

In Mittel- Westeuropa gelang diese Transformation vom Feudalismus zum Bürgertum, mit relativer Einkommens-Gleichverteilung auf zwei Ebenen.
Relativ frühe Einführung von Bildungsstandards, v.a. dreigliedriges Bildungssystem, welches begabten Aufsteigern aus der Unterschicht offen stand. Zweitens eine kleinteilige Raumpolitik. Es gab in Europa keine Riesenreiche, daher auch keinen absoluten Depotismus. Fürsten, Könige konkurrierten und hatten keine absolute geografische Macht. Riesenreiche mit zentraler Verwaltung unterdrücken lokales Wirtschaften, führen zur Abwanderung bzw. Zentralisierung von Begabten und einer sich manifestierenden Unterschicht, welche despotisch regiert wird.
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„Groß ist die Wahrheit, und sie behält den Sieg“ 3. Esra, 4, 41
In der PK machte Putin, wie von Despoten üblich, das Ausland für die Krise verantwortlich. Seis drum.
Die Frage ist wie lange die Oligarchen, die ja durch die Rubelschwäche am meisten verlieren, dem Möchtegernzar Putin noch die Stange halten?
Bisher hat er ja diejenigen die im nicht treu waren einfach, mit hilfe seiner korrupten Justiz, einfach kalt gestellt.
Die ihm treuen hat er hoffiert, aber das kann sich mal schnell ändern wenn deren Rubelchen wie Butter in der Sonne schmelzen.
Steh früh auf, steh fest auf, machs Maul auf
( Martin Luther )
China scheint hier allerdings eine Ausnahme darzustellen. Sie haben es unter Deng Xiao Ping und seinen Nachfolgern geschafft, mithilfe der klugen Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen rund um die alten, traditionellen, im Westen noch geläufigen Handelszentren wie Shanghai oder Guangzhou (Canton) oder Shenzhen (Hongkong), einen regionalen Gegenpol gegen die Zentrale in Beijing zu schaffen. Ökonomisch spielt Beijing heute nur noch eine Nebenrolle im Verhältnis zu der Region Shanghai bis Guangzhou. Nun sind in den letzten 25 Jahren neue Zentren entstanden. Chengdu (Luftfahrt), Dalian (Schiffbau), Changsha oder Wuhan. Selbstverständlich müssen durch gelegentliche aber durchaus als exemplarisch empfundene Todesurteile oder drakonische Gefängnisstrafen die Provinzfürsten durch die roten Kaiser, in der Oase der Ruhe im Zhongnanhai Palast der Ming Dynastie residierend, auf einer halbwegs gemeinsamen Linie gehalten werden. Kleinere persönliche Bereicherungen sind aber tolerabel solange die Linie eingehalten werden. Je höher die Rangstufe des Funktionärs, desto höher die Toleranzschwelle im Zhongnanhai. Bis hin zu Milliardenvermögen der Familie des ehemaligen Präsidenten. Das Volk? Es bekommt schon mit, daß ein gewisser persönlicher Wohlstand in dieser Gesellschaft möglich ist. Deswegen bleibt es relativ ruhig. Ja sogar regimetreu, wenn der VW Magotan in der Tiefgarage der urbanen Neubauwohnung steht und man sich zum allabendlichen Flimmern vor dem 60 Zoll LED TV einfinden kann.
Da wird nicht mehr viel zum Einfallen da sein.
Ich meine: Was war sein Plan? Welche Alternativen hat er eingebaut? Ukraine überfallen und sitzenbleiben, bis man ihm nachgibt? Dasselbe Dilemma teilten Hitler, das Kaiserreich und Napoleon - niemand gab ihnen nach, nachdem eine Grenze erreicht war, während die Zahl ihrer Feinde zunahm und sich um sie stellte.
Wie wenig Empathie und Geschick doch Putin für Osteuropa haben muss! Dachte er etwa, dass die EU sich ob dieser Sache in Lager aufteilt? Osteuropa ist durch Angst gegen Russland wieder vereint, die Geschichte lässt grüßen, rüstet auf und sucht nach Hilfe aus dem Westen. Dachte Putin, Grenzverschiebungen in Russland, wie auch immer begründet, würde bei den Nachbarn ein Gefühl des Wohlwollens hervorrufen? Merkel, die eine neutralere Rolle gespielt hat und vermittelte, wurde durch das Beharren Putins und die Radikalisierung Osteuropas selbst in die Ecke gedrängt und hat sich natürlich für die Verbündeten entschieden - hätte das Putin nicht sehen können, wo doch die Deutsche Wirtschaftselite in die EU eingebettet ist? Nordeuropa wird auch aufrüsten, martialischem Gehabe in Ostsee und der Arktis sei Dank. Richtig, er hat ja nicht genug Feinde. Sanktionen wurden erlassen - ich denke, dass hat Putin doch sehr überrascht. Jahrelang wurde im Westen diskutiert, wie abhängig man doch von Russland sei. Putin konnte doch ganz frech im deutschen TV sagen, dass, wenn Deutschland power brauche, es immer von Russland abhängig sein werde, selbst wenn es um Holz gehe. Man ließ ihn immer damit durchkommen. Nun dachte er sich wohl, wir wären ebenso schwach, pazifistisch und devot...
Wer steht denn überhaupt hinter Russland? Die Klassiker? Kuba, Nordkorea? China dürfte wohl, wie immer, kein aktives Interesse am Ehrgeiz eines fremden Mannes haben. Viel wichtiger für sie ist der Aufbau des Landes und die Stärkung des inneren Zusammenhaltes. Sie halten keinen Kopf für außenpolitische Abenteuer hin.
Stellt man die moralische Frage, so fallen sowohl der Westen als auch Russland durch. Doch Russland, das ja gern die USA und ihre Methoden anprangert, gerade Russland hätte da einen anderen Weg gehen müssen und nicht die Leute selbst mit Lügenpropaganda füttern, selbst Länder überfallend und Leute abschlachtend.
Putin sitzt in der Falle. Er ist der einzige, der diese Krise noch beenden kann. Er muss sich selbst opfern und von der Bühne treten, wenn der Vorhang fällt.
Sehr gut geschrieben. Ich denke zwar, es gibt eine Reihe anderer Optionen, bevor es zum Krieg kommt, außer dem Rücktritt von Putin. Aber die außenpolitische Lage ist gut beschrieben. Bei den vielen "Westenskeptikern" auch in meinem eigenen politischen Lager vermisse ich auch oft, dass sie ein wenig an die Ukraine selbst denken. Denn alternativlos ist die Lage nicht für den Westen oder Russland, sondern für jede dortige Regierung. Keine ukrainische Regierung könnte die Annexion der Krim oder die separatistische Bewegung einfach so hinnehmen, das ist absolut verständlich.
Freiheit oder AfD!
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