Denn die eigentlichen Grundprobleme der Menschheit seien die Gottferne und der globale Kapitalismus.
2 Warum die Murabitun und die IZ in der besagten Broschüre des Verfassungsschutzes von Baden-Württemberggenannt wurden, wird im Blick auf den religiös-ideologischenHintergrund des Herausgebers und seines Sympathisantenkreises sehr deutlich. Andreas Abu Bakr Rieger, geboren 1965 in Freiburg i. Br., studierte dort Rechtswissen*schaft und konvertierte noch während seines Studiums an symbolträchtigem Ort, in Granada, zum Islam. „Weder durch Bücher noch durch mystische Erweckungserleti-nisse" habe er zum Islam gefunden, sondern „durch die schlichte Begegnung mit euro*päischen Muslimen". Eine Pilgerreise führte den Ex-Katholiken nach Mekka. Danach bekannte er: „Ich war nun Weltbürger und Muslim geworden."
3 Es war gleichwohl ein sehr spezifischer Islam, dem er sich anschloss, der Islam der Murabitun-Bewegung. Rieger, so schrieb Jan ROSS in der „Zeit"
4, sei aus „Heimweh" Muslim geworden, aus Heimweh über den Verlust von Orts- und Raumbindung des modernen Menschen, für den er den globalen Kapitalismus verantwortlich macht. Der Islam gab ihm Antwort auf seine persönlichen existenziellen Sinnfragen und zeigte ihm den Weg zur Lösung der
drängenden Menschheitsprobleme: Armut, Hunger, Krieg, Unterdrückung, Diskriminie*rung, alles das würde der Islam -gleichsam schicksalhaft vorgezeichnet- überwinden. Nach dem Ersten Staatsexamen, so gibt er auf seiner Internetseite an, sei er „mit einigen Freunden nach Weimar gezogen. Wir haben in den vier Jahren, die wir in Weimar gelebthaben, tausende Muslime aus aller Welt in die ,Stadt der deutschen Klassik' eingeladen und eingeführt". Er und seine Freunde taten dies, weil ihnen das Werk Goethes als eine „der wichtigsten Brücken zum Islam" erschien.
Zuvor waren Versuche, die Murabitun-Ideologie Freiburger Bürgern nahezubringen, kläglich gescheitert. Der Vorgang wird von Claudia Dantschke, Islamismusexpertin aus Berlin, präzise wie folgt beschrieben: „So planten die Murabitun im Freiburger Histo*rischen Kaufhaus für den 13. Juli 1991 eine ,philosophischeVortragsveranstaltung' mitScheich Abdalqadir. ,Allah und sein Gesandter haben dem Bankensystem den Krieg erklärt! Der Islam beseitigt: Staat; Steuern; Gefängnisse; Polizei; Banken; Demokratie (manipulierte Mehrheit); Vermietung von Geld ... Der Islam errichtet: Führerschaft mit Gerechtigkeit', hieß es auf den Veranstaltungsplakaten, die kurz darauf auch in Dresdenauftauchten. In einer,Murabitun-Grundinformation' wurde die Demokratische Herr*schaft' als,die Dienstleistungsindustrie für die Welt-Finanz' bezeichnet; die UNO wäre hingegen das ,Polizeiinstrument der Welt-Finanz, um die Entfaltungen regionaler Freiheit zu unterbinden und den Status Israels als über dem sogenannten Internationale (sie!) Recht stehend zu garantieren'. Nach Protesten zog die Stadt Freiburg die Zusage zurück. Daraufhin erklärte ,die Gemeinschaft der Freiburger Muslime' in einem Flugblatt:,Diese städtischen Machenschaften geschehen im Namen derjenigen, die ihre Verbrechen am palästinensischen Volk mit dem Verbrechen, das ihnen in der Geschichte widerfahren ist, rechtfertigen - den Israelis.'"
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