Frontbericht vom Montag, dem 30. August: Die Reihen fest geschlossen
30.08.2010
70 Menschen und noch viel mehr
(ef-AFL) Montag: Neben dem mehr oder weniger beschlossenen Rauswurf Thilo Sarrazins aus SPD und Bundesbankchefetage – alleine: der Kerl wehrt sich doch immer noch! – beschäftigt sich die Tageschau heute auch mit zwei Randerscheinungen.
Erstens: Der Unterschied zwischen den beiden Parteien der Besserverdienenden wird im Stil offenbar. Christian Lindner, Sekretärin der FDP, trägt Krawatte, findet aber Sarrazins Äußerungen harsch „unverantwortlich“. Daniel Cohn-Bendit dagegen, Mann mit Cordhose und kinderpolitischer Sprecher der Grünen, urteilt zurückhaltender: „Paranoid und irre“ sei Thilo S.
Zweitens: Etwa 70 Widergänger der Sturmabteilung demonstrierten heute in Berlin dagegen, dass „der Umstrittene“ dort seine Meinung überhaupt noch kundtun durfte. Ihre Argumentation: „Halts Maul!“. Und: „Sarrazin gehört im Keim erstickt!“. In der Tagesschau hört sich das so an: „Etwa 70 Menschen aus Gewerkschaften, SPD, Grünen und Linken forderten bei einer Gegendemonstration: Stopp den Rechtspopulismus." Die rund zweiundsiebzigtausendfünfhundertsiebenunddreißig anderen Ansammlungen von „70 Menschen“ und mehr an diesem heutigen Tag in Deutschland sind aber auch gut. Nur, und das vergessen die Staatsfunker dann doch zu erwähnen, sie rufen nicht unbedingt gleich zu schweren Straftaten auf. Die Veranstalter im „Bündnis gegen rechts“, jene liebsten 70 Menschen unserer Tagesschau-Redaktion – zeigten Sarrazin nämlich aufgehübscht in einer Fotomontage in der Lage des von der Bewegung 2. Juni 1975 entführten CDU-Politikers Peter Lorenz. Ein Schild, das Sarrazin vorerst nur virtuell im „Volksgefängnis“ umgehängt wurde, trägt die Aufschrift: „Endlich mal das Richtige tun!!!“.
Und so geht es öffentlich-rechtlich fein ausgewogen weiter: Für heute Abend plant die ARD noch eine Art Runden Tisch bei Beckmann (22:45 Uhr). Gäste neben Thilo Sarrazin (noch SPD, noch Bundesbank) werden sein: Aygül Özkan, Renate Künast, Ranga Yogeshwar und der Sozialpädagoge Thomas Sonnenburg – vier Menschen.