Krankenkassen-Zahlen machen stutzig: Mehr Intensiv-Patienten beatmet als nötig?
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VonVeronika Silberg
Offenbar landeten in Deutschland mehr Corona-Patienten auf Intensivstationen als in anderen Ländern, ein Großteil von ihnen mit Beatmung. Das kostet.
Berlin - Wurden tatsächlich „auffällig viele“ Corona-Kranke in Deutschland intensiv behandelt? Die Meinungen gehen stark auseinander. Die Welt veröffentlichte am Wochenende Zahlen der DAK, einer der größten Krankenkassen in Deutschland. Von Februar bis Mitte Juni sind demnach 5157 DAK-Versicherte wegen Covid-19 auf Intensivstationen behandelt worden. 81 Prozent davon wurden beatmet.
Der Anästhesist, Palliativmediziner und Buchautor Matthias Thöns ordnete die Zahlen kritisch ein:
„Der sehr hohe Anteil an Beatmung lässt sich nicht allein mit medizinischer Notwendigkeit erklären.“ Der Vorwurf: Krankenhäuser könnten die Corona-Lage genutzt haben, um mehr teure Intensiv-Behandlungen abzurechnen als nötig.
Tatsächlich ist die Beatmung von Covid-19 Patienten kostspielig. Sie kann auf deutschen Intensivstationen mit 38.500 Euro abgerechnet werden, teilweise sogar mit 70.000 Euro. Auch Franz Knieps, Vorstand des DKK-Dachverbandes ist im Welt-Interview skeptisch: „In der Frühphase der Pandemie wurden ausgesprochen viele Corona-Patienten intubiert, selbst sehr alte Menschen. Da muss man sich schon fragen, ob das nicht sogar kontraproduktiv war“….
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