
Zitat von
Peter Müller
Das Renteneintrittsalter soll erhöht werden propagieren einige einfallslose Politiker.
Das grundlegende Problem liegt jedoch nicht im Rentenalter selbst, sondern in niedrigen Löhnen, prekärer Beschäftigung und fehlenden Beitragszahlern. Wer das System nachhaltig stabilisieren will, muss die strukturellen Ursachen angehen.
Notwendig ist eine grundlegende Rentenreform, statt allein auf die Erhöhung des Renteneintrittsalters zu setzen. Ein Rentenmodell nach schwedischem Vorbild kombiniert ein umlagefinanziertes System mit einer verpflichtenden, kapitalgedeckten Komponente.
Ein zusätzlicher Ansatz wäre die Einbeziehung aller Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung, auch Beamte, Politiker und Selbständige. Es ist schwer vermittelbar, dass Steuerzahler neben ihrer eigenen Rente zusätzlich Pensionen finanzieren, für die keine Beiträge geleistet werden. Im Durchschnitt kostet jeder Pensionär den Staat fast zehnmal so viel wie ein Rentner.
Weitere Maßnahmen wären: jüngere arbeitsfähige Bürgergeldempfänger in Beschäftigung bringen, die Verbeamtung bestimmter Berufsgruppen wie Lehrer, Hochschulprofessoren und Verwaltungsmitarbeitern einschränken, Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen sowie höhere Löhne und produktivere Beschäftigung fördern. Diese Schritte würden das System sofort breiter finanzieren, ohne die Belastung einseitig auf ältere Arbeitnehmer zu verlagern.
Gesellschaftlich ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters hoch problematisch. Die Rente gilt als verdienter Lebensabschnitt nach jahrzehntelanger Arbeit. Viele würden eine Anhebung als Bruch des Generationenvertrags empfinden. Das Vertrauen in die Politik würde sinken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.
Sollte die Politik dennoch an einer Erhöhung festhalten, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Eine Erhöhung setzt voraus, dass ältere Arbeitnehmer realistische Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das ist nicht der Fall. Unternehmen stellen Menschen ab 60 selten ein und bieten ihnen weniger Weiterbildung. Wer in diesem Alter arbeitslos wird, kehrt kaum in stabile Beschäftigung zurück. Ein höheres Rentenalter führt daher nicht zu mehr Beitragszahlern, sondern zu mehr Langzeitarbeitslosigkeit, Frühverrentung mit Abschlägen und höherem Risiko der Altersarmut. Die Last wird auf Betroffene und Sozialkassen verschoben, ohne dass das Rentensystem stabiler wird.
Damit ein höheres Renteneintrittsalter funktioniert, müssen Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden. Konkret: Der Staat sollte vorschreiben, wie viele Menschen über 60 ein Unternehmen mindestens beschäftigen muss – abhängig von der Gesamtzahl der Mitarbeiter und der Altersstruktur in der Gesellschaft. Unternehmen, die zu wenige ältere Arbeitnehmer beschäftigen, müssen entweder aktiv einstellen oder einen finanziellen Ausgleich in die Rentenkasse zahlen. Ohne eine solche Regelung zahlen am Ende nur die Arbeitnehmer den Preis für eine Reform, während Unternehmen keine Verantwortung tragen müssen. Das wäre ungerecht gegenüber jenen, die das System jahrzehntelang finanziert haben, und würde politischen Extrempositionen Auftrieb geben.