Es muss das Ende des gemeinsamen Weges gefürchtet werden.
Nur dann wird Verantwortung übernommen. Wenn das Ende des gemeinsamen Weges nicht gefürchtet wird, ist er nichts wert. So ist das Geheimnis jeder lebendigen Ehe das Bewusstsein ihres Bedrohtseins.
Was aber, wenn der gemeinsame Weg nicht zu beenden ist?
Was aber, wenn der gemeinsame Weg nicht zu beenden ist oder nur zu einem hohen Preis? Dann gibt es kein Motiv, sich für dessen Erhalt einzusetzen. Dann beginnt mit der Umerziehung, dem Fördern und Ködern jenes Kurieren an Symptomen, das die Probleme nur vertieft, die es zu beheben vorgibt. Deshalb pervertieren alle Kooperationsverhältnisse, die nicht zu beenden sind.
Muslime als Objekte fürsorglicher Belagerung
Der Mensch lebt über seine Verhältnisse, wenn er das Ende tabuisiert. Das kann man schließlich beobachten beim aktuellen Handgemenge zu Sarrazins Thesen. Sowohl im Buch (!) wie in der Diskussion erscheinen Muslime vorrangig als Objekte fürsorglicher Belagerung. Da wird integriert, gefördert und geholfen, dass sich die Sozialkassen biegen; da ruft man „Bildung!“ und „Sprache!“ – und verkennt die Verhältnisse: Warum soll ich Deutsch lernen, wenn die mich umgebende Mehrheitsgesellschaft aus Muslimen besteht, die auch kein Deutsch sprechen?
Auf einem Auge blind ist man jedoch vor allem im Grundsätzlichen: Denn zur Einschließung gehört die Ausschließung wesenhaft dazu, zum gemeinsamen Weg der getrennte. Bringt man ihn jedoch ins Spiel, befindet man sich mit dem Stigma des Rechtsradikalismus reflexhaft außerhalb der intellektuellen Sperrzone. Eine vernünftige Diskussion ist so nicht möglich. Noch nicht. Erst wenn uns schon in wenigen Jahren die Sozialsysteme um die Ohren fliegen, werden wir wie selbstverständlich die Lebenslehren der Leistung und Gegenleistung einführen, die in neosozialistischen Ländern wie Dänemark und Schweden schon heute Praxis sind.