Kabarett 24.10.14
Klage gegen Dieter Nuhr schadet den Muslimen selbst Ein Muslim will den Kabarettisten Dieter Nuhr verklagen. Es hat in Europa langer Kämpfe bedurft, damit man sich auch über Religion lustig machen kann. Das darf jetzt nicht wieder von vorne beginnen.
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Dauerausreden der DauerbeleidigtenIrgendein Risiko geht der deutsche normierte Durchschnittssatiriker damit schon längst nicht mehr ein. Zu deren Standardrepertoire gehört auch, sich über das Christentum und die Kirchen lustig zu machen, namentlich die katholische. Die Grenzen zur Beleidigung legen die Gerichte diesbezüglich sehr weit aus – zu Recht. Heftiger Kämpfe hat es bedurft, damit die Freiheit, gegenüber Erscheinungsformen der Religion respektlos zu sein, heute wohlfeil in Anspruch genommen werden kann.
Es geht nicht an, dass dieser Kampf im Falle des Islam wieder ganz von vorne beginnen soll – einer Religion, in deren Namen gerade Ströme von Blut vergossen und brutalste Unterdrückung gerechtfertigt wird.
Ein Satireverbot kann da nur akzeptieren, wer sich der Dauerausrede der Dauerbeleidigten beugt: Das alles habe mit dem Islam doch gar nichts zu tun. Eine solche Tabuisierung aber dient niemandem – auch nicht den Muslimen. Umso mehr ist sie eine ernste Bedrohung für die Redefreiheit. Vom Humor gar nicht zu reden.