Sarrazin, die "FAZ" und Jakob, der Heuchler
Verleger Jakob Augstein geißelt die "FAZ", weil sie Thilo Sarrazin, einem "Rassisten", viel Platz für eine Bilanz eingeräumt hat. Eine Abrechnung mit Augstein.
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Nun ist auch Jakob Augstein, der seinen Beruf bescheiden mit “Journalist und Gärtner in Berlin” angibt, ein Millionär, vermutlich mit mehr Millionen auf dem Konto oder unter dem Kopfkissen als Sarrazin.
Aber im Gegensatz zu dem “Rassisten und Kulturchauvinisten” Sarrazin hat Augstein keinen Bestseller geschrieben, sondern sein Geld geerbt, einschließlich einer satten jährlichen Gewinnbeteiligung am „Spiegel“.
Um reich zu werden, musste er sich weder als Lohnschreiber prostituieren noch Ressentiments bedienen. Er konnte sich leisten, eine sieche Wochenzeitung zu kaufen, so wie sich andere Leute eine Modelleisenbahn leisten, um einmal in ihrem Leben Lokführer, Weichensteller und Streckenwärter zu spielen.
Dagegen wäre wenig zu sagen, wenn nicht ausgerechnet ein “Couponschneider”, dem die Gnade der richtigen Geburt zuteil wurde, darüber verfügen möchte, wer – außer ihm – einen Zug auf die Strecke schicken darf.
Die Entscheidung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", “am Weihnachtstag die Aufmacherseite des Feuilletons einem Rassisten zu übergeben, ist eine Provokation”, schreibt Augstein im Community-Blog des „Freitag“.
Eine Provokation schreit natürlich nach Konsequenzen. Der Imperialismus hat die islamische Welt so lange provoziert, bis Mohammed Atta beschloss, es dem Imperium heimzuzahlen.
Millionen von Moslems in aller Welt fühlten sich durch die Mohammed-Karikaturen, die in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" erschienen waren, dermaßen provoziert, dass sie am liebsten ganz Dänemark und nicht nur ein paar dänische Konsulate abgefackelt hätten.
Und erst vor kurzem sprengte sich ein in Schweden lebender Iraker in die Luft – als Reaktion auf die Provokationen des schwedischen Militärs im Irak.
So weit würde Jakob Augstein natürlich nicht gehen. Er schlägt nur vor, dem “Demagogen” und “gewohnheitsmäßigen Lügner” Sarrazin “das Wort zu entziehen”. Dass die "FAZ“ ihm ausgerechnet “zu Weihnachten” das Wort erteilt hat, setzt der Provokation die Krone auf.
Was lernen wir daraus? Zweierlei: Auch Provokateure sollten Feiertage respektieren. Und was eine Provokation ist, die mit Wortentzug geahndet wird, das entscheidet Jakob Augstein, gewohnheitsmäßiger Journalist und Gärtner mit Sinn für schmutziges Geld und unbeschwerte Festtage.