
Zitat von
A-Lincoln
Der Vergleich hinkt. Warum? Weil die beiden Positionen, die da verglichen werden, schlicht unterschiedliche Kostenforderungen haben.
Die pro-ukrainische Seite fordert: deutsche Steuergelder, deutsche Waffenbestände, politische Rückendeckung, wirtschaftliche Sanktionen – die zu einem Teil auch uns selbst treffen, und im äußersten Eskalationsfall sogar deutsche Soldaten, sei es für Ausbildungsmissionen, Sicherungsaufgaben oder später mal ein internationales Mandat
Kurz: Sie fordert strategische Entscheidungen, die reale Konsequenzen für den deutschen Staat und seine Bürger haben. Man kann das gut finden oder schlecht – aber sie fordert etwas.
Die pro-russische oder status quo-orientierte Seite fordert hingegen primär: …nichts Tun. Sie will, grob gesagt, dass Deutschland im Zweifel weniger tut oder gar nichts tut. Kein zusätzliches Geld, keine Waffen, keine neuen Sanktionen – also keine zusätzlichen Belastungen für die deutsche Politik oder Bevölkerung.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Position besser oder richtiger ist. Aber sie ist passiv. Status Quo! Sie verlangt keine aktiven Opfer, außer vielleicht dem Risiko, moralisch etwas schief angeschaut zu werden.
In der Politikwissenschaft heißt das asymmetrische Präferenzintensität – die eine Seite will aktiv Eingriffe, die andere will Nichtstun. Und Nichtstun ist traditionell billiger, bequemer und politisch weniger riskant.
Und man sieht ja, wie sich der Wind dreht: In den USA hat man genau diesen Mechanismus längst verstanden.
Dort sagt man inzwischen ganz offen: Show me the money. Weniger moralische Begeisterung, mehr Kassensturz und Gegenleistungen.
Washington hat begriffen, dass man nicht dauerhaft Milliarden verbrennen kann, ohne irgendwann ROI-Fragen zu stellen. Die Distanz wächst – und zwar genau aus diesem Kosten-Nutzen-Denken heraus.
Wer aktive Maßnahmen fordert, die andere bezahlen sollen, muss sich demzufolge zumindest gefallen lassen, dass man über die Kostenverteilung spricht. Das heißt nicht, dass man selbst an die Front muss. Aber es heißt, dass man sich nicht wundern darf, wenn andere fragen:
Warum sollen wir zahlen, während ihr fordert?