Ich bin kein Geldmensch, aber die Beschreibung ökonomischer Zusammenhänge bei Jens Berger von den nachdenkseiten.de scheinen mir meist ziemlich plausibel. Er hat sich an eine erste zweiteilige Analyse des Währungs-Crashs in Russland gemacht.
Der "Krieg gegen den Rubel" wurde seiner Meinung nach dadurch möglich, dass man Russland den Zugung zum internationalen Kreditmarkt erschwerte oder verweigerte.
[Links nur für registrierte Nutzer]Für eine international Handel treibende Volkswirtschaft wie Russland, die zudem Jahr für Jahr ordentliche Außenhandelsüberschüsse erwirtschaftet, stellt eine derartige Auslandsverschuldung eigentlich auch kein Problem dar. In der Regel werden dabei die laufenden Kreditverpflichtungen entweder aus der Kasse (dem cash flow) bezahlt oder durch neue Kredite abgelöst. Ein Problem entsteht jedoch, wenn eine Volkswirtschaft in einer fremden Währung verschuldet ist und technisch keinen Zugang zu frischen Mitteln in dieser Währung hat.
Genau dieses Problem bricht Russland momentan offenbar das Genick. Bereits im Oktober berichtete das Wall Street Journal unter Verwendung von Daten der russischen Zentralbank von den von der russischen Wirtschaft kurzfristig benötigten Devisen, um die laufenden Kreditraten zu begleichen. Im Oktober waren dies 9,3 Mrd. US$, im November 10 Mrd. US$ und im Dezember werden es 34,2 Mrd. US$ sein – diese Zahl ist vor allem deshalb so hoch, weil einige Zahlungen am Ende des Jahres fällig werden.
In normalen Zeiten wären diese Forderungen gar kein Problem. Doch die Zeiten sind nicht normal. Die russische Volkswirtschaft hat zwar genügend Geld, kommt aber nur sehr schwer an Devisen wie den Euro und den Dollar heran. Die russischen Banken sind durch die Finanzsanktionen der EU und der USA de facto vom Geld- und Kreditmarkt in diesen Währungen ausgeschlossen.
Das nötige Geld ist freilich vorhanden – nur eben nicht in Euro oder Dollar, sondern in Rubel. Um die Forderungen in der richtigen Währung zu begleichen, müssen die Banken also die Rubel ihrer Kunden in Devisen tauschen, mit denen die Forderungen dann beglichen werden. Dies führt zu einer stetigen Nachfrage nach Euro und Dollar. Genau in diesen beiden Währungen dürfen die Banken sich aber durch die Sanktionen nicht am internationalen Markt verschulden.
Die Devisen müssen also entweder aus laufenden Geschäften (z.B. die Öl- und Gasverkäufe in den Westen) kommen oder auf dem Devisenmarkt eingetauscht werden, indem Rubel verkauft und Euro und Dollar gekauft werden. Die steigende Nachfrage treibt jedoch auch den Kurs dieser beiden Währungen und senkt den Wert des Rubels. Die Finanzsanktionen sind seit Anfang August in Kraft – einen Monat später begann der Wertverlust des Rubels.
[Links nur für registrierte Nutzer]
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
Nutzer die den Thread gelesen haben : 2Du hast keine Berechtigung, um die Liste der Namen zu sehen.