Mit „Ich zuerst“ in den Untergang
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Deutsche Atemmasken den Deutschen, hat der Krisenstab der Bundesregierung gerade beschlossen. Es wird ein ziemlich striktes Exportverbot verhängt, bis auf weiteres wird es einfacher sein, Panzer auszuführen als Atemmasken. Tags zuvor hat bereits Frankreichs Emmanuel Macron angeordnet, alle Schutzmasken zu beschlagnahmen und die zu ihrer Herstellung benötigten Maschinen gleich mit.
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Was immer die beteiligten Politiker damit bezwecken: Geeignet, beschwichtigend auf die verstörte Bevölkerung zu wirken, sind solche regierungsamtlichen Pendants des klassischen Hamsterkaufs ganz sicher nicht. Und was noch viel schlimmer ist: Sie zerstören die Hoffnung darauf, dass der Kampf gegen Corona einer wird, zu dem sich die Weltgemeinschaft zusammenschließt.
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Es muss nicht so sein. Und es war auch nicht immer so. Im Oktober 2008 zum Beispiel, nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Hätten die Bürger damals auch nur ihre Girokonten geräumt, das Weltfinanzsystem wäre unter einem solchen „Bank run“ sofort kollabiert. Doch die Bürger, in Deutschland und anderswo, verkniffen sich die Flucht ins Nach-mir-die-Sintflut.
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Und die Politik tat es ihr nach. Im November 2008 versammelten sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten in Washington und gelobten, gemeinsam gegen die Finanzkrise vorzugehen und eine protektionistische Beggar-thy-Neighbor-Politik zu unterlassen. Sie hielten sich nicht ewig an diese Ankündigungen – aber doch lange genug, bis die Weltwirtschaft wieder Fuß gefasst hatte.
Gut elf Jahre später ist von derlei Weltbürgersinn nicht mehr viel übrig.
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