Zu einer Verschärfung der Lage an den großen Bahnhöfen in München haben auch die Flüchtlingskrise und die damit verbundenen häufigeren Polizeimaßnahmen geführt. „Passanten bekommen einen Aufgriff mit und wissen gar nicht, was da passiert“, schildert Hauner den polizeilichen Alltag. Dann werden Beamte mit Fragen bombardiert, Passanten äußern Unverständnis.
In manchen Fällen werden eigentlich Unbeteiligte ausfallend, „die äußern Kommentare wie: ‚Das sind ja Deportationen wie vor 70 Jahren‘“, sagt Hauner. Richtig problematisch wird es, wenn Passanten Flüchtlinge zu sich zerren, die beispielsweise eine Registrierung in München verweigern, weil sie lieber nach Hamburg oder Berlin wollen.
Oder Beamte ablenken und Flüchtlingen so zur Flucht verhelfen. „Mit einer solchen Einflussnahme durch Außenstehende ist niemandem geholfen, je nach Schwere der Tat muss die Polizei dann gegen die eigentlich Unbeteiligten ermitteln“, stellt Hauner klar.
„Die Menschen zeigen Zivilcourage, doch die geht in die völlig falsche Richtung“, fasst Hauner zusammen. Das sieht auch Frank Koller, Sprecher der Bundespolizeiinspektion im bayerischen Freyung, so. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Wir hatten Fälle, in denen Privatleute Flüchtlinge auf der Autobahn aufgegriffen und zur Polizeidienststelle gefahren haben.“ Da müsse dann sogar geprüft werden, ob der Straftatbestand der Schleuserei erfüllt ist.