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Dazu geht sie zurück zur Herkunft von Ramadan. Denn das Misstrauen vieler Gegner liegt in der Herkunft Tariq Ramadans begründet. Er ist der Enkel des Gründers der strengkonservativen ägyptischen Muslimbrüder, Hassan al-Banna. Ramadan wehrt sich jedoch vehement gegen diese Vereinahmung und bringt zum Ausdruck, dass er sich von den Ansichten seines Großvaters distanziert.
Zum anderen sind es Ramadans Thesen für die Errichtung eines europäischen Islam, die ihm nicht nur Anhänger, sondern auch viele Gegner im eigenen Lager bescheren. Im Gegensatz zu vielen liberalen muslimischen Intellektuellen vertritt Ramadan konservative Ansichten. Er möchte zurück zu den Quellen des Islam, zu Koran und Sunna, der Tradition des Propheten, um diese neu und zeitgemäß zu interpretieren.
Seiner Ansicht nach sind alle Ansätze für eine Erneuerung des Islam im Koran enthalten. Dies unterscheidet ihn nicht von anderen konservativen Denkern. Doch auch hier findet er seine Gegner, da er vielen wiederum zu liberal ist.
Denn in wichtigen Fragen hat er eine dezidierte Meinung. Er möchte Körperstrafen aussetzen, den „Idschdihad“, das freie Denken, wieder einführen, und die „Scharia“, das islamische Recht, durch eine innerislamische Debatte erneuern und von dem Ballast, der sich über Jahrhundert angesammelt hat, loswerden.
Zudem hat er das traditionelle Konzept des „Dar al-Harb“, das „Gebiet des Krieges“, durch das „Gebiet des Zeugnisses“, des „dar as-Shahada“, ersetzt. „Dar al-Harb“ wurde durch die islamischen Rechtsgelehrten im Mittelalter erfunden und bezeichnete jene Länder, die nicht unter muslimischer Dominanz standen. Für Muslime war es verpönt, sich dort aufzuhalten, da sie ihren Glauben nicht vorschriftsgemäß ausüben konnten.