
Zitat von
Empirist
Wenn du anschließend irgendeine Form von funktionierender Wirtschaft und Staat haben willst, musst du Verpflichtungen übernehmen.
Man nehme mal den Fall an, dass Deutschland sich eine neue Verfassung gibt und das in einer Form, dass tatsächlich ein neuer Staat "entsteht":
1) Sämtliche anderen Nationen werden aus berechtigtem Interesse darauf bestehen, dass Kredite und andere Verpflichtungen des alten Staates übernommen werden, sowie abgeschlossene Verträge bezüglich Handel, Arbeiterbewegungen, wirtschaftlicher Kooperation... fortbestehen. Da wird ein neues Deutschland keine andere Wahl haben, weil der Bedarf an Wirtschaftsgütern und einer handelsfähigen Währung auch in dem neuen Staat besteht. Und kaum eine andere bedeutende Nation auf der Erde hätte auch nur das geringste Interesse daran, einen Präzedenzfall zu schaffen, in dem eine Nation durch Neugründung seinen Verpflichtungen entgehen kann. Eine Neuordnung Deutschlands fände nunmal offensichtlich nicht in einem isolierten Raum statt. Zudem würde sich ein neues Deutschland sicherlich nicht direkt dem Problem aussetzen wollen, dass im Ausland aller Besitz des Staates und seiner Bürger beschlagnahmt wird, um nicht bediente Schulden zu decken.
2) Der der BRD nachfolgende Staat müsste eine Begründung dafür aufzeigen, warum er Anspruch stellt auf alles vom Staatsgebiet bis hin zum Staatseigentum. Ansonsten müsste man nicht nur über die Zugehörigkeit ganzer Gebiete mit den Nachbarn streiten (z.B. das Saarland oder große Teile Schleswig Holsteins), die sicherlich historisch viele Argumente anbringen könnten, warum Gebiet X eben nicht zu diesem neuen Staatsgebilde gehören sollte. Außerdem könnte man sonst auch intern alles mögliche Staatseigentum anfechten. Erkennt der neue Staat die Handlungen des alten Staates nicht an (z.B. Kauf von Grundstücken), kann der ehemalige Eigentümer natürlich argumentieren, dass der neue Staat darauf keinerlei Anspruch hat. Im Endeffekt müsste jeder neue Staat zur Verhinderung einer Flut solcher Probleme, sich als Rechtsnachfolger erklären, was aber eben auch die Aufnahme der alten Verpflichtungen mit sich bringen würde.
3) Es kann überhaupt nicht im Interesse eines neuen Staates sein, geschultes Staatspersonal, deren Kompetenzen auch ein neuer Staat in weten Teilen bräuchte, gegen sich aufzubringen, genauso wenig wie es in dessen Sinne sein könnte eine neu verarmte, automatisch unzufriedene Gruppe dieser Größe zu schaffen. Das wäre offensichtlich nicht nur im Rahmen der Funktionalität und Akzeptanz eine Katastrophe, es macht auch wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn, diese Ansprüche zu streichen, Versorgung und Kaufkraft zu vernichten....
Einfach nur selektiv alte Verpflichtungen übernehmen, würde zu massiven Verwerfungen führen, das kann nicht funktioneren.