User in diesem Thread gebannt : autochthon and Optimist


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Thema: Russland

  1. #26451
    Have a little faith, baby Benutzerbild von Maitre
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    bunt geschmücktes Narrenschiff Utopia
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von A-Lincoln Beitrag anzeigen
    Ich gehe ein Stück mit – aber genau an den Stellen, an denen du Sicherheit behauptest, wird es analytisch wackelig.

    Der Faktor Zeit arbeitet nicht per se für uns. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine Hoffnung. Zeit verstärkt bestehende Trends – und die sind in Europa eben nicht nur Einigung und Profilbildung, sondern auch Ermüdung, Zielkonflikte, innenpolitischer Druck und very europäische Selbstbeschäftigung.

    Ein äußerer Feind kann Integration beschleunigen, ja. Er kann sie aber genauso gut zerfasern, sobald die Kosten ungleich verteilt sind. Geschichte liefert dafür mindestens genauso viele Beispiele wie für die Phalanx-Erzählung.

    Auch der Rückgriff auf den Kalten Krieg greift zu kurz. Der NATO-Doppelbeschluss bewies seine Richtigkeit nicht, weil er hart war, sondern weil er eingebettet war: in Rüstungskontrolle, Gesprächskanäle, Eskalationsmanagement und gegenseitige Berechenbarkeit.

    Reagan war kein Comic-Held, der durch Härte allein ein Imperium zu Fall brachte, sondern Teil eines Systems, das Druck und Ventile kombinierte. Das wird in der Rückschau gern auf klare Kante reduziert – analytisch ist das zu simpel.

    Zur coercive diplomacy: Macht ist notwendig, aber sie wirkt nicht linear. Gerade atomar bewaffnete Staaten reagieren nicht nach dem Muster mehr Druck = mehr Einlenken. Abschreckung kann stabilisieren, sie kann aber auch Verhärtung erzeugen. Zu behaupten, Autokraten verstünden ausschließlich Macht, ist selbst eine Form von Wunschdenken – sie verstehen sehr wohl Kosten, Risiken, Elitendynamiken und Gesichtsverlust. Nur eben nicht immer so, wie wir es gern hätten.

    Und der Satz der gemeinsame Feind zwingt uns zur Einigung ist politisch bequem, aber gefährlich. Einheit, die nur über Bedrohung funktioniert, ist fragil. Sie hält so lange, wie Angst trägt – nicht so lange, wie Interessen deckungsgleich sind. Das ist keine Stärke, sondern eine Abhängigkeit.

    Kurz gesagt: Du liegst richtig, dass Macht, Abschreckung und Zeit eine Rolle spielen. Du liegst falsch, wenn du daraus eine fast automatische Erfolgsgarantie ableitest. Internationale Politik ist kein Fitnessprogramm, bei dem man durch langes Durchhalten automatisch stärker wird. Man kann sich auch überdehnen - siehe die Sowjetunion. Und genau das Risiko blendet deine Argumentation aus.
    Das Hauptproblem der Sowjetunion und der RGW-Staaten war Stagnation ab den späten 60ern/ frühen 70ern. Mitte der 60er gab es einige durchaus erfolgreiche Reformanstrengungen (NÖSPL, Kossygin-Reformen, Sik- Reformen, NEM) den Sozialismus wirtschaftlicher zu machen. Da diese Reformen aber an der unbedingten Macht der Partei rührten, waren sie vielen Genossen ein Dorn im Auge und wurden ab Ende der 60er eingestampft. Was in der Folge zum Zerfall führte. Seitens des Westens wird gern der Doppelbeschluss und Reagans SDI als Ursache des Zusammenbruchs angeführt, weil sich diese Heldengeschichte halt schön macht. Praktisch standen viele dieser Staaten aber schon vorher sehr schlecht da. Über ein Jahrzehnt Stillstand, abgebrochene technische Weiterentwicklung und verkrustete, überalterte Parteiapparate hatten ihren Tribut gefordert.

    P.s.: Besonders interessant ist übrigens der Fall Rumänien. Ich habe mich immer gefragt, was die Situation dort so zugespitzt hat, dass Ceaucescu mit seinem Leben dafür bezahlte. Er hat in den 80ern tatsächlich ein reichlich seltenes Kunststück vollbracht, indem er- zu Lasten des Volkes- einen radikalen Entschuldungskurs fuhr. Das Land war 1989 praktisch schuldenfrei, aber kaputt durch und durch.
    "Wenn es um die ganz großen Verbrecher geht, gibt es für die Polizei nur eine Aufgabe: Ihnen Schutz zu gewähren!"

    Kriminalkommissar Jensen


  2. #26452
    nützliche Ratte Benutzerbild von phantomias
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Achilleas Beitrag anzeigen
    Befinden wir uns noch im Kalten - Krieg ? Warum liegt das noch da?
    Wie gesagt, 300 Tonnen wurden aus politischen Gründen aus den USA zurückgeholt. Bisher gab es keinen Grund, den USA zu misstrauen und v. a. an der Unabhängigkeit der Fed zu zweifeln. Seit Trump hat sich das geändert. Andererseits ist die Bedrohungslage durch Russland wieder mindestens so hoch wie im kalten Krieg.
    "Nach der Wahrheit ist vor dem Faschismus, und Trump war unser 'Nach-Wahrheit-Präsident'." Timothy Snyder

  3. #26453
    liberal mind Benutzerbild von Virtuel
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von A-Lincoln Beitrag anzeigen
    Überrascht mich ehrlich gesagt wenig – das ist ja nicht das erste Mal, dass du bei Gegenargumenten recht schnell von der Sachebene auf die persönliche wechselst. Passiert offenbar immer dann, wenn der inhaltliche Widerspruch etwas länger ausfällt als ein Einzeiler. Keine Angst, im Privatleben halte ich das deutlich kürzer. Da reicht oft schon ein Satz – komischerweise überleben das alle Beteiligten problemlos.

    Hier geht es aber um Inhalte. Wenn jemand ganze Kulturen zu Barbaren erklärt und mit Endzeitnarrativen um sich wirft, dann braucht es halt mehr als einen Einzeiler. Das ist kein Aufplustern, das ist Kontext. Wer darauf nur noch mit boah, ist der lang reagieren kann, hat sich inhaltlich meistens schon verabschiedet.

    Oder anders gesagt: Ich halte keine Vorträge. Ich antworte nur länger, wenn vorher sehr kurz gedacht wurde.
    Weil es auch auf Deinen letzten Beitrag an mich paßt, antworte ich hier.

    "Kulturen" die ständig mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen, SIND Barbaren bzw. noch viel schlimmer
    (falls sie nicht nur bluffen....)

    Und noch etwas zum Vergleich USA/Rußland = zwei Fußballmannschaften oder besser noch Endzeitgegner...

    Es könnte auch so sein, wie z.B. Alexander Benesch es sieht (der mit Nyquist zusammenarbeitet), nämlich daß die beiden "Gegner" an der Spitze der Pyramide zusammenarbeiten, oder als andere Variante, der eine den anderen unterwandert hat
    (sieht so aus, als wären die USA unterwandert...).

    Wer von uns weiß denn eigentlich genau, WER die wirklichen Herren dieser neuartigen Welt sind?
    Oder hat sich Deiner Ansicht nach nicht viel geändert seit 3000 Jahren....

    In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch
    (Edward Kennedy)
    Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. ​(Wolodymyr Selenskyj)
    Igno: Dr.Mittendrin, Flaschengeist, Politikqualle, Hr.Mayer

  4. #26454
    Mitglied Benutzerbild von Achilleas
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Xarrion Beitrag anzeigen
    Merci.

    Eigentlich gar nicht so schwer zu begreifen, nicht wahr?

    Mir fällt hier immer wieder auf, welch engen Horizont etliche Nutzer haben.
    Eigentlich erschreckend.
    Absolut. Wer die Welt bereist hat, sieht das Leben oft viel realistischer als die, die nie ihre eigene Kommune verlassen haben.
    FUCK THE WOKE

    Dinge kommen zurück und sind wieder in. Ich kann es kaum erwarten,bis Moral, Respekt und Inteligenz wieder im Trend sind.

  5. #26455
    Mitglied Benutzerbild von Dr Mittendrin
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von phantomias Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, 300 Tonnen wurden aus politischen Gründen aus den USA zurückgeholt. Bisher gab es keinen Grund, den USA zu misstrauen und v. a. an der Unabhängigkeit der Fed zu zweifeln. Seit Trump hat sich das geändert. Andererseits ist die Bedrohungslage durch Russland wieder mindestens so hoch wie im kalten Krieg.
    Trump will die FED unabhängig machen. Die FED ist nicht heilig, sie löste den Goldstandard auf.
    Ohne Skepsis verhungert die Demokratie.

  6. #26456
    Mitglied Benutzerbild von Achilleas
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von phantomias Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, 300 Tonnen wurden aus politischen Gründen aus den USA zurückgeholt. Bisher gab es keinen Grund, den USA zu misstrauen und v. a. an der Unabhängigkeit der Fed zu zweifeln. Seit Trump hat sich das geändert. Andererseits ist die Bedrohungslage durch Russland wieder mindestens so hoch wie im kalten Krieg.
    Was meinst du dazu?

    Zitat Zitat von Achilleas Beitrag anzeigen
    Gute Frage! Ich frage mich nur: Was würden all die Befürworter des russischen Vermögensdiebstahls sagen, wenn die USA plötzlich einen Grund fänden, deutsche Goldreserven zu konfiszieren – nur um sie anderswo einzusetzen?
    Zum Beispiel beim Aufbau von Mexiko oder Ähnliches.

    Ironie des Ganzen: Plötzlich würden die moralischen Maßstäbe ganz schnell sehr flexibel.
    FUCK THE WOKE

    Dinge kommen zurück und sind wieder in. Ich kann es kaum erwarten,bis Moral, Respekt und Inteligenz wieder im Trend sind.

  7. #26457
    nützliche Ratte Benutzerbild von phantomias
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Dr Mittendrin Beitrag anzeigen
    Trump will die FED unabhängig machen. Die FED ist nicht heilig, sie löste den Goldstandard auf.
    Die Fed ist unabhängig. Trump will das ändern, indem er dort einen Befehlsempfänger einsetzt.
    "Nach der Wahrheit ist vor dem Faschismus, und Trump war unser 'Nach-Wahrheit-Präsident'." Timothy Snyder

  8. #26458
    Mitglied Benutzerbild von Anhalter
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Virtuel Beitrag anzeigen
    Was denn?

    Rußland erpreßt doch ständig andere Staaten.....unter Drohung mit atomaren Erstschlägen.

    Übrigens gehen solche Leute wie Nyquist in Amerika davon aus, daß das auch passieren wird, und zwar weil dieses Vorhaben des atomaren Erstschlags gegen Europa in Rußland und China schon sehr lange besteht, wie Nyquist aus unterschiedlichen Quellen nachweist.

    Man muß nur Putin zuhören. Oder glaubst Du etwa, daß der nur blufft?
    So gesehen erpresst man sich dann gegenseitig, denn nicht nur Russland hat Atomwaffen ...
    Friede den Hütten! Krieg den Kriegstreiberpalästen! (Georg Büchner und ich)

  9. #26459
    Mitglied Benutzerbild von Dr Mittendrin
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Maitre Beitrag anzeigen
    Das Hauptproblem der Sowjetunion und der RGW-Staaten war Stagnation ab den späten 60ern/ frühen 70ern. Mitte der 60ern gab es einige durchaus erfolgreiche Reformanstrengungen (NÖSPL, Kossygin-Reformen, Sik- Reformen, NEM) den Sozialismus wirtschaftlicher zu machen. Da diese Reformen aber an der unbedingten Macht der Partei rührten, waren sie vielen Genossen ein Dorn im Auge und wurden ab Ende der 60er eingestampft. Was in der Folge zum Zerfall führte. Seitens des Westens wird gern der Doppelbeschluss und Reagans SDI als Ursache des Zusammenbruchs angeführt, weil sich diese Heldengeschichte halt schön macht. Praktisch standen viele dieser Staaten aber schon vorher sehr schlecht da. Über ein Jahrzehnt Stillstand, abgebrochene technische Weiterentwicklung, verkrustete Parteiapparate hatten ihren Tribut gefordert.

    P.s.: Besonders interessant ist übrigens der Fall Rumänien. Ich habe mich immer gefragt, was die Situation dort so zugespitzt hat, dass Ceaucescu mit seinem Leben dafür bezahlte. Er hat in den 80ern tatsächlich ein reichlich seltenes Kunststück vollbracht, indem er- zu Lasten des Volkes- einen radikalen Entschuldungskurs fuhr. Das Land war 1989 praktisch schuldenfrei, aber kaputt durch und durch.
    Hat Ceaucescu sich nicht übermäßig bereichert ?
    Ohne Skepsis verhungert die Demokratie.

  10. #26460
    nützliche Ratte Benutzerbild von phantomias
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    Standard AW: Russland

    Zitat Zitat von Achilleas Beitrag anzeigen
    Was meinst du dazu?
    Deutschland hat kein anderes Land überfallen. Russland schon und dafür muss es geradestehen.
    "Nach der Wahrheit ist vor dem Faschismus, und Trump war unser 'Nach-Wahrheit-Präsident'." Timothy Snyder

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