
Zitat von
Diskurti
D
ie Bevölkerung der noch jungen SU, gerade erst in die Moderne katapultiert,
musste der Invasion des modernsten und schlagkräftigsten Militärapparats jener Zeit standhalten.
Dazu war eine Bestrüstung in jeder Hinsicht notwendig! Bestgerüstet nicht nur in Organisation und Struktur,
sondern vor Allem in ihren Funktionsreflexen, die eine Effizienz des Produktionsprozesses erst möglich machten.
Sprich: ein Leistungsethos musste erst einmal implantiert werden. Durch Abermengen an Propaganda und Indoktrinierung,
aber und vor Allem auch durch Zwang!
Der Sowjetbürger hatte keine Wahl, ob er den Weg zur Modernisierung für ok hielte.
Vielmehr setzte die Notwendigkeit zur Rüstung gegen den künftigen Feind
einen Großteil der individuellen Vorbehaltsoptionen außer Kraft.
Wäre das Projekt gescheitert, hätte das den Untergang
und den Tod für die Meisten bedeutet.
Also: bei Todesgefahr gelten andere moralische Maßstäbe.
Das ist wie wenn ein Arzt amputiert um den Gesammtkörper zu retten
Im vorliegenden Fall wurde ja nicht amputiert, sondern die vorherrschende
Gesellschaftsstruktur musste komplett umgekrempelt werden, in allerkürzester Zeit,
ohne wenn + aber, bei Strafe des sicheren Untergangs!
Josef Stalin mag gewiss als einer der großen Verbrecher
der Menschheitsgeschichte gelten und das auch zu Recht,
aber das er diese gigantische Herausforderung die anstand,
erfolgreich bewältigt hat lässt sich ihm nicht absprechen.
Verbrecher und Held zugleich.
Sehr lobenswert, dass Du immerhin den Zwang ansprichst, denn dies fiele vielen Neostalinisten (nein, dazu zähle ich Dich nicht, wobei mich doch die Bewunderung Deinerseits für diese Person etwas verwundert) nicht einmal im Traume ein.
Womit ich jedoch Schwierigkeiten habe ist folgender Satz von Dir:
"Wäre das Projekt gescheitert, hätte das den Untergang und den Tod für die Meisten bedeutet."
Was hätte denn dann untergehen sollen, verursacht von wem und wer oder was hätte für noch mehr Tote ursächlich können als in Realitas, vor allem: Warum?
Dazu noch:
Hat Stalin etwa schon Anfang der '30er, als Deutschland militärisch noch vollends durch den Versailler Vertrag gebunden war, vorausgesehen, dass ebenjenes Land im Jahre '41 zu "Barbarossa" fähig sein würde?
Losgelöst davon:
Vergiß auch bei Deiner in meinen Augen einseitig positiven Betrachtung Stalins nicht die Tatsache, dass ohne das Leih-und-Pacht-Abkommen mit den Amis die Rote Armee früher oder später in Schwierigkeiten in Sachen Bewaffnung (tausende Panzer, Flugzeuge, Geschütze etc.) und Logistik (hunderttausende LKW, knapp zweitausend Lokomotiven, unzählige Eisenbahnschienen etc.) geriete, dazu käme eine eingeschränkte Produktionsindustrie aufgrund fehlender Materialien, welche ebenso aus den USA kamen, somit wäre es auch mit zB. dem gewaltigen Ausstoß der T-34 irgendwann Essig.
Der Krieg auf dem östlichen Schauplatz wurde nämlich deutscherseits nicht nur gegen eine zahlenmäßig überlegene Rote Armee, sondern vor allem gegen die US-amerikanische Wirtschaft, also schlicht Materialmassen, verloren.