Meine Meinung nach ist niemand nervös, von Hysterie kann Gott sei dank nicht die rede sein. Aber es liegt eben immer im Auge des Betrachters und in der Blase, in der man sich befindet.
Ja, es gibt diese Hartliner, die in der Migration die Mehrheitsgesellschaft, deren Normen und Werte in Frage stellen. Das ist aber ein ganz gewöhnlicher Prozess.
Warum gewöhnlich? Nun ja, in der Migration stecken nicht nur Chancen, sondern auch seelische Probleme. Es ist so, du gibst dein altes leben komplett auf. Soweit.
Du verlierst den Geruch der Herde. Also, in deiner alten Heimat, will dich auch niemand mehr, kennt dich niemand mehr.
In der neuen Heimat musst / Sollst du dich „angleichen“. Das ist aber ein enormer seelischer Spagat, den nur wenige hinbekommen. In der ersten Generation.
In der zweiten und dritten Generation sieht es anders, normalerweise, besser aus.
Aber es gibt eben Migranten, die es nicht überwinden können, dass alles was sie gelernt haben, nicht mehr gelten soll. Kannst du das verstehen? Das ist überall das gleiche und nicht nur ein Problem hier mit türkischen Migranten.
Einheimische Bräuche, Sitten, Normen und Werte werden immer von einem Teil einer Migranten Gruppe in frage gestellt. Ein anderer Teil gliedert sich, wie selbstverständlich komplett ein, wieder andere bewegen sich dazwischen und wieder ein anderer wendet sogar, wie Kellek zum Beispiel, sich gegen die Ur-kultur und gegen die eigene Gruppe.
Letzteres ist auch eine Form der Integration, die in abgemilderter Form immer latent existiert. In Gesprächen mit Landsleuten, wird die eigene Herkunft bisweilen regelrecht zerschreddert. Das ist für Außenstehende schwer nach zu vollziehen.
Letzteres mache ich nicht, da ich beide kulturen verinnerlicht habe. Ich bin beides und bin es gern. Eben auch eine Form der Migration. Aber in 100 jahren? Wir werden sehen, in welchem Forum ich mich dann runtreibe.
