####.2013
Hunderttausende iranische Christen sind von Hinrichtung bedroht
"Menschenrechte dürfen nicht hinter Atomstreit rücken"
Der Iran und die Vereinten Nationen haben sich auf einen Kompromiss im Atomstreit geeinigt. Die neue Führung unter Präsident Rohani setzt aber die Christenverfolgung weiter brutal durch. Markus Rode, Leiter des christlichen Hilfswerks Open Doors, im domradio.de-Interview.
domradio.de: Der Atomkompromiss wurde mit der neuen Führung unter Präsident Rohani getroffen. Vier Monate ist er jetzt im Amt. Wie schätzen Sie ihn ein?
Rode: Die Einschätzung, die wir haben, ist die auch der Christen vor Ort. Sie bezweifeln, dass es eine Besserung unter ihm gibt. Im Gegenteil, die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat sogar gesagt, in der Zeit vom Juni, seit seiner Amtseinführung, bis heute, sind mehr Menschen exekutiert worden als unter der Herrschaft von Ahmadinedschad im selben Zeitraum. Also, wir erkennen leider nicht, dass es sich hier um einen mehr gemäßigten Präsidenten handelt.
domradio.de: Der neue Atomkompromiss wird ja durchaus, international gesehen, gewürdigt, es gibt auch kritische Stimmen. Glauben Sie denn, dass dieser Kompromiss direkte Auswirkungen auf die Situation der Christen im Land haben wird?
Rode: Das glaube ich persönlich leider nicht, denn die Menschenrechtssituation ist leider hinter dem Thema Atomstreit oder Atomdiskussion zurückgetreten, das heißt, wir erleben eigentlich, dass der Iran über diese Thematik das ganze Thema Menschenrechte in den Hintergrund gedrängt hat und dass auch die Politiker viel seltener über die Situation der Minderheiten, wie zum Beispiel auch der Christen im Land, sprechen
domradio.de: Die Christen als Minderheit ist die eine Gruppe, aber was für andere Gruppen gibt es denn eigentlich noch im Iran? Vielleicht hat sich ja deren Situation verbessert?
Rode: Leider auch nicht. Es gibt zum Beispiel die Bahai, es gibt verschiedene kleinere Minderheiten und Splittergruppen, denen geht es nach wie vor genauso schlecht oder sogar noch schlechter.
domradio.de: Vor ein paar Wochen gab es ja eine Meldung, dass vier Christen im Iran mit achtzig Peitschenhieben dafür bestraft wurden, weil sie während einer Messe Wein getrunken haben. Das gehört zur Liturgie einfach dazu. Ist sowas eine Ausnahme gewesen oder ist das beispielhaft für den neuen Umgang der Führung mit den Christen Christenverfolgung:####





