Manches, was endlich vom Tisch ist, findet sich unter dem Teppich wieder.
Am 04.09.2010 schrieb ich folgendes:
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Als ich nun etwas über das Thema Einwanderungspolitik gegoogelt habe, kam als einer der Suchergebnisse ein interessanter Artikel aus dem Jahre 1982(!) der Zeitung ZEIT hervor. Insgesamt geht der Artikel über 12 Seiten. Ich habe es oben in meinem Posting rot hervorgehoben. Auf der Seite 4 wird es sehr interessant:Wollen wir uns einfach folgendes vor Augen führen. Da ist eine selbsternannte Elite und Grossindustriellen bis Banken, die mit grossem Lobbyismus schliesslich ab den 60er Jahren bei der Politik dafür sorgten, dass Niedriegstlohnarbeiter nach Deutschland kommen. Primär ging es neben der verbilligten Arbeitskraft auch darum, das deutsche Lohnniveau zu drücken. Die Industrie hat seine Wettbewerbsfähigkeit und Exporte genau diesem Umstand zu verdanken. Wobei die Kostenreduzierung auch durch Automatisierung, Umorganisierung der Prozesse und deren Optimierung ebenfalls geschafft worden wäre. Man ist allerdings den vermeintlich bequemeren Weg gegangen, zumal durch die Migration von Millionen Niedrigstlohnarbeitern langfristig die Löhne senken liessen, somit dieser Weg für die Grossindustrie ganz besonders verlockend erschien.
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Wollen wir also kurz festhalten, mein Posting, dass der damalige Arbeitskräftemangel "durch Automatisierung, Umorganisierung der Prozesse und deren Optimierung" in den Unternehmen bewältigt worden wäre, ist also absolut zutreffend! Es ist letztendlich absolut nichts weltbewegendes, sondern schlichtweg naheliegend, dass man durch Optimierungen den Ausgleich geschafft hätte. Es ging allerdings der Industrie einzig darum, langfristig Niedrigstlöhne zu etablieren.Deutschlands Pech ist es, daß der Trend in den Boomjahren von 1960 bis 1975 genau umgekehrt verlief: Die Zahl der „Erwerbsfähigen", wie es im Amtsdeutsch heißt, schrumpfte um zwei Millionne. Das Minus an deutschen Arbeitern mußte die Wirtschaft mit Importen aus dem Ausland wettmachen. „Erinnern wir uns doch", vermerkt BA-Vizepräsident Helmut Minta, „daß wir das erste Anwerbeabkommen schon unter Adenauer in den fünfziger Jahren abgeschlossen haben." Das war mit Italien.
Der Katzenjammer kam erst Jahre später. Heute bangt so mancher Unternehmer, ob der Rückgriff auf ausländische Arbeiter der richtige Weg war. Zumal in der Autoindustrie, wo bald mehr italienisch, türkisch oder kroatisch gesprochen wurde als deutsch, „Wir haben die nur scheinbar billigste Lösung gewählt", weiß heute ein Personalchef der Autobranche zu berichten. „Wenn wir schon damals mit höherem Kapitalaufwand energisch rationalisiert und automatisiert hätten, dann hätten wir inzwischen weniger Probleme mit der japanischen Konkurrenz."
Nun betrachten wir uns dazu einfach mal die 80er/90er Jahre unter der CDU/CSU Regierung. Was ist damals passiert? Es wurden wiederum x Ausländer (hat jemand Zahlen bzw. Statistiken zur Migration der 80er/90er Jahre?) nach Deutschland geholt und die mir bekannten 4.5 Mio Russlanddeutsche, die speziell trotz der Arbeitsmarktsituation, das bereits in den 80er Jahren stagnierte, nach der Wirtschaftskrise Anfang der 90er ZUSÄTZLICH geholt wurden.
Was haben wir heute:
- 1 Euro Jobber
- Zeitarbeitsindustrie/Leiharbeiter
- Niedrigstlöhne
Man muss sich mal an den Kopf fassen, bereits Anfang der 80er Jahre wusste man um die Entwicklungen. Was hat man stattdessen gemacht? Man hat trotz allem weiter Zuwanderung von Menschen in den Niedriglohnsektor ermöglicht! Nun stellen sich Leute wie Hans-Olaf Henkel (Bundesverband der Deutschen Industrie) hin und versuchen Ablenkungsmanöver von ihrer eigenen Politik und Lobbyistenarbeit.
Zwei Tage nach Sarrazins Buchveröffentlichung brachte mich eine Meldung auf die Palme, hier ein gleichlautender Artikel aus einer anderen Zeitung:
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Seit wann brauchen wir bitteschön in Deutschland neue Einwanderung? Habe ich etwas verpasst oder gibts hier irgendwo Vollbeschäftigung?Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) benötigt Deutschland angesichts der Überalterung der Gesellschaft "dringend Arbeitskräfte und Zuwanderer aus dem Ausland". Das sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem Hamburger Abendblatt. Nötig seien "mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr, um unsere Wirtschaftskraft dauerhaft zu sichern".
Ab 2015 verliere die deutsche Wirtschaft "jedes Jahr rund 250.000 Mitarbeiter", sagte Zimmermann. "Dann fehlen aber bereits drei Millionen Arbeitskräfte am Markt - insbesondere Fachkräfte." Ohne Zuwanderung werde der Wohlstand sinken und die Lebensarbeitszeit müsse in Deutschland auf rund 70 Jahre verlängert werden.
Wir haben doch bereits 1 Euro Jobber, Zeitarbeitsindustrie/Leiharbeiter und Niedrigstlöhne, die sogar mit Polen konkurrieren können. Weitere 500.000 Arbeiter pro Jahr? Wo sollen die denn arbeiten?
Mir ist es ein grosses Rätsel.
Manches, was endlich vom Tisch ist, findet sich unter dem Teppich wieder.
Etwas ist mir noch aufgefallen. Zum Thema Demographie und Prognosen.
In dem Zeit-Artikel aus 1982 heisst es:
Man hat also damals geschätzt, dass aus den 1.5 Mio Türken über 4 Mio werden. Wir schreiben das Jahr 2010, es sind also 28 Jahre vergangen und es sind heute [Links nur für registrierte Nutzer]. In dieser Statistik sind jene kurdischen Einwanderer enthalten, die speziell in den 80er Jahren und mehrheitlich insbesondere in den 90er Jahren nach Deutschland kamen.Wo ein Wille ist, ist noch lange kein Weg. Wer sich in den Bonner Amtsstuben über den Diskussionsstand in der Ausländerfrage informiert, wird bald gewahr, daß der Regierungschef mit dem Willen, die Flut der Ausländer auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzudämmen, auf einsamem Posten steht. Seiner Ansicht nach haben wir nur die Wahl in zehn Jahren vier Millionen Türken (jetzt 1,5 Millionen) zu beherbergen oder etwas dagegen zu tun.
Sarrazin gibt selbst zu, dass man nicht über einen Zeitraum von 100 Jahren Prognosen aufstellen kann, tut es aber trotzdem und es bildet eines seiner Kernthesen.
Nun sehen wir aber, dass nicht mal über den Zeitraum von knapp 30 Jahren verlässliche Prognosen erstellt werden können und man liegt zudem mit über 1 Mio daneben. Ohne die Migration von Kurden aus den 80er/90er Jahren würde diese Statistik noch niedriger liegen. Mind. um weitere 700.000 weniger. Somit wären es heute 2.3 Mio Türken. Eine Zunahme von 600.000 in knapp 30 Jahren.
Man ging also damals davon aus, dass die Türken zahlenmässig in 10 Jahren um das 2.6 Fache zunehmen werden, dabei nahm ihre Zahl in 28 Jahren um den Faktor 1.53 zu.
Soviel zum Thema Langzeitprognosen und dem gegenüber die realen Statistiken.
Geändert von Durkheim (18.09.2010 um 00:08 Uhr)
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”
(Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPIEGEL 52/1999)
Für mich sind beide glaubwürdig. Zum Buch direkt möchte ich mich erst äußern, wenn ich es gelesen habe - demnächst.
Schade, daß in den Medien nur immer Sarrazins „Sprüche“ breitgetreten werden. Anderes wird tunlichst verschwiegen.
Beispiel:
Buchvorstellung am 09.09.2010 in Potsdam (Nikolaisaal).
Die Frage- / Diskussionsrunde nutzten natürlich auch Sarrazin-Gegner.
So wurde ihm vorgehalten, daß er während seiner Zeit als Finanzsenator in Berlin mehr Mittel für Bildung, …. hätte genehmigen können.
Nach einigen Worten zur damaligen Finanzlage in Berlin, die er ganz gut bereinigt hatte -Erkennen auch seine Gegner an! – teilte er dem staunenden Publikum mit, daß Berlin schon damals die höchsten Ausgaben Deutschlands pro Schüler, pro Kitaplatz …. hatte.
Dann kam das Wichtigste, was aber eigentlich jeder normale Mensch auch weiß, aber manche einfach nicht wissen wollen: Daß nämlich viele Dinge … im Bildungswesen gerade für unsere lieben Migrantchen nichts mit Geld zu tun haben. Wenn nämlich von den Eltern, die zumeist nicht berufstätig sind, verlangt wird, daß sie ihren Kindern Frühstück machen, ein Pausenbrot schmieren und sie zur Schule schicken. Und genau daran hapert es zu oft.
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”
(Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPIEGEL 52/1999)
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