Das ist doch ein guter Anfang.
»Schämt euch«, »Schämt euch«, schallte es am Montagabend jenen entgegen, die für 500 Kanadische Dollar eine Veranstaltung des privaten »Bon Mot Book Club« besuchen wollten, um Dick Cheney zu erleben, und sich nun mühsam durch Hunderte Protestierer drängeln mussten. Der einstige Stellvertreter von USA-Präsident George W. Bush sollte in Vancouver sein gemeinsam mit Tochter Liz verfasstes Buch »In My Time: A Personal and Political Memoir« vorstellen und mit den handverlesenen Gästen über diese acht Jahre in der Washingtoner Administration plaudern. Für die Frauen und Männer vor der Tür ein Unding. »Verhaftet Dick Cheney«, »Verhaftet den Mörder«, skandierten sie.
Überrascht und enttäuscht zeigte sich etwa Gail Davidson von der Gruppe »Rechtsanwälte gegen den Krieg«, dass Cheneys Einreise erlaubt worden war. Und der Abgeordnete Don Davies betonte, dass sein Land kein sicherer Ort für Menschen sein dürfe, die Folter zu verantworten hätten. Zumal Kanada zu den Unterzeichnern der Konvention gegen Folter gehört. »Human Rights Watch« hatte von Ottawa am Vorabend der Visite die Festnahme Cheneys gefordert.
Die kanadischen Behörden müssten ihn wegen der Misshandlung von Gefangenen vernehmen, erklärte die Menschenrechtsorganisation in New York. Es gebe »eindeutige Beweise« für die Verwicklung der Bush-Regierung in die Folter von mindestens zwei kanadischen Staatsbürgern. Der in Syrien geborene Maher Arar sei aufgrund falscher Informationen in New York festgenommen, nach Damaskus abgeschoben und dort gefoltert worden. Der in Kanada geborene Omar Khadr soll als Al-Qaida-Kämpfer einen US-Soldaten getötet haben und wurde »harschen Verhörmethoden« unterzogen, obgleich er erst 16 Jahre alt war.
Richard Bruce »Dick« Cheney ist inzwischen 70. Und kein bisschen weise. Auch in seinen Memoiren – mit Verkaufsgespür unmittelbar vor dem 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2011 am Markt platziert – und in diversen aktuellen Interviews präsentiert sich der Republikaner als unbelehrbarer Hardliner und Strippenzieher in Washington. Schon im Prolog seiner Biografie lernt der Leser, dass er es am Schreckenstag war, der im Geheimbunker unter dem Weißen Haus die Entscheidungen traf, während Bush in seiner Air-Force-One durchs Land irrte.
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Daran erinnere ich mich auch noch.
Scharon Prozess abgewiesen
Der israelische Ministerpräsident Scharon sollte in Belgien für Menschenrechtsverletzungen belangt werden, die vor zwanzig Jahren begangen wurden. Doch die belgischen Richter wollten sich daran nicht die Finger verbrennen
Daß Ariel Scharon über Leichen gehen kann, hat er in den letzten Monaten ausreichend bewiesen. Die Kritik an Scharon wird deshalb vor allem auch aus Europa Daß Ariel Scharon über Leichen gehen kann, hat er in den letzten Monaten ausreichend bewiesen. Die Kritik an Scharon wird deshalb vor allem auch aus Europa immer harscher. Der alte General erntete bereits 1982 harte Vorwürfe, die ihn schließlich seinen Kabinettssitz kosteten. Damals befehligte er als Kriegsminister die israelische Invasion im Libanon. Laut israelischen Presseberichten diente sie dem langfristigen Ziel, "die gesamte palästinensische Bevölkerung aus dem Libanon, beginnend mit Beirut, zu vertreiben."
Am 16. September 1982 drangen mit Israel verbündete Phalangistenkämpfer in die Flüchtlingslager von Sabra und Schatila ein und richteten während drei Tagen ein Blutbad unter den Palästinensern an. Dem Massaker fielen ungefähr 2'500 Menschen zum Opfer. Scharons Truppen riegelten die beiden Flüchtlingslager hermetisch ab. Morris Draper war damals US-Gesandter im Libanon. Als er vom Massaker erfuhr, schickte er sofort eine Eilbotschaft an Scharon: "Sie müssen dieses Abschlachten beenden, es ist schrecklich. Einer meiner Stellvertreter befindet sich im Lager und zählt die Leichen. Sie sollten sich schämen. Die Situation ist absolut grauenhaft. Man tötet sogar Kinder! Sie haben das Gebiet unter Ihrer vollständigen Kontrolle und sind deshalb für diese Vorkommnisse verantwortlich."
Scharon behauptete indes, die Phalangisten seien bloß in die Lager geschickt worden, um "die Ordnung wieder herzustellen." Doch Überlebende und auch Angehörige der Christenmilizen (Phalangisten) sagten aus, gewisse israelische Soldaten hätten sich sogar am Morden beteiligt. Dies behauptete einer der Phalangisten-Killer in einem Spiegel-Interview vom Februar 1983: "Unser Offizier sagte uns: ‚Die israelischen Freunde, die euch begleiten, werden euch die Arbeit erleichtern.'
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