Ich empfehle die Offenbarung als Lektüre....:D
Nunmal ernsthaft: Die FAZ hat heute mal wieder einen hervorragenden Artikel veröffentlicht, in dem unser aller Hosenanzug richtig abgewatscht wird.
Es beginnt mit einer für die FAZ eher ungewöhnlichen Einleitung:
"Baff, seit Samstag. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass man sprachlos ist. Und zwar seit dem Gespräch, das Angela Merkel am Samstag mit der F.A.Z. geführt hat ..."
Weiter gehts:
"...Und jetzt, drei Wochen danach, erklärt die Bundeskanzlerin fast stolz, dass sie das Buch, um dessentwillen sie die Absetzung des Bankers betrieb und das ihr Staatsvolk zutiefst spaltet, immer noch nicht gelesen hat, sondern nur aus Vorabdrucken kennt..."
"...Denn was man jetzt erlebt, ist die Aufkündigung von Debatte. Wenn Verfassungsorgane sich über ein Buch äußern und dessen Autor sanktionieren, dann ist von ihnen zu erwarten, dass sie wissen, worüber sie reden. Und dass sie zu Argumenten greifen und sich Argumenten stellen. Natürlich kann jeder sagen, das er ein Buch nicht liest. Wenn er gleichzeitig aus der Position des Mächtigen darüber urteilt und das Urteil mit Strafe versieht, dann handelt es sich um einen Skandal und um ein Paradebeispiel dafür, dass Politik die Ebenen von Macht und Meinung immer weniger auseinanderhalten kann. Gerade wenn die Bundeskanzlerin der Meinung ist, Sarrazins Buch sei so gefährlich, dass er als Person nicht mehr tragbar ist: Müsste sie dann nicht wissen wollen, was Millionen Menschen in Deutschland diskutieren?..."
Und dann das, einfach Spitze:
"...Die gefährlichsten Bücher sind die, die keiner kennt, aber über die jeder eine Meinung hat. Diese Erfahrung prägte das Grundgesetz. F[B][/Breie Meinungsäußerung, das kann man bei den Müttern und Vätern unseres Grundgesetzes nachlesen, ist nichts wert ohne die Pflicht und die Freiheit zur Unterrichtung.]
Man sollte sich informieren, ehe man ein Urteil abgibt. Man muss sich nicht nur unterrichten, sondern besonders in Fällen, wo es um die freie Meinungsäußerung geht, selber zu den Quellen gehen. Denn wo das nicht geschieht, wird die freie Meinungsäußerung ersetzt durch die Herrschaft des Gerüchts. Dolf Sternberger hat dies 1949 in Sätzen zusammengefasst, die in ihrem Wahrheitspathos heute fast schon so klingen wie von einem anderen Stern:
„Mit einem Wort: Nicht die Meinung an sich ist interessant, sondern die Wahrheit. Die Wahrheit erfährt man aber nicht mit einem Schlage, durch Offenbarung, Erleuchtung oder schreckliche Enthüllung, sondern man erfährt sie durch den Prozeß und im Prozeß der ständigen Unterrichtung, des Vergleichens, Prüfens und wiederum der Unterrichtung . . . Keine Unterrichtung taugt etwas, die man sich nicht selbst besorgt.“
Der ganze Artikel ist hier zu lesen:
http://www.faz.net/s/Rub546D91F15D9A...~Scontent.html
Ich hoffe, dass es noch lange die Möglichkeit gibt, die FAZ in der Form zu lesen.