Zu diesem Beitrag bzgl. des Jom-Kippur-Krieges 1973 noch ergänzend:
Samstag, 29. September 2012
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IN DIESEM Jahr wurden viele alte Dokumente für die Veröffentlichung frei gegeben. Kritische Bücher und Artikel folgten.
Alle beschuldigten die Ministerpräsidentin Golda Meir und den Verteidigungsminister Moshe Dayan.
Sie sind schon direkt nach dem Krieg getadelt worden, aber nur für oberflächliche militärische Versäumnisse, die man „die große Unterlassung“ nannte. Die Unterlassung war, die Reservisten nicht mobilisiert und die Panzer nicht rechtzeitig an die Front gebracht zu haben, trotz der vielen Anzeichen, Ägypten und Syrien seien im Begriff, uns anzugreifen.
Jetzt wird zum ersten Mal die wirklich „große Unterlassung“ untersucht: der politische Hintergrund des Krieges. Die Ergebnisse haben einen direkten Bezug zu dem, was jetzt geschieht.
ES STELLT sich heraus, dass im Februar 1973, also acht Monate vor dem Krieg, Anwar Sadat seinen Vertrauensmann Hafez Ismail zum allmächtigen US-Außenminister Henry Kissinger sandte. Er bot ihm an, sofort Friedensverhandlungen mit Israel zu beginnen.
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Golda schlug das Angebot sofort ab. Es folgte eine hitzige Konversion zwischen dem Botschafter und der Ministerpräsidentin. Rabin, der Kissinger sehr nahe stand, hätte das Angebot gerne angenommen.
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Selbst vor den neuen Enthüllungen, war die Tatsache, dass Sadat mehrere Friedensannäherungen gemacht hatte, kein Geheimnis gewesen. Sadat hatte seine Bereitschaft, ein Abkommen zu erreichen, bei seinen Gesprächen mit UN-Vermittler Dr. Gunnar Jarring zu verstehen gegeben. Dessen Bemühungen waren in Israel schon zu einem Witz geworden.
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Die Sadat-Initiative war also nur fünf Personen bekannt: Golda, Dayan, Galili, Rabin und Rabins Nachfolger in Washington Simcha Dinitz, einem Niemand, Goldas Lakai.
So unglaublich es klingen mag: der Außenminister Abba Ebban, Rabins direkter Boss war nicht informiert. Noch waren es all die anderen Minister, der Stabschef und die anderen Führer der bewaffneten Kräfte, einschließlich der Chefs der Armee-Nachrichtendienste, wie auch die Chefs des Shin Bet und des Mossad. Es war ein Staatsgeheimnis.
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IN DIESER Woche beklagten israelische Kommentatoren das totale Schweigen der Medien und Politiker zu jener Zeit.
Na ja, nicht völlig. Mehrere Monate vor dem Krieg warnte ich Golda Meir bei einer Rede in der Knesset, wenn der Sinai nicht bald zurückgegeben werde, würde Sadat mit einem Krieg beginnen, um den toten Punkt zu überwinden.
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Meine Warnung wurde von den Medien vollkommen ignoriert. Sie behandelten wie Golda die ägyptische Armee mit abgrundtiefer Verachtung und betrachteten Sadat als Troddel. Der Gedanke, dass die Ägypter die unbesiegbare israelische Armee anzugreifen wagen würden, erschien lächerlich.
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DER GLEICHE Typ von Leuten, ja, sogar einige genau derselben, tun jetzt gegenüber Benjamin Netanjahu dasselbe.
Wieder starren wir derselben „großen Unterlassung“ ins Gesicht.
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Aber bedeutender als die blutigen Drohungen gegen den Iran ist das totale Schweigen zu Palästina. Die palästinensischen Friedensangebote werden einfach ignoriert wie diejenigen von Sadat in der damaligen Zeit. Die zehn Jahre alte arabische Friedensinitiative, die von allen arabischen und muslimischen Staaten unterstützt wird, existiert nicht.
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IN JENEN Tagen nannte ich unsere Regierung „Das Narrenschiff“. Unsere jetzige Regierung ist schlimmer, viel schlimmer.
Golda und Dayan führten in eine Katastrophe. Nach dem Krieg, ihrem Krieg, wurden sie hinausgeworfen – nicht durch Wahlen, nicht durch irgendein Untersuchungskomitee, sondern durch einen Volksmassenprotest, der das Land erschütterte.
Bibi und Ehud führen uns in eine andere, viel schlimmere Katastrophe. Eines Tages werden sie von den selben Leuten hinausgeworfen, die sie jetzt anhimmeln - falls sie überleben.
Terror, vornehmlich gegen unschuldige Zivilisten, ist Krieg.
Krieg ist die schlimmste Form des Terrors, weil es vornehmlich unschuldige Zivilisten trifft, die einfach nur das Pech haben, dort zu leben.
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