Es muss nun mal irgend ein Ausgleich der Interessen geschaffen werden. Bei reinem 1:1-Verhältniswahlrecht (wie in Deutschland) setzen sich die Ansichten der Bevölkerungszentren durch, als z.B. "bayerisches Landei" kann ich maximal hoffen, dass meine "verlängerte Stimme" im Bundesrat das Schlimmste verhindern wird, und das ist keine besonders realistische Hoffnung. Das amerikanische System gewichtet, das tut es schon über 200 Jahre, und das war nicht direkt zum Schaden der Demokratie. Als Nicht-Amerikaner hat man sowieso eine verzerrte Sicht auf die Präsidentenwahl, tatsächlich ist sie für den Alltag der Amerikaner weit weniger bedeutsam, als das bei präsidialen Systemen in Europa der Fall ist. Vieles regeln die Bundesstaaten vollkommen selbstständig, dabei sind sie lediglich der Prüfung ihrer Gesetzgebung auf Verfassungskonformität unterworfen, der Präsident hat damit nur soweit zu tun, als er Einfluss auf die Zusammensetzung des Gerichts hat, das diese Prüfung durchführt. Die präsidiale Kompetenz beginnt erst dort, wo die USA als Gesamtheit betroffen sind, also zum Beispiel bei der Sicherung der Außengrenzen, der Regelung der Immigration und natürlich allen internationalen Fragen, und die Bundesstaaten wachen eifersüchtig darüber, ja nichts an den Bund abzugeben, das sich auch eigenstaatlich regeln lässt. Schon deswegen ist eine Gewichtung der Stimmen pro Bundesstaat nötig, sonst gerieten die Interessen der dünn besiedelten und/oder mehrheitlich ruralen Staaten zwangsläufig ins Hintertreffen. Wäre das anders, die Bürger alleine der Stadt Austin in Texas hätten mehr Mitbestimmungsrecht auf Bundesebene als der gesamte Staat Alaska, leben doch dort rund 180.000 Menschen mehr. Das ist schwierig zu verstehen, wenn man die "kleine" europäische Perspektive bemüht, die einem Land wie den USA in keiner Hinsicht gerecht wird.



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