User in diesem Thread gebannt : autochthon and Optimist |
In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch (Edward Kennedy)
Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. (Wolodymyr Selenskyj)
Igno: Dr.Mittendrin, Flaschengeist, Politikqualle, Hr.Mayer
In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch (Edward Kennedy)
Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. (Wolodymyr Selenskyj)
Igno: Dr.Mittendrin, Flaschengeist, Politikqualle, Hr.Mayer
Der Kernfehler in der Antwort liegt schon ganz am Anfang: Kultur ≠ moralische Reinheit ≠ politische Sympathie. Wenn ich von "Kulturvolk" spreche, dann ist das keine Absolution für heutige Machtpolitik, keine Verklärung von Regimen und schon gar kein Gütesiegel für Autokratie. Es ist schlicht eine historisch-zivilisatorische Feststellung. Punkt.
Russland "kein Kulturvolk", weil der Adel französisch geprägt war? Das ist ungefähr so, als würde man sagen, Deutschland habe keine Kultur, weil Goethe Latein konnte und Bach italienische Formen nutzte. Kultur entsteht nicht im luftleeren Raum, sie ist hybrid, vernetzt, beeinflusst – das war im Zarenreich so, das war im Heiligen Römischen Reich so, das ist heute so. Tolstoi "nur" bürgerlicher Realismus? Großartig – dann streichen wir also gleich Dostojewski, Tschechow, Rimsky-Korsakow, Mendelejew, Koroljow und die russische Raumfahrt gleich mit. Klingt konsequent, ist aber halt Unsinn.
Und China "hat mit uns nichts zu tun" – ja, geografisch korrekt, kulturell irrelevant. Konfuzius, Rechtsphilosophie, Staatsverwaltung, Meritokratie, Schriftkultur über Jahrtausende – das alles einfach mit "Neo-Kommunismus" wegzuwischen, ist keine Analyse, das ist Zivilisationsblindheit.
Dass heutige chinesische Politik autoritär ist, ändert exakt nichts daran, dass China eine der langlebigsten und friedlichsten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte ist. Auch der Kommunismus hat übrigens Kultur hervorgebracht – man kann sie ablehnen, aber sie zu leugnen ist ungefähr so sinnvoll wie zu behaupten, Beton habe keine Architektur.
Jetzt zum größeren Rundumschlag: "Kommunismus = moralischer Verfall, Kriminalität, Mord". Ja, autoritäre Systeme produzieren systemisch Korruption, Gewalt und Machtmissbrauch. Das ist Politikwissenschaft 101. Aber die implizite Gleichung Sozialismus -> Verkommenheit und Kapitalismus -> Moral hält historisch exakt so lange, bis man Kolonialgeschichte, Drogenkriege, Finanzkrisen oder mafiöse Oligarchien im Westen mit betrachtet. Moralischer Verfall ist kein exklusives Parteibuchproblem, sondern ein Machtproblem.
Was die Nyquist-Zitate angeht: Das ist klassisches Manichäismus-Narrativ – Welt als Kampf Gut gegen Böse, mit klaren Feindmarkierungen und Kollektivschuld. Jeder, der "russische Propagandapunkte wiederholt", sei Feind der USA? Das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist McCarthyismus mit neuem Etikett. Wer so argumentiert, ersetzt Analyse durch Gesinnungsprüfung. Das mag emotional befriedigen, erklärt aber keine Welt.
Putin Autoritär? Ja. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass Russland historisch "barbarisch" ist oder dass jede Differenzierung Kollaboration wäre. Differenzierung ist keine Sympathie, sie ist Voraussetzung von strategischer Urteilskraft.
Und genau da sind wir wieder beim Ausgangspunkt:
Man kann die nukleare Abschreckung der USA ernst nehmen, russische Machtpolitik klar benennen und trotzdem aufhören, ganze Zivilisationen rhetorisch zu entmenschlichen. Wer ständig von "Barbaren" spricht, landet gedanklich schneller bei totalen Lösungen, als ihm lieb ist. Das ist historisch kein gutes Zeichen.
Salopp gesagt:
Kritik an Regimen ist notwendig.
Dämonisierung ganzer Kulturen ist bequem.
Und apokalyptische Schwarz-Weiß-Erzählungen ersetzen keine nüchterne Machtanalyse – sie machen nur Angst effizienter.
Oder noch kürzer: Wer überall nur Barbaren sieht, sagt meist mehr über sein eigenes Weltbild aus als über die Welt.
Geändert von A-Lincoln (17.12.2025 um 17:25 Uhr)
Was fehlt denn noch, um diesen Prozess als abgeschlossen einstufen zu können?
Was ist noch mal mit Burgund und den Mittelmächten passiert und warum?
Warum sollten die Kanadier dabei mitmachen?
"Wir" können "uns selbst" im Moment nicht als Großmacht aufbauen. Angesichts der zahllosen Versuche, Afrika aufzubauen: warum sollte es diesmal gelingen?
Du solltest dich mit Leuten unterhalten, die in Afrika gelebt haben. Oder es selbst tun.
In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch (Edward Kennedy)
Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. (Wolodymyr Selenskyj)
Igno: Dr.Mittendrin, Flaschengeist, Politikqualle, Hr.Mayer
Aktive Benutzer in diesem Thema: 9 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 9)