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Thema: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

  1. #841
    Meisterdiener Benutzerbild von Flaschengeist
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von Praktiker Beitrag anzeigen
    Junger Effendim ??

    Ich weiss zwar grad nicht , was ein Effendim ist ,- aber die Einstufung als" jungen " nehm ich sofort mit Kußhand,- danke....
    Effendim ist eine respektvolle Anrede, was aber Deinen gewünschten Tritt gegen meinen Kopf immer noch nicht erklärt - sowas kenn ich nur von gewalttätigen U-Bahn-Kopftretern die auch mal Leute tot treten... Aber als Dickkopf bin ich da recht geschmeidig und sehe es Dir nach. Wir wollen ja nicht den Senator mimen oder?

    Zitat Zitat von umananda Beitrag anzeigen
    Was glaubst du. An welcher Stelle seines Körpers würde ihm der Tritt Wonne bereiten?
    Zitat Zitat von Praktiker Beitrag anzeigen
    Am sichersten wäre ein Tritt auf den Kopf ,- da kann wenigstens kein Schaden entstehen.....
    Boaaa seid Ihr brutal
    Wenn du überredet, ermahnt, unter Druck gesetzt, belogen, durch Anreize gelockt, gezwungen, gemobbt, bloßgestellt, beschuldigt, bedroht, bestraft und kriminalisiert werden musst …Wenn all dies als notwendig erachtet wird, um deine Zustimmung zu erlangen, kannst du absolut sicher sein, dass das, was angepriesen wird, nicht zu deinem Besten ist.

  2. #842
    Systemkritiker Benutzerbild von Grenzer
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von Bergaffe Beitrag anzeigen
    Effendim ist eine respektvolle Anrede, was aber Deinen gewünschten Tritt gegen meinen Kopf immer noch nicht erklärt - sowas kenn ich nur von gewalttätigen U-Bahn-Kopftretern... Aber als Dickkopf bin ich da recht geschmeidig und sehe es Dir nach. Wir wollen ja nicht den Senator mimen oder?
    Keine Sorge ,- ich bin einer von den Guten.... Ährlüsch !

  3. #843
    Mag keine Schleimer :( Benutzerbild von Hoamat
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von kadir Beitrag anzeigen
    geile braut die nadeschda.
    Wenn Sie redet, regnet's Ihr halt in den Brotladen, wie bei den Habsburgern. *gg

  4. #844
    SchwanzusLongusGermanicus Benutzerbild von ABAS
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von kadir Beitrag anzeigen
    geile braut die nadeschda.
    Putin und Medwedew sind bestimmt stolz darauf das es in ihrem
    Volk so aufgeweckte, mutige und beharrliche junge Russinnen gibt
    die unbeugsam fuer Veraenderungen in der Gesellschaft einstehen.
    Wahrscheinlich haben sie das den Maedels auch diskret gesagt.
    Die Regierung Russlands befindet sich in einem gewissen Dilemma.
    Putin hat die orthodoxen Patriarchen fuer seine Wahl gebraucht.

    Die Bestrafung der jungen Frauen war daher nur symbolisch um
    nicht den verkalkten und vermoderten orthodoxen Patriarchen in
    den Ruecken zu fallen. Wenn Putin ohne Ruecksicht und Weitsicht
    im Umgang mit den orthodoxen Christen machen koennte was er
    wollte, haetten die geld-, macht- und prestigegierigen Zombis der
    der orthoxen russischen Kirchenmafia laengst ihren Platz im Gulag
    gefunden oder waere ins Ausland entsorgt worden, wie es mit den
    Fuehrer der russischen Oligarchenmafia bereits geschehen ist.

    Bildquelle:

    Geändert von ABAS (08.01.2014 um 11:02 Uhr)
    " Streicht die Kuechenabfaelle fuer die Aussaetzigen! Keine Gnade mehr bei Hinrichtungen!
    Und sagt Weihnachten ab! " (Sheriff von Nottingham)

  5. #845
    SchwanzusLongusGermanicus Benutzerbild von ABAS
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    Standard „Atmet mit uns den Duft der Freiheit!“





    „Atmet mit uns den Duft der Freiheit!“

    Schlussplädoyer der Angeklagten Nadežda Tolokonnikova vom 8. August 2012 im
    Strafverfahren wegen vorsätzlicher, gruppenmäßig und aus religiösem Hass sowie
    Hass auf eine soziale Gruppe begangener * grober Störung der öffentlichen Ordnung

    * Art. 213, Abs. 2 Strafgesetzbuch der Russländischen Föderation
    (OSTEUROPA, 62. Jg., 6–8/2012, S. 219–224)

    Das laufende Gerichtsverfahren richtet sich im Kern nicht gegen die drei
    Sängerinnen der Gruppe Pussy Riot. Sonst wäre das, was hier vor sich geht, völlig
    irrelevant. Vor Gericht sitzt das ganze staatliche System der Russländischen
    Föderation. Dieses gefällt sich zu seinem eigenen Unglück darin, erneut seine
    Brutalität im Umgang mit dem Menschen zu zeigen, dieselbe Gleichgültigkeit
    gegenüber der Ehre und Würde des Einzelnen, die wir aus den schrecklichsten
    Zeiten der Geschichte Russlands kennen.

    Leider ähnelt diese Simulation eines Gerichtsverfahrens den Praktiken der
    Stalinschen Trojkas. Auch in unserem Fall ist alles, was das Trio aus
    Untersuchungsführer, Richter und Staatsanwalt sagt, tut und entscheidet, durch den
    übergeordneten politischen Repressionsauftrag bestimmt.

    Wer ist schuld an dem Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale und daran, dass uns
    wegen dieses Konzerts der Prozess gemacht wird? Das autoritäre politische System.

    Pussy Riot macht Oppositionskunst oder auch Politik mit den Mitteln der Kunst. In
    jedem Fall handelt es sich um zivile Aktionen in einem korporatistischen Staat, der
    die grundlegenden Menschen- und Bürgerrechte sowie die politische Freiheit
    unterdrückt.


    Die Leute, die seit Beginn der 2000er Jahre durch die gezielte Zerstörung dieser
    Freiheiten systematisch und erbarmungslos geschunden wurden, beginnen heute
    aufzubegehren. Wir wollten aufrichtig und klar sein, in unseren Punkauftritten sind wir
    daher Narren in Christo. Inbrunst, Offenheit und Naivität stehen über Heuchelei,
    Schläue und vorgetäuschtem Anstand, der Verbrechen verdecken soll. Die
    führenden Personen des Staates zeigen in der Kirche ein „korrektes“ Gesicht, doch
    mit dieser Heuchelei sündigen sie weit mehr als wir.

    Unsere politischen Punkkonzerte waren nötig, weil der Staatsapparat Russlands
    vollkommen erstarrt ist und von einer geschlossenen Kaste regiert wird, so dass alle
    Politik von den Interessen einer kleinen Gruppe bestimmt wird. Die Atmosphäre in
    unserem Land macht uns krank. Wir müssen politisch handeln und leben, weil wir
    uns nicht damit abfinden können, dass die Gesellschaft mit Zwang und Gewalt
    gelenkt wird, dass die wichtigsten politischen Institutionen die staatlichen
    Disziplinarapparate sind, die Armee, die Polizei, der Geheimdienst, die politische
    Stabilität mit Hilfe von Gefängnissen, Präventivhaft und repressiver Kontrolle der
    Bürger sichern sollen.

    Wir können uns nicht damit abfinden, dass die meisten Menschen dieses Landes zu
    politischer Passivität gezwungen werden und dass die Exekutive volle Kontrolle über
    die Parlamente und die Gerichte hat. Uns ärgert, dass der Staat und seine Gehilfen
    Angst schüren, um die politische Kultur dieses Landes auf einem skandalös
    niedrigen Niveau zu halten. Schauen Sie, was Patriarch Kirill sagt: „Orthodoxe
    Christen gehen nicht auf Demonstrationen.“
    Uns ärgert, dass der Zusammenhalt
    dieser Gesellschaft so schwach ist.

    Uns missfällt, wie mühelos der Staat die Öffentlichkeit manipuliert, in dem er die
    meisten Medien einer scharfen Kontrolle unterwirft. Ein schlagendes Beispiel dafür ist
    die unglaublich dreiste Medienkampagne gegen Pussy Riot, bei der alle Fakten und
    Aussagen verdreht werden und der sich nur die wenigen unabhängigen Medien in
    diesem Land entziehen. Wir leben in einer autoritären Situation, in einem autoritären
    System. Doch es gibt Anzeichen, dass dieses System zusammenbricht. Ein solches
    Anzeichen ist die Haltung der Gesellschaft zu den drei Mitgliedern der Gruppe Pussy
    Riot. Das, worauf das System gehofft hatte, ist nicht eingetreten. Es stimmt nicht,
    dass uns ganz Russland verurteilt.

    Mit jedem Tag wächst die Zahl der Menschen, die uns glauben, die an uns glauben
    und der Ansicht sind, dass wir nicht hinter Gitter gehören. Das sehe ich an den
    Menschen, denen ich momentan begegne: an den Repräsentanten des Systems, die
    in seinen Institutionen arbeiten, und an den Menschen, die in Haft sitzen. Von Tag zu
    Tag unterstützen uns beide immer mehr, wünschen uns alles Gute und eine baldige
    Freilassung, finden, dass unsere politische Performance berechtigt war. Immer mehr
    Menschen sagen uns, dass sie sich zuerst auch gefragt hätten, wie wir das nur tun
    konnten, dass sich mit der Zeit aber gezeigt habe, dass unsere politische Geste
    richtig war, dass wir den Finger in eine Wunde gelegt, in ein Schlangennest
    gestochen haben, das jetzt über uns herfällt.


    Diese Menschen versuchen nach Kräften, uns das Leben zu erleichtern. Wir sind
    ihnen sehr dankbar dafür. Wir sind all jenen dankbar, die sich da draußen für uns
    einsetzen. Ich weiß, dass es sehr viele sind. Ich weiß auch, dass sich sehr viele
    orthodoxe Christen für uns aussprechen. Manche beten vor dem Gerichtsgebäude
    für uns. Man hat uns die Büchlein mit einem Gebet für alle Gefangenen gezeigt, die
    die Orthodoxen austeilen. Allein das zeigt, dass es keine geschlossene Gruppe
    orthodoxer Gläubiger gibt, wie die Anklage es behauptet. Immer mehr Gläubige
    verteidigen Pussy Riot. Sie sind der Ansicht, dass unser Auftritt keine fünf Monate
    Untersuchungshaft, geschweige denn die vom Herrn Staatsanwalt geforderten drei
    Jahre Gefängnisstrafe rechtfertigt.

    Und immer mehr Menschen verstehen auch dies: Wenn ein politisches System
    gegen drei junge Frauen zu Felde zieht, nur weil sie in der Christ-Erlöser-Kathedrale
    30 Sekunden lang eine Performance aufgeführt haben, dann kann das nur eines
    bedeuten:

    Es fürchtet jene Wahrheit, Aufrichtigkeit und Offenheit, die wir verkörpern. Wir haben
    in diesem ganzen Prozess keine Sekunde lang taktiert. Die Gegenseite hingegen
    taktiert viel zuviel. Die Menschen spüren das. Sie spüren die Wahrheit. Die Wahrheit
    ist der Lüge überlegen. Das steht auch in der Bibel geschrieben. Die Wahrheit siegt
    zuletzt immer über Heimtücke, Taktik und Lüge. Auch wenn wir weiter hinter Gittern
    sitzen und dies wahrscheinlich noch für sehr lange, kommt der Sieg der Wahrheit mit
    jedem Tag näher.


    Gestern trug Madonna bei ihrem Konzert den Schriftzug Pussy Riot auf dem Rücken.
    Es überwältigt mich zu sehen, wie immer mehr Menschen erkennen, dass wir
    widerrechtlich festgehalten werden und dass dieser Prozess auf falschen
    Anschuldigungen beruht. Es überwältigt mich zu sehen, dass die Wahrheit
    tatsächlich über die Lüge siegt.

    Auch wenn wir uns physisch hier befinden, sind wir doch freier als alle die, die uns
    gegenüber, auf der Seite der Anklage sitzen. Wir können sagen, was wir wollen –
    und das tun wir auch. Diejenigen, die dort drüben sitzen [zeigt auf den Platz des
    Staatsanwalts − Red.], sagen nur das, was die politische Zensur ihnen vorgibt. Sie
    können nicht sagen „Mutter Gottes, treib den Putin aus!“ Vielleicht denken sie, dass
    man uns allein schon wegen unserer Kritik an Putin und seinem System einsperren
    sollte. Aber das können sie nicht laut sagen, weil es ihnen verboten ist. Ihnen sind
    die Lippen versiegelt, sie sind leider nichts als Pappfiguren. Ich hoffe, dass ihnen das
    bewusst ist und dass irgendwann auch sie den Weg der Freiheit, der Wahrheit und
    der Aufrichtigkeit wählen statt jenen von Stabilität, vorgetäuschtem Anstand und
    Heuchelei.

    Die Suche nach der Wahrheit ist immer das Gegenteil von Stabilität. Auch
    in diesem Prozess sehen wir auf der einen Seite diejenigen, die nach der Wahrheit
    suchen, und auf der anderen Seite die, die diese Wahrheitssuche unterdrücken
    wollen. Der Mensch kann sich immer irren. Er ist nicht vollkommen. Er strebt
    unaufhörlich nach Wahrheit – und kommt nie an. So ist die Philosophie entstanden.


    Deshalb ist derjenige ein Philosoph, der die Wahrheit liebt und nach ihr strebt, ohne
    sie je zu besitzen. Eben das bringt ihn zum Denken, zum Handeln, zum Leben. Uns
    hat es dazu gebracht, in die Christ-Erlöser-Kathedrale zu gehen. Das Christentum,
    so ich wie das Alte und vor allem das Neue Testament verstanden habe, unterstützt
    diese Suche nach Wahrheit und die ständige Überwindung dessen, was du bislang
    warst. Jesus hielt nicht ohne Grund zu den Huren. Er sagte: „Man muss den
    Strauchelnden helfen. Ich verzeihe ihnen.“

    In unserem Prozess dagegen, der unter dem Banner des Christentums geführt
    wird, sehe ich davon nichts. Die Anklage tritt das Christentum mit Füßen!
    Die Anwälte der Nebenklage distanzieren sich von denen, die sie vertreten . . . So
    deute ich das. Vor zwei Tagen hat der Anwalt Taratuchin hier erklärt, dass allen klar
    sein sollte, dass ein Anwalt sich keineswegs mit seinen Mandanten solidarisiert, die
    er vertritt. Taratuchin ist es aus moralischen Gründen also unangenehm, Leute zu
    vertreten, die die drei Mitglieder von Pussy Riot im Gefängnis sehen wollen. Warum
    diese Leute das wollen, weiß ich nicht, aber sie haben das Recht dazu. Ich weise nur
    darauf hin, dass ihr Anwalt sich offensichtlich schämt. Als in diesem Saal in seine
    Richtung „Schande!“ und „Henker!“ gerufen wurde, hat ihn das nicht kalt gelassen.

    Ein Anwalt ist doch dazu da, dass die Wahrheit und das Gute immer über die Lüge
    und das Böse siegen. Außerdem scheint es mir, dass höhere Mächte die Worte der
    Gegenseite lenken. Die Anwälte versprechen sich immer wieder und machen Fehler.
    Praktisch ausnahmslos nennen sie uns die „Geschädigten“, sogar die Anwältin
    Pavlova, die eine sehr negative Einstellung zu uns hat. Dennoch zwingen höhere
    Mächte sie dazu, uns so zu nennen und nicht etwa ihre Mandanten. Ich möchte
    niemanden in eine Schublade stecken. Mir scheint, dass es hier nicht Sieger und
    Verlierer, nicht Kläger und Angeklagte gibt. Wir müssen endlich miteinander reden,
    ein Gespräch beginnen und gemeinsam nach der Wahrheit suchen. Wir sollten
    zusammen nach Weisheit streben, statt andere zu stigmatisieren und in Schubladen
    zu stecken. Das ist das letzte, das ein Mensch tun sollte. Auch Jesus hat das
    verurteilt.

    Wir werden in diesem Gerichtsverfahren verunglimpft. Wer hätte gedacht, dass der
    Mensch und der von ihm gelenkte Staat immer wieder zum grundlosen, absoluten
    Bösen fähig sind? Wer hätte gedacht, dass wir aus der Geschichte, vor allem aus
    den gar nicht so fernen Schrecken des großen Stalinschen Terrors, nichts lernen?
    Man könnte heulen, wenn man sieht, wie die Methoden der mittelalterlichen
    Inquisition in den Polizei- und Justizapparat Russlands – unseres Landes! –
    zurückkehren. Doch seit unserer Verhaftung haben wir verlernt zu weinen.


    Bei unseren Punkkonzerten haben wir verzweifelt geschrien, haben die Gesetzlosigkeit
    der Staatsmacht und ihrer Repräsentanten aus vollem Halse angeprangert. Aber
    man hat uns unsere Stimme geraubt. Im Verlauf des gesamten Prozesses hat man
    sich geweigert, uns zuzuhören.

    Zuhören bedeutet, bewusst wahrzunehmen, nach Weisheit zu streben, Philosoph zu
    sein. Ich denke, tief in seinem Innern sollte jeder Mensch danach streben, nicht nur
    diejenigen, die irgendein Philosophiestudium absolviert haben. Das Studium ist gar
    nichts, die formale Ausbildung allein ist ohne Bedeutung. Die Anwältin Pavlova wirft
    uns ständig unsere angeblich unzureichende Bildung vor. Ich dagegen glaube, das
    Wichtigste ist das Streben nach Wissen und Verständnis. Dazu braucht man keine
    Schulen und Universitäten. Ein Mensch kann über ein gewaltiges Wissen verfügen
    und trotzdem kein Mensch sein. Wer viel weiß, ist deshalb noch lange nicht klug.
    Unser Prozess hat uns das leider vor Augen geführt. Wir sind hier nur Dekoration,
    Staffage, Körper, die in den Gerichtssaal gebracht wurden. Unsere Gesuche werden,
    wenn sie nach vielen Tagen des Bittens, des Überredens und des Kämpfens
    überhaupt zugestellt werden, augenblicklich abgelehnt.

    Dem Staatsanwalt dagegen, der immer wieder ungestraft all unsere Worte und
    Erklärungen verdreht, schenkt das Gericht zu unserem Unglück und zum Unglück
    dieses Landes Gehör. Diese Verletzung der Grundsätze der Strafprozessordnung
    findet ganz offen statt, in geradezu demonstrativer Weise.

    Am 30. Juli, dem Tag der Verfahrenseröffnung, hat unsere Verteidigerin Frau
    Volkova die von uns verfasste Reaktion auf die Anklageschrift verlesen, weil das
    Gericht den Angeklagten kategorisch verboten hatte, selbst zu sprechen. In den fünf
    Monaten zuvor hatten wir aus dem Gefängnis überhaupt keine Möglichkeit gehabt,
    uns zu den Vorwürfen zu äußern. Wir waren eingesperrt, weggeschlossen. Aus der
    Untersuchungshaft dürfen wir keine Erklärungen abgeben, keine Filme aufzeichnen,
    wir haben kein Internet, wir dürfen nicht einmal unserem Anwalt eine Stellungnahme
    übergeben.

    Am 30. Juli haben wir zum Dialog aufgerufen, nicht zu Kampf und Widerstand. Wir
    haben denen die Hand entgegengestreckt, die uns – weshalb auch immer – für ihre
    Feinde halten. Sie haben uns ausgelacht und in die ausgestreckte Hand gespuckt.
    „Ihr heuchelt“, sagten sie. Doch sie irren sich. Schließt nicht von euch auf andere.
    Wir haben wie immer aufrichtig gesagt, was wir denken.

    Wahrscheinlich sind wir naiv wie Kinder, wenn wir immer die Wahrheit sagen. Doch
    wir bereuen nichts von dem, was wir gesagt haben. Wir wurden verspottet, doch wir
    werden nicht mit Spott antworten. Wir sind in einer hoffnungslosen Lage, aber wir
    geben die Hoffnung nicht auf. Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen. Wer
    offenherzig ist, kann leicht erniedrigt und vernichtet werden, doch „wenn ich schwach
    bin, so bin ich stark“. Hört uns zu. Uns, nicht Journalisten wie Arkadij Mamontov,
    wenn sie über uns sprechen. Verdreht und verbiegt nicht alles, was wir gesagt
    haben, und erlaubt es uns, mit den Menschen dieses Landes zu sprechen, das auch
    unser Land ist und nicht nur das Land Putins und des Patriarchen.

    Ich glaube wie Solženicyn daran, dass das Wort Beton sprengt. Katja, Maša und ich
    sitzen im Gefängnis, in einem Käfig. Doch wir haben keine Niederlage erlitten. So,
    wie auch die Dissidenten keine Niederlage erlitten haben. Sie verschwanden in
    psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen, doch dort verfassten sie Werke, die das
    Urteil über das Regime fällten. Die Kunst, ein Bild der Epoche zu erschaffen, kennt
    keine Sieger und Verlierer. Auch die Oberiuten blieben trotz der Säuberungen von
    1937 bis zum Ende Dichter. Vvedenskij schrieb: „Uns erfreut, was wir nicht
    verstehen. Das Unerklärliche ist unser Freund.“ Laut Totenschein starb Aleksandr
    Vvedenskij am 20. Dezember 1941. Die Todesursache ist unbekannt. Vielleicht ist er
    im Gefangenenwaggon an Ruhr gestorben, vielleicht hat ihn eine Wache
    erschossen, irgendwo auf der Eisenbahnstrecke zwischen Voronež und Kazan’. Wir
    von Pussy Riot sind Schüler und Nachfolger Vvedenskijs. Sein Prinzip der unreinen
    Reime ist auch unseres. Er schrieb: „Manchmal fallen mir zwei Reime ein, ein reiner
    und ein unreiner. Ich wähle den unreinen. Und genau dieser ist der richtige.“
    „Das Unerklärliche ist unser Freund.“ Die abgehobenen, subtilen Werke der
    Oberiuten, ihre Suche nach einer Idee am Abgrund des Sinns vollendete sich, als sie
    im sinnlosen, durch nichts erklärbaren Großen Terror ihr Leben verloren. Mit ihrem
    Tod haben die Oberiuten unfreiwillig bewiesen, dass ihre Lehre von Sinnlosigkeit und
    Widersinn den Nerv der Epoche getroffen hat. Aus ihrer Kunst wurde so Geschichte.
    Wer daran teilhat, wenn Geschichte geschrieben wird, zahlt immer einen sehr hohen
    Preis. Aber genau diese Teilhabe ist das Salz der menschlichen Existenz: „Bettler
    sein, aber viele bereichern.

    Nichts haben, aber alles besitzen.“ Die Dissidenten und die Oberiuten sind tot? Sie
    leben. Sie wurden verfolgt, doch sie sind unsterblich. Erinnern Sie sich daran, wofür
    der junge Dostoevskij zum Tode verurteilt wurde? Seine ganze Schuld bestand darin,
    dass er sich für die Theorien des Sozialismus begeisterte. Im Kreis der Freidenker,
    die immer freitags in der Wohnung Petraševskijs zusammenkamen, diskutierte man
    die Werke von Fourier und George Sand. Und an einem der letzten Freitage las er
    den Brief Belinskijs an Gogol’ vor, der laut Gerichtsurteil voll ist von – gut zuhören! –
    „dreisten Ausfällen gegen die Orthodoxe Kirche und die Oberste Gewalt“. Nachdem
    alle Vorkehrungen zur Vollstreckung der Todesstrafe abgeschlossen waren und nach
    zehn „grauenhaften, unermesslich schrecklichen Minuten in Erwartung des Todes“,
    wie es Dostoevskij selbst beschrieb, verkündet man, dass das Todesurteil
    umgewandelt wurde in vier Jahre Zwangsarbeit mit anschließend abzuleistendem
    Dienst in der Armee.

    Sokrates wurde beschuldigt, mit seinen philosophischen Gesprächen die Jugend zu
    verführen und die Götter nicht anzuerkennen. Sokrates hat selbst immer wieder
    bekräftigt, dass er keineswegs gegen die Götter kämpft. Doch für wen war das von
    Belang, angesichts der Tatsache, dass Sokrates mit seinem kritischen, dialektischen
    und vorurteilsfreien Denken die einflussreichen Einwohner Athens gegen sich aufbrachte?
    Sokrates wurde zum Tode verurteilt. Er verzichtete auf die Flucht und trank gelassen
    den Schierlingsbecher.

    Sicher werden Sie sich auch erinnern, unter welchen Umständen der Aposteljünger
    Stephanus seinen irdischen Weg beschloss? „Da stifteten sie einige Männer an, die
    sprachen: Wir haben ihn Lästerworte reden hören gegen Mose und gegen Gott. Und
    sie brachten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, traten herzu und
    ergriffen ihn und führten ihn vor den Hohen Rat und stellten falsche Zeugen auf, die
    sprachen: „Dieser Mensch hört nicht auf zu reden gegen diese heilige Stätte und das
    Gesetz.“ Er wurde für schuldig befunden und zum Tod durch Steinigung verurteilt.

    Ebenso wage ich zu hoffen, dass sich alle hier im Saal an diese an Jesus gerichteten
    Worte erinnern: „Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um
    der Gotteslästerung willen.“ Zu guter Letzt sollte man nicht vergessen, wie Jesus
    beschrieben wurde: „Er hat einen bösen Geist und ist von Sinnen.“ Wenn die oberste
    Gewalt – sei es der Zar, der Präsident, das Volk oder die Richter – verstehen würde,
    was es bedeutet, dass geschrieben steht: „Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit
    und nicht am Opfer“, dann würden sie keine Unschuldigen verurteilen.

    Unsere Oberen sind hingegen nur schnell mit der Verurteilung und nie mit der
    Barmherzigkeit. Übrigens danke ich Dmitrij Anatol’evič Medvedev für einen weiteren
    bemerkenswerten Aphorismus: Nachdem er seine Amtszeit als Präsident unter das
    Motto „Freiheit ist besser als Unfreiheit“ gestellt hat, wird das Motto der dritten
    Amtszeit Putins nun vielleicht lauten „Gefängnis ist besser als Steinigung“. Ich bitte
    Sie, folgenden Gedanken einmal konzentriert zu durchdenken. Er stammt von
    Montaigne. In seinen „Essais“ schrieb er: „Man muss seine eigenen Ansichten schon
    überaus hoch schätzen, um deshalb lebendige Menschen verbrennen zu lassen.“
    Ist es richtig, lebendige Menschen zu verurteilen und ins Gefängnis einzusperren nur
    wegen einer Ansicht, die die Anklage mit keinerlei Fakten belegen konnte? Da wir
    nicht aus religiösem Hass und Feindschaft gehandelt haben, bleibt den Anklägern
    nichts anderes übrig, als auf falsche Zeugen zurückzugreifen. Eine von ihnen,
    Motil’da Ivaščenko, ist aus Scham nicht vor Gericht erschienen. Es blieben die
    verlogenen Aussagen der Herren Troickij und Ponkin sowie Frau Abramenkovas.
    Daneben gibt es keinerlei Beweise dafür, dass wir aus Hass und Feindschaft
    handelten, wie es das sogenannte Gutachten behauptet. Dieses darf das Gericht,
    sofern es ehrlich und gerecht ist, nicht als zulässigen Beweis anerkennen.

    Denn es ist kein wissenschaftlicher und objektiver Bericht, sondern ein schmutziger,
    verlogener Wisch, ein Beweis, wie ihn die mittelalterliche Inquisition verwendete.
    Andere Beweise, die irgendwie das uns unterstellte Motiv belegen würden, gibt es
    nicht.

    Die Anklage traut sich nicht, Liedtexte von Pussy Riot als Beweismittel zu
    verwenden, denn diese belegen sehr anschaulich, dass wir keinen religiösen Hass
    und keine religiöse Feindschaft hegen. Nach unserer Aktion in der Christ-Erlöser-
    Kathedrale erklärten wir in einem Interview mit dem Magazin Russkij Reporter:

    „Wir haben großen Respekt vor der Religion, insbesondere der Orthodoxie. Genau
    deshalb empört es uns, dass die große, lichte christliche Philosophie auf so schmutzige
    Art benutzt wird. Es kotzt uns an, wie das Erhabenste missbraucht wird.“


    Daran hat sich nichts geändert. Uns schmerzt dieser Anblick wirklich. Die Aussagen
    aller Zeugen der Verteidigung, auch die zu unserem Persönlichkeitsprofil, belegen,
    dass wir nie aus Hass und Feindschaft handeln. Außerdem bitte ich darum, neben
    allen übrigen Einschätzungen auch die Ergebnisse des psychologischpsychiatrischen
    Gutachtens
    zu berücksichtigen, dem ich mich während der Ermittlungen in der
    Untersuchungshaft unterziehen musste:

    Die Experten erklären, die Werte, an denen ich mich orientiere, seien „Gerechtigkeit,
    Respekt, Menschlichkeit, Gleichheit und Freiheit“.


    Wahrscheinlich hätte der Untersuchungsrichter Rančenkov sehr gerne ein anderes
    Ergebnis gehabt. Doch offensichtlich gibt es zu viele Menschen, die die Wahrheit
    lieben. Es stimmt, was in der Bibel steht.

    Zu guter Letzt würde ich gern ein Lied von Pussy Riot zitieren, weil diese Lieder sich,
    so seltsam es klingen mag, als prophetisch erwiesen haben:

    „Der Chef der Kirche und des KGB/ bringt alle von der Demo in den Knast.“

    Das ist eingetreten. In einem anderen Lied heißt es:

    „Öffnet alle Türen, reißt die Epauletten ab, atmet mit uns den Duft der Freiheit!“

    Das ist alles.

    (Uebersetzung aus dem Russischen von Elisabeth Luuedeking und Timm Schoenfelder)

    Quelle: Novaja Gazeta, 12.8.2012
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  6. #846
    Mag keine Schleimer :( Benutzerbild von Hoamat
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    Ein neues Kunstwerk ?



    Femen erklären sich solidarisch

  7. #847
    Logiker Benutzerbild von Löwe
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von Hoamat Beitrag anzeigen


    Ein neues Kunstwerk ?



    Femen erklären sich solidarisch
    Hamse die roten Dinger jetzt drin oder nicht.
    "denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht".


    In der Mülltonne, nach internem Kampf mit mir selbst: Dayan, Shivaayaa, borisbaran


  8. #848
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    :D AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von Löwe Beitrag anzeigen
    Hamse die roten Dinger jetzt drin oder nicht.
    NaziInnen!

    Sie üben einen verbotenen Gruß!

  9. #849
    Vom Wahnsinn begeistert Benutzerbild von Affenpriester
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von iglaubnix+2fel Beitrag anzeigen
    NaziInnen!

    Sie üben einen verbotenen Gruß!
    Die dürfen das, ist doch schließlich Kunst...
    Man sagt ja Alkohol verändert dein Leben
    -
    Ich sauf nun schon so lange und warte noch immer auf Veränderung

  10. #850
    Logiker Benutzerbild von Löwe
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    Standard AW: Entlassene Aktivistinnen von Pussy Riot gemeinsam in Sibirien

    Zitat Zitat von iglaubnix+2fel Beitrag anzeigen
    NaziInnen!

    Sie üben einen verbotenen Gruß!
    Ja ja, aber nur in Deutschland verboten, ich meine diesesmal rote Gummiteile anstatt Suppenhühner.
    "denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht".


    In der Mülltonne, nach internem Kampf mit mir selbst: Dayan, Shivaayaa, borisbaran


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