Die Korruption in Russland hat sich verschlimmert – diesen Eindruck hat zumindest die Hälfte der Russen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.
Die Korruption in Russland hat sich verschlimmert – diesen Eindruck hat zumindest die Hälfte der Russen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.
Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung der Antikorruptionsorganisation Transparency International. Am stärksten grassiert die Korruption unter Beamten und Polizisten. Die Mehrheit der Befragten hält die Antikorruptionsmaßnahmen der Regierung für wirkungslos.
Rund 49 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Korruption in Russland in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. 39 Prozent sind der Meinung, dass sich die Korruption auf dem bisherigen Niveau bewegt. Nur zwölf Prozent erkennen einen Rückgang der Korruption. Wie es im Bericht heißt, glauben die Russen trotz der vielen aufgedeckten Korruptionsaffären um das Verteidigungsministerium nicht an die Aufrichtigkeit der Behörden.
74 Prozent sind der Ansicht, dass die Korruption am meisten unter den Beamten verbreitet ist. „Das Misstrauen gegenüber korrupten Beamten nimmt kontinuierlich zu“, sagte der Vizechef von Transparency International in Russland, Anton Pominow. Nach den Beamten folgen die Polizisten (66 Prozent) und die Richter (59 Prozent). Mehr als die Hälfte der Russen sind der Ansicht, dass auch im Parlament (Staatsduma) die Korruption blüht. „Das hängt mit den vielen Skandalen um den Entzug der Abgeordnetenmandate zusammen. Die Menschen denken, dass im Parlament nur Geschäftsleute und korrupte Leute sitzen“, sagte der Vizechef des Duma-Ausschusses für Korruptionsbekämpfung, Alexander Hinstein.
77 Prozent der Befragten halten den Antikorruptionskampf der Regierung für wirkungslos. Die Hälfte der Russen ist davon überzeugt, dass die Regierung fremdbestimmt ist. Laut 38 Prozent wird die Regierung von einigen wenigen Gruppen kontrolliert. „Die Bevölkerung weiß genau, dass so getan wird, als bekämpfe man die Korruption, indem einzelne Beamten an den Pranger gestellt werden“, so Pominow. Das nachlassende Vertrauen in staatliche Institutionen sei ungesund und alarmierend, so Pominow.
Die Tatsache, dass an einen Erfolg der Antikorruptionskampagne nicht geglaubt werde, hänge mit der hohen Korruption im Alltag zusammen, so Hinstein. „Wenn die Menschen im Fernsehen sehen, wie ein bestechlicher Spitzenbeamter festgenommen wird, und danach ein Straßenpolizist Schmiergeld von ihnen fordert, nimmt das Misstrauen gegenüber dem Kampf gegen die Korruption zu“, so Hinstein.