Nein, erst nach einem Systemwechsel! Die BRD-Nomenklatur regiert wie das Ancien Regime gegen 80-90%-Mehrheiten der Bevölkerung. Die betteln geradezu darum, eines Tages den Weg von Madame und Monsieur Capet antreten zu dürfen.
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Ist ja nicht mehr sooo lange bis zum 9. November. Und da ist bekanntlich schon des öfteren Epochales in der deutschen Geschichte passiert.
Eigentlich fehlt nur noch ein Fanal.
wobei man aber auch klar sagen muß, egal ob man in seiner Schulzeit faul war oder ob man einfach nicht der Klügste ist, es gibt für jeden Menschen einen passenden Beruf
ob Friseur, Taxi-Fahrer, Verkäufer, Krankenschwester, Feuerwehrmann und und und für alle diese ehrenwerten Berufe muß man kein Genie sein aber ohne sie wäre diese Gesellschaft nicht lebenswert
selbst für Aishe und Ali aus dem Orient gibt es Aufgaben die sie erfüllen könnten wenn sie den wollten, egal ob sie klug oder dumm sind.
aber das Problem spricht Sarrazin ja an: Sie müssen nicht weil sie vom Staat mehr Geld geschenkt bekommen als wenn sie in ihrer Heimat täglich 20 Stunden harter Arbeit nachgehen würden. Sie sind zufrieden mit dem was sie vom Steuerzahler erhalten und oft reicht dies sogar noch um Geld nach Hause zum Rest der Familie zu schicken.
Hat er!
Er weiß auch, wofür unsere Steuergelder rausgeschmissen werden.
http://www.berlinonline.de/berliner-...310/index.html
Zitat:
Guck nach unten, Frau!
Tanja Leston unterrichtete sechs Monate als Aushilfe an einer Weddinger Gesamtschule. Qualifiziert war sie dafür nicht. Ein Überlebensbericht
………….wurde arbeitslos und belegte am Wallstreet-Institut in der Friedrichstraße einen Sprachenkurs, um mein Schulenglisch aufzubessern.
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"Herzlich willkommen in der Höhle des Löwen. Sie können sofort anfangen", begrüßte mich der stellvertretende Direktor und führte mich in sein Büro. Bei Durchlaufkaffee und Keksen erzählte er mir als Erstes, dass zweiundachtzig Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft seien, aus vierundzwanzig Nationen. "
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"Also, wir würden Sie dann in den Fächern Musik und Englisch einsetzen", fuhr der stellvertretende Direktor fort.
Musik? Ich sagte, dass ich keinen Schimmer von Musik habe. Ich erwähnte, Ehrlichkeit erschien mir angebracht, dass ich auch keine Noten kenne.
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Der stellvertretende Direktor sagte, dass der Musik- und Englischlehrer seit über einem dreiviertel Jahr krank sei. Die Schule könne keinen neuen Lehrer fest einstellen, solange der dauerkranke Pädagoge nicht aus dem Schuldienst ausgeschieden sei. Nichtlehrer indes dürften mit befristeten Verträgen einspringen. "Ihnen wird schon was einfallen."
Er legte einen Stundenplan auf den Tisch, meinen künftigen Stundenplan. "Ach", rief er, "Kunst und Deutsch können sie doch bestimmt auch?"
"Wenn's sein muss", sagte ich schwach.
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Drei Tage später, neunte Klasse, Musikunterricht. Ich hatte keinen Lehrplan, keine Stoffplanung und keine Arbeitsmaterialien erhalten. Ich konnte machen, was ich wollte, wahrscheinlich ging es nur darum, die Schüler ruhig zu halten.
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Den Komponisten kannten die Schüler nicht, was mich nicht überraschte. Prag kannten sie allerdings auch nicht. Und Tschechien und die anderen Nachbarländer von Deutschland. Immerhin hörten sie in dieser ersten Stunde noch zu, sie waren neugierig auf mich, die Neue. Ein Bonus, der rasch aufgebraucht war.
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Sie kauten Kaugummi im Unterricht, standen einfach auf und brüllten ihre Nachbarn an. Ich war entsetzt und suchte verzweifelt Parallelen zu meiner eigenen Schulzeit. Ich fand keine.
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Ich wünschte mir Besserungsanstalten und Schulversetzungen auf Knopfdruck.
Manchmal gab es aber auch Momente, da kam ich plötzlich an sie ran. In einer Musikstunde beispielsweise, in der 8. Klasse. Ich spielte Johnny Cash, den Song "Hurt". Derya, die ganz hinten neben der Tür saß, mit einer Leck-mich-am-Arsch-Miene, und gern durch die Klasse schrie, dass sie keinen Bock auf meinen Scheiß habe, saß bei diesem Lied die ganze Zeit ruhig auf ihrem Platz und kaute auf ihrem Kugelschreiber. Als die Musik aufhörte, sagte sie: "Bitte spielen Sie das noch mal. Das klang schön. So traurig."
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Ständiges Zuspätkommen. Türen werden aufgerissen, Schüler aus anderen Klassen brüllen in den Raum: "Hurensohn. Opfer. Scheiß Jude. Fresse. Guck nach unten, Frau." Kollegen, die älter sind, werden krank. Hörsturz, Burn out.
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Mit Stühlen gingen die Jungs im Flur aufeinander los. Ich schob mich dazwischen, schrie: "Aufhören!", spürte die erhitzten Gesichter ganz dicht neben mir. Sie machten einfach weiter, schoben sich an mir vorbei. Ich schob zurück. Konnte sie nicht trennen. Drehte mich um und ging weg, ohne zurückzublicken.
Als es zum Unterricht klingelte, waren die Jungs noch nicht zurück. Ich wartete vor der Tafel. Nacheinander trudelten sie ein, mit hochroten Gesichtern, immer noch wütend. Ich schrieb die Minuten, die sie zu spät kamen, an die Tafel. Die würden wir nachsitzen. Nachsitzen war eigentlich nicht erlaubt. Aber in diesem Fall hatten meine Nerven entschieden. Minutenlang saß ich auf meinem Stuhl, packte meine Sachen in die Tasche, mit Blick auf die Zahlen an der Tafel.
"Das dürfen sie gar nicht, uns nachsitzen lassen."
"Habt ihr eine Ahnung, was ich darf."
Ich dachte daran, dass mein Vertrag noch drei Monate ging und dass ich danach wahrscheinlich wieder zum Arbeitsamt müsste. Es war mir egal, ob sie mich hier rausschmeißen oder nicht.
Es platzte aus mir heraus: "Ihr seid wie die Affen, ihr brüllt ohne Anstand, wie in einem Scheiß-Zoo ist das hier."
Aygül meldete sich: "Das sag ich dem Direktor, dass Sie Affen zu uns gesagt haben."
"Bitte, nur zu. Ich sagte: Wie die Affen. Wie die Affen und das schwöre ich auch vor Frau Merkel."
"Wer ist Frau Merkel?"
"Spuck endlich den Kaugummi aus, oder willst du einen Tadel?"
"Tschüh, ich habe keinen Kaugummi, ich schwöre."
"Auch auf deine Mutter?"
"Abuuuuuh"- im Chor.
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"Stellt euch vor, ihr seid von einem Tag auf den anderen in New York, was würdet ihr tun?", fragte ich. "Wie die Sprache lernen? Wie Geld verdienen? Wo wohnen, Freunde finden?"
"Gibt's da auch Hartz IV?", war die erste Frage. Meine Schüler wussten offensichtlich, dass man damit gut durchkommt.
"So was gibt's nur hier - verlassen würde ich mich darauf nicht", sagte ich. "Und in zwanzig Jahren sieht das hier wahrscheinlich auch anders aus."
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Ich fragte, was sie werden wollen.
Bodyguard, Fußballprofi, Schauspieler, Sängerin, Superstar. Was Realistisches war kaum dabei, manchmal Erzieherin oder Kfz-Mechaniker. Das soziale Netz versprach Absicherung. Superstar, und wenn das nicht klappt, kann man ja auch noch vom Staat leben.
Die Rechtschreibung in den Tests und Arbeitsblättern war zum Haaresträuben. Jeden Tag bin ich mit meinen Ansprüchen ein bisschen weiter runter gegangen. Es gab Stunden, meist die letzten, in denen die Hälfte der Klasse fehlte. Das waren die schönsten. Nur zehn Schüler in der Klasse! Gott sei Dank, dachte ich, und das dachten auch die Schüler. Die Schwänzer waren zu Hause vor dem Fernseher oder auf der Straße. Auf einmal gab es das typische Fingerschnipsen, wenn man etwas wissen, wenn man sich mitteilen will.
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Beim Rauchen im Heizungskeller erfuhr ich das Neueste. Eine Kollegin wurde von den Schülern "fettes Schwein" genannt, dabei hatte sie gerade 15 Kilo abgenommen. Wie nett, dachte ich, mir hatten sie gerade "Votze" zugeflüstert.
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Freunde und Bekannte von mir konnten überhaupt nicht nachvollziehen, dass Nichtlehrer unterrichten dürfen. Ohne Ausbildung! "Also bitteschön, so was ist doch in Deutschland nicht möglich",
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Es gab eine Menge hübscher Mädels in meinen Klassen. "Hübsche Mädchen mit gutem Englisch könnten überall als Stewardess arbeiten und in der ganzen Welt rumkommen", warf ich einmal in den Unterricht ein. Angefixt von dieser plötzlichen Option meldeten sich die Selbstbewussten: "Welche Note brauche ich denn in Englisch, muss ich da einen Leistungskurs machen?"
Beim Sportfest rannten sie, als ginge es um ihr Leben. Staffellauf. Das Team war gefordert, der Schwächste wie auch der Schnellste, da hielten sie zusammen. Da bekamen sie Anerkennung. Ich hatte nicht gewusst, dass sich pubertierende Teenager über eine Urkunde beim Sportfest so freuen können. Sie lachten und rissen die Arme hoch, und ich bin mir sicher, dass sie ihre Urkunde sehr lange aufbewahren werden.
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Vielleicht könnte Unterricht hier, in einer Schule wie dieser, funktionieren mit Klassengrößen von 15 Kindern. Es könnte klappen mit mehr Deutschunterricht. Denn die Schüler scheitern in den Prüfungen vor allem an Fragen, die sie nicht verstehen. Warum gibt es keine Regel, die besagt, dass fünfzig Prozent Migrantenanteil an einer Schule ausreichend sind? Oder 60? Ist es politisch unkorrekt, wenn man will, dass die Kinder in die Gesellschaft integriert werden. Man kann das Wort ja nicht mehr hören, aber erst hier, an dieser Schule im Wedding, habe ich begriffen, dass es nur eine Phrase ist.
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Der Cambridge-Absolvent wird der nächste Englisch- und Musiklehrer, mein Nachfolger. Vor mir war es für sechs Monate ein amerikanischer Student mit Berlin-Ambitionen und Gitarre in der Hand. Drei wechselnde Englischlehrer in anderthalb Jahren, und das so kurz vor den Abschlussprüfungen.
Eine Kollegin wollte wissen, warum ich meinen Vertrag nicht verlängere für das neue Schuljahr, die Kinder würden was lernen und bräuchten unbedingt Kontinuität. Würde ich gerne, aber nicht für 1 500 Euro brutto im Monat, sagte ich.
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Ich verabschiedete mich von jedem einzeln. Ich gab ihnen die Hand, ich machte ihnen Mut, sagte, dass es zwar nicht immer leicht war, aber dass ich sie mag. Sihem, die mich am Anfang nicht ausstehen konnte, fragte: "Aber Sie kommen doch noch mal wieder, oder?" Ich nahm sie in den Arm. Dann ging ich, packte meine Sachen, setzte mich in mein Auto und fuhr zurück nach Mitte, meine Kinder von der Schule abholen………………….