
Zitat von
Sven71
Jetzt wird es doch etwas Zeit für Svennis Senf zur Sauce. Sind ja auch schon 4660 Seiten, genau richtig für Spätzünder:
Die "Gefährlichkeit" einer Infektionskrankheit eindimensional zu diskutieren, ist Unfug, denn es gibt mehrere Faktoren, die für jeder für sich einen Teil der Gefährdung ausmachen:
1.) Letalität. Ist bei CoViD19 noch nicht abschließend geklärt, denn die erste Pandemie dieses neuen Virus ist noch nicht vorüber. Statistisch kommen zwei Verfahren mit entgegengesetzten systematischen Fehlern zum Einsatz, die beiden Kurven sollten sich am Ende der Pandemie idealerweise "küssen". Die eine bestimmt die Infektionssterblichkeit zu hoch, die andere eben zu niedrig. Aus dem Bauch raus mit den bislang verfügbaren Zahlen: Geährlicher als eine saisonale Grippe, ziemlich in derselben Liga wie eine pandemische Grippe. Die auf gemeldeten Fällen basierenden Daten schwanken je nach Land grob zwischen 5 - 15 %. Da die tatsächliche Zahl der Fälle deutlich höher liegt (nicht jeder wird getestet, gerade die milden Fälle suchen nicht einmal einen Arzt auf, die Asymptomatischen wissen nix von ihrem "Glück"), wird die Letalität am Ende gut einen Faktor 8 - 10 niedriger liegen, also bei vielleicht 3%. Kein Vergleich zu Pocken (30%) oder Tollwut (100%) unter denselben Bedingungen (immunologisch naive Population, kein Impfschutz verfügbar)
2.) Kontagiosität oder zu deutsch "is des arisch ooohschteckend?" Ohne Immunitätshürde ja. Wobei andere Schutzfaktoren immer noch wirksam sind, d. h. außerhalb von Superspreader-Events wie dem norditalienischen Fußball und dem Après-Ski-Gesaufe auf engem Raum und dem anschließenden Rumbumsen auf noch engerem Raum in Ischgl für jeweils deutlich mehr als 15 Minuten, bilden sich zumindest mal keine Hot Spots und unsere 80 Millionen-Bevölkerung ist noch lange nicht komplett infiziert. Die Schweden übrigens auch nicht, obgleich die mehr Tote zugunsten des Verzichts auf einen ökonomischen Overkill riskiert haben. Auch hier ist CoViD19 sicher nicht an vorderster Front mit den hoch ansteckenden Krankheiten wie Masern mit einem R0 von 14 gegenüber CoViD19 mit ca. 2,5.
3.) Inkubationszeit bis zu 14 Tagen, im Mittel eine Woche. Allerdings erst 2 - 3 Tage vor Symptombeginn ansteckend, nicht während der gesamten Inkubationszeit. Der Schutzfaktor "bleibe krank zuhause" fällt zumindest für ein paar Tage weg und das kann reichen.
Würde man banalen Schnupfen mit derselben Akuratesse erfassen und tagesaktuelle Zahlen und Kurven präsentieren, sähe das mit Ausnahme der Todesfälle nicht viel anders aus. Würde man den Schnupfen nicht Schnupfen nennen, sondern den Namen des Virus verwenden, würde Klopapier gehamstert werden. Ein Teil des Geschehens ist definitiv Medienhysterie und dieses Scheißgeschäft mit der Angst, welches Risikoversicherer, Politiker und Medien aus Verkaufsgründen betreiben, kann weniger souveräne Emotionsreagierer ernsthaft krank machen. Es wäre daher schön, etwas mehr Sachebene in die Debatte zu bekommen.
Harmlos ist CoViD19 deshalb nicht weil die prozentual geringe Letalität wegen der hohen Fallzahl zu absolut beachtlich vielen Toten führt. Während die in Sachen Letalität ungleich gefährlichere Tollwut wegen des anderen Übertragungsweges und des für Wildtiere und beruflich exponierte Menschen eingesetzten Impfschutzes seit Jahrzehnten keine Fälle mehr in Deutschland zeitigte, obgleich das Reservoir (ja, auch hier die Fledermaus) immer noch da ist. Soviel zur Diskussion um die Frage, wie "gefährlich" eine Infektionskrankheit ist: "gefährlich in welcher Hinsicht" ist stets auszuführen.
Die schrottigen Todesursachenstatistiken oder die Unsitte in manchen Ländern - zuletzt aus den USA berichtet (Tucker Carlson) -, Ärzte dahingehend zu pushen, daß sie bei der Todesursache in unklaren Fällen "covid" eintragen, ist einer seriösen Forschung ebenso wenig dienlich.
Die Frage "wieso diesmal" wird die Politik nach dem Achselzucken bei früheren Grippepandemien in jedem Fall zu beantworten haben. Ebenso die Frage, ob wir künftig bei vergleichbaren Infektionswellen wieder den Lockdown proben wollen. "Mit dem Lockdown könnten wir den Zusammenbruch des Gesundheitswesens gerade noch so abwenden" .... naja, wenn ich die Überlastung "gerade so" abwende, erwarte ich immer noch Auslastung. Die kleineren Häuser hier in der Umgebung schicken Personal in Kurzarbeit, die Corona-Fälle sind quantitativ überschaubar und nachdem ich mich ob meiner eigenen Praxisflaute (Personaldienstleister und Fahrschulen haben kaum zugewiesen) zum Einsatz in den Arztmangelhäusern gemeldet habe, hat das Telefon nicht ein einziges Mal geläutet. Blaulichter und Martinshörner ja, aber mehr Polizei und Feuerwehr als Krankenwägen. Ja, das sind nur regionale Beobachtungen und ja, damit muss man vorsichtig sein. Dennoch bleibt das Gefühl, daß die Maßnahmenverhänger noch andere Ambitionen umtreiben.
Flug- und Seehäfen dicht, Grenzkontrollen, Lockdown im Februar .... hätte ich für glaubwürdig gehalten und unterstützt. Die verpflichtende Einführung von Maskenzirkus jenseits des Neuinfektionsgipfels hingegen ist ein Witz und die Vorstellung, mit 30 Micron-Textilien, die sich manche Hausfrauen zurechtnähen, ein 120 nm-Virus in einem etwas dickeren Wassertröpfchen ausbremsen zu wollen, ist lachhaft. Zumal man sich eher selten mehr als 10 Minuten auf engstem Abstand im Lebensmittelladen aufhält, außer an den Kassen. Und da wären die Abstandsregeln m. E. ausreichend.
Zu viel, zu spät. Die Wirtschaft an die Wand fahren, nur um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, ist ebenfalls daneben. Und ob am Ende unser Weg oder der Weg der Schweden der richtige Weg war, wird erst nach einer zweiten und dritten Welle abschließend zu beurteilen sein. Sollten die Lockdown-Länder dann die Toten, die Schweden jetzt schon hat, "nachholen" und zugleich Schweden kaum noch betroffen sein dank Herdenimmunität, war das ökonomische Opfer definitiv für die Katz. Deren Neuinfektionskurve ebbt jedenfalls auch ab .... ohne den ganzen Aufstand.