Moderne Rezeption
Die Erwartung einer endzeitlichen Schlacht bei Harmagedon hat im Leben und in der Theologie der großen europäisch geprägten
Amtskirchen keine nennenswerte Bedeutung. Dagegen ist sie für
endzeitlich ausgerichtete christliche Gruppierungen und Künstler sehr wesentlich. Durch das in diesen Sondergemeinschaften vorherrschende Bewusstsein der inneren Nichtzugehörigkeit zur vergänglichen Welt nimmt die Johannesoffenbarung, verstanden als Buch, das den Untergang dieser Welt schildert und den Aufgang einer neuen, eine besondere Stellung ein.
[5] In diesem Kontext wird auch das Motiv der letzten Schlacht bei Harmagedon gedeutet.
Dispensationalismus
Im amerikanischen Dispensationalismus hat sich eine eigentliche Harmagedon-Theologie entwickelt. Sie sieht Harmagedon als tatsächliche Schlacht zwischen dem Israel der Endzeit und den „Königen aus dem Osten“. Hier wird der in Offb. 16,16 erwähnte Ort mit der in
Offb 19,11-20
EU geschilderten Schlacht gedeutet, in der die Könige, das „Tier“ und ihre Anhänger von den himmlischen Heerscharen vernichtet werden. Ihr folgt das
tausendjährige Friedensreich, in dem Jesus Christus und seine Märtyrer auf Erden herrschen. Dass diese Endzeitereignisse unmittelbar bevorstünden, legen manche Vertreter dieser Sichtweise wiederholt ihren Lesern nahe.
[6] Der
evangelikale Prediger
Hal Lindsey (* 1929) erklärte zum Beispiel in seinem 1980 erschienenen Bestseller
The 1980s. Countdown to Armageddon, dass die 1980er Jahre „sehr wohl die letzte Dekade der Geschichte, so wie wir sie kennen, sein könnte“,
und prognostizierte einen bevorstehenden Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion.
[7] In diesem Buch wurde das Denken des Kalten Krieges mit einer ganz bestimmten Harmagedon-Auffassung innerhalb der dispensationalistischen Perzeptions-Tradition vermischt.