Ja und nein. So einfach ist das nicht. Das war, ganz im Gegenteil, eine sehr komplizierte Angelegenheit. Was Du meinst, und richtig beurteilst, ist, dass ein TEIL der Nationalsozialisten, insbesondere innerhalb der SS, dem Christentum in der Tat nicht wohlgesonnen waren und deutliche paganistische Tendenzen da durchaus vorhanden waren. Die SS war aber ein "Staat im Staate", und innerhalb der Partei und der Bewegung, zumindest in der Originalversion, als besondere "Elite" gedacht, auch weltanschaulich, innerhalb derer Dinge offen diskutiert wurden, die nicht für den Rest des Volkes, nicht einmal für den Rest der Partei gedacht waren. Der absolut sicherste Weg für Hitler die Unterstützung im Volk zu verlieren wäre gewesen, offen gegen das Christentum vorzugehen, das damals noch einen ganz anderen Stellenwert hatte als heute. Man griff also zu diversen Kniffen, unter anderem einem Christusbild das mehr an einen arischen Superhelden als an einen bescheidenen jüdischen Wanderprediger gemahnte, um das Christentum weltanschaulich zu integrieren, zumindest für die breite Masse des Volkes wie auch der Partei/Bewegung. Einer der vielen Kompromisse, die auch hardcore-Fanatiker eingehen müssen, wenn sie mit der harten Wirklichkeit der "Realpolitik" konfrontiert werden.
Hitler persönlich hielt übrigens von den ganzen Eskapaden innerhalb der SS und Himmlers "Germanenfimmel" überhaupt nichts. Er ließ auch alle okkulten Gruppen (offiziell) verbieten, von denen einige ja auch durch hochrangige Leute innerhalb der SS und Partei vertreten waren. Dem Christentum stand er recht ambivalent gegenüber, mal lobt er es, oder zumindest manche seiner Organisationen (wie die Jesuiten), mal macht er sich darüber lustig und lobt stattdessen den Islam. Größten Respekt hatte er vor der Natur und vor allem vor Technik und Naturwissenschaft. Ob er im eigentlichen Sinne als Erwachsener ein religiöses Gefühl hatte, das exakt dem christlichen entspricht, ist höchst fraglich. Da gibt es nur sehr wenige Indizien dafür.




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