Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,
ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul
Ob ich das könnte? Leben ohne Zentralheizung, ohne gut gefüllte Supermarktregale und das Kleingeld, mich dort zu versorgen, zu Fuß statt mit dem Auto? Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich auch große Schwierigkeiten meistern kann, aber das? Ich weiß es nicht, aber ich bezweifle es doch eher. Dazu bin ich zu sehr von der Zivilisation "verdorben", die "Härte" fängt ja gefühlt schon an, wenn ein Auto im Winter Ledersitze aber keine Sitzheizung hat, und ein beheiztes Lenkrad ist auch angenehm... naja, du weißt ja, was ich meine. Ich bin nicht so praktisch untüchtig wie die Bus- und Bahnfahrende Generation Smartphone, ich weiß, an welchem Ende man Werkzeug anfasst und wozu es dient, kann einen Baum fällen, Feuer auch ohne "Anzünder" machen, ich kann schießen, aber ich wäre schon überfordert, wenn ich im Wald Pilze sammeln müsste. Oder vergiftet, je nach dem. Deswegen hoffe ich, entweder mein Leben noch zur Restbestandszeit des zivilisierten Westens fristen zu können, oder zumindest eine Zuflucht zu haben - falls es hier schneller zu ende geht, als ich es befürchte...
Richtig , aber es waren keine Kulturfremden , wie die heutigen " Gäste ".
[Links nur für registrierte Nutzer]Mit dem Wirtschaftswunder der Bundesrepublik wurden immer mehr Arbeitnehmer gesucht, die auf dem inländischen Markt nicht mehr zu finden waren. Und so schloss die Bundesrepublik am 20. Dezember 1955 mit Italien das erste Anwerbeabkommen ab. Es folgten Abkommen mit Griechenland und Spanien (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem ehemaligen Jugoslawien (1968).
EHRE WEM EHRE GEBÜHRT
RF
"Israels Geheimvatikan" (Sachbuch) Teil 1-3 von Wolfgang Eggert
"Beutewelt" (politisch kritische Dystopie) Teil 1-7 von Alexander Merow
"Die Reichsdeutschen - Das Dritte Reich als 3. Supermacht auf Erden?" (Sachbuch) von Martin Neumann
"Beuteland - Die Ausplünderung Deutschlands nach 1945" (Sachbuch)
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