
Zitat von
NITUP
Berlin politisch, kulturell oder ökonomisch zu erfassen, ist sehr schwer. Es gelänge spielend, positive Beispiele zu nennen, wie die Pflege der musealen Kulturlandschaft (Sanierung und Erweiterung der Museumsinsel, Sanierung der Staatsoper ect.) oder die erfolgreiche Ansiedlung der Musikbranche, was auch immer man von diesen Krawallsender MTV und dergleichen halten mag. Negativ zu nennen wäre die ungeklärte Schuldenlage Berlins, verkehrspolitische Wahnsinnsprojekte (Verlängerung der A100, "Kanzler-U-Bahn, die kein Mensch braucht) wie überhaupt die Verkehrspolitik der Stadt, gemessen an ihrer einst weltweit Maßstäbe setzenden Tradition, ein einziges Jammertal ist; die zusehende Ghettoisierung der Stadt, die Ohnmacht derselben vor den zahlreichen Brennpunkten der Kriminalität und der Verausländerung ganzer Stadtteile. Egal, wie man es dreht und wendet, es kristallisiert sich eines heraus, im Gegensatz zu dem, was diese Stadt über Jahrhunderte einst ausmachte: Ein Konzept! Die Stadt erstrahlt nur noch als Stückwerk -hier ein duftes Prestigeprojekt, dort städtisches Elend. Das jedoch als ein spezifisch berlinisches Problem zu benennen, ist jedoch falsch, denn es ist zur gesellschaftlichen wie politischen Unsitte geworden, perspektivlos nur noch in Legislaturperioden zu denken und zu planen, statt generationsübergreifende Projekte in Angriff zu nehmen. Wer mag sich vorstellen, dass solche gigantischen Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Berliner Stadtbahn, die Elektrisierung derselben oder auch die Museumsinsel, heute noch als Idee das Licht der Bauzeichnungen erblickten?
Berlin versucht, ein weltstädtisches "Flair" zu erzielen, und denkt, mit "Shopping"-Tempeln und Großraumdiscos, englischsprachigen S-Bahndurchsagen und Massenveranstaltungen á la Love- und CSD-Paraden sowie anderen Kommerzorgien selbiges zu erreichen. Unterm Strich verliert die Stadt dabei ihr ureigenstes Gepräge, das, was sie ausmacht, Herz, Schnauze, Urwüchsigkeit der Menschen; Berlin war nie ein organisch gewachsenes Gemeinwesen, sondern immer schon eine Stadt aus vielen Städten, die sich voneinander stets stark unterschieden. Wir sind nicht London, Paris oder Moskau; aber es wird versucht, sich an dieser imaginären Skala zu messen, was unsinnig ist und provinziell wirkt. Überhaupt ist der krampfhafte Versuch, Berlin so zu einer massentouristischen Stadt zu machen, eine Katastrophe und führt bei den Ureinwohnern zu Verdruss. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, hasse ich nichts mehr als diese elenden Touristenströme, die einem schier die Luft zum Atmen nehmen. Aber ich schweife ab.
Zu Herrn Wowereit und zur linken Politik, welche dieser Senat angeblich machen soll, kann ich nichts sagen. Prinzipiell neige ich der Sozialdemokratie zu; dass die Grünen hier bald den Bürgermeister stellen, halte ich für eine Katastrophe und für den Beginn des Unterganges dessen, was Berlin einst ausmachte. Der Multikultiwahn wird sich noch mehr Bahn schlagen, Neger, Türken und Zigeuner werden bald noch großzügiger hier Quartier bekommen und die Politik wird noch stärker auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sein -und auf die der schwäbischen Enklaven im Prenzlauer Berg und Friedrichshain.
Aber um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Die Stadtpolitik wird größtenteils von der Finanzlage diktiert, und diese wiederum ergibt sich aus der Geschichte dieser Stadt, die geprägt ist von der Teilung, dem Westberliner Filz und dem kläglichen Bemühen, zwei jahrzehntelang getrennt sich entwickelnde Städte mit ihren doppelten Strukturen wieder sinnvoll zu vereinen, und zwar mithilfe solcher Provinzpolitiker wie Diepgen, Landowski oder Ingo Schmidt. Daran krankt es bis heute, bzw. ist die Last jener Jahre noch zu spüren. Wowereit ist mehr Sachverwalter als tatsächlich Regierender Bürgermeister. Aber hier kämen wir wieder auf die Demokratie als gesellschaftliches Korsett zu sprechen, die eben nicht geeignet ist, die Probleme unserer Zeit zu bewältigen. Berlin hat wohl oder übel seine besten Zeiten hinter sich. Zu hoffen bleibt, dass möglichst einiges gerettet werden kann.
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