Zitat Zitat von Hulasebdender Beitrag anzeigen
Kohl hat die Gelegenheit ergriffen.

Egon Bahr hatte Jahrzehnte dafür gearbeitet, in vielen kleinen Schritten. Willy Brandt präsentierte die Erfolge. Mit der Arbeitsteilung kamen beide gut zurecht.

Also dann die Einheit greifbar schien, zauderte die SPD, besonders Lafontaine, der wirtschafltliche Verwerfungen fürchtete - die dann ja später auch eintraten. Willy Brandt war es, der die Genossen zur Besinnung rief: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“

Für Helmut Kohl, einen glühenden Europäer, gab es nie auch nur den Hauch eines Zweifels: Das war die Chance für ein geeintes Deutschland in einem friedlichen Europa. Seine große, wirklich historische Leistung war, die Chance zu nutzen, als sie sich bot, und alle anderen zu überzeugen. Er war der richtige Mann für diese Aufgabe.
Nun ja.
Lafontaine fürchtete mit Sicherheit keine "wirtschaftlichen Verwerfungen". Der hatte einfach Angst um seinen kommunistischen Ideal-Staat und damit seine Ideologie. Der war damals schon Kommunist (trotz SPD) und Antideutscher.
Und was Kohl betrifft: der kam doch eher zur Wiedervereinigung wie die Jungfrau zum Kinde. Erst als die Mauer offen war und die Massen der DDR-Bürger skandierten "Wir sind ein Volk", hat er sich dazu überwunden, aus den liebgewordenen Beteuerungen der Sonntagsreden reale Forderungen zu machen.Was wäre ihm denn da noch übrig geblieben?
In Bezug auf Brandt und Bahr gebe ich Dir allerdings recht.