Jedes Mal, wenn ein Argument nicht mehr trägt, wechselst du den Prüfgegenstand. Das ist umso bemerkenswerter, als die Begriffe und Begründungslinien, von denen du dich jetzt lösen möchtest –
Narco-Staat, Transitland, strukturelle Verstrickung – ursprünglich von dir selbst in die Debatte gebracht wurden. Ich habe sie lediglich an ihren eigenen Kriterien geprüft.
Zuerst ging es um Produktion und Labore, dann um Transit, jetzt um eine individuelle US-Strafanklage. Das ist kein Fortschritt der Analyse, sondern ein fortlaufendes Verschieben der Rahmen. Nennt man auch Goalpost Shifting(Verschieben der Torpfosten): Sobald eine Behauptung empirisch nicht meehr haltbar ist, wird der Bewertungsrahmen verschoben, ohne den vorherigen Punkt einzugestehen oder sauber abzuschließen. Das ist mir bei dir schon öfter aufgefallen.
Lass uns die Ebenen deshalb bitte sauber trennen:
Erstens: Ob die US-Justiz gegen Maduro persönlich Anklage erhebt, ist eine Frage des US-Strafrechts und seiner extraterritorialen Anwendung. Das ist nicht identisch mit der analytischen Kategorie Narco-Staat. Eine individuelle Beschuldigung – selbst auf Präsidentenebene – ersetzt keine strukturelle Evidenz über staatliche Durchdringung durch Drogenökonomie.
Zweitens: Du übernimmst erneut die Anklagebehauptung als Tatsachenbeschreibung. Dass Maduro angeblich "an der Spitze einer kriminellen Vereinigung" stand, ist genau das, was bewiesen werden müsste. Eine Anklageschrift ist kein Beweis, sondern der Ausgangspunkt eines Verfahrens – zumal in einem hochpolitisierten Kontext.
Drittens: Wenn du die Debatte über Völkerrecht und politische Instrumentalisierung an Experten delegierst, entziehst du sie der Analyse, statt sie zu klären. Gerade die selektive Anwendung von Strafverfolgung, Sanktionen und militärischer Gewalt ist kein rein juristisches, sondern ein politisches Problem.
Viertens – und das ist der Kern:
Selbst wenn man deine Prämisse akzeptiert, bleibt die Asymmetrie bestehen: Warum werden vergleichbare oder besser dokumentierte Fälle systemischer Verflechtung von Staat, Sicherheitsapparat und Kartellen in Mexiko oder Kolumbien nicht mit derselben Rhetorik, denselben Maßnahmen oder derselben Eskalationslogik behandelt?
Solange du diese Selektivität nicht erklärst, bleibt meine Ausgangsthese bestehen: Wir reden hier nicht primär über Recht, sondern über Framing und politische Zweckmäßigkeit.