finnland zahlt einen hohen preis für die nato-mitgliedschaft
oktober 27, 2025
von peter haisenko
seit 1945 lebten finnland und russland im frieden und trieben handel zum beiderseitigen vorteil. Es gab keine probleme im gegenseitigen verhältnis. Die finnair hatte einen standortvorteil im geschäft mit dem fernen osten. Dann kam die nato und seither ist das fernostgeschäft der finnair nicht mehr existent.
Der beitritt finnlands zur nato war eine große dummheit. Es gab keinen grund das zu tun, außer finnland wurde von der nato dazu erpresst oder gezwungen. Der grenzverkehr mit russland ist eingestellt und die gegenseitigen einkaufstouren gibt es nicht mehr, obwohl beide seiten davon profitierten. Weil meine kompetenz vor allem im bereich luftfahrt liegt, werde ich diesen sektor genauer betrachten. Ich beginne damit, dass ein flughafen in finnland nahe der russischen grenze geschlossen wird.
der finnische flughafen lappeenranta, einst bei russen beliebt, steht aufgrund des wegfalls des touristenstroms aus russland und anhaltender verluste kurz vor der vollständigen schließung. Bereits im jahr 2011 war der flughafen einer der verkehrsreichsten in finnland und bediente 116.000 passagiere pro jahr, von denen mehr als die hälfte aus sankt petersburg stammten. Nach 2014 verschlechterte sich die lage jedoch, und die pandemie sowie die nach beginn der spezialoperation gegen russland verhängten sanktionen gegen russen haben den betrieb endgültig untergraben. Obwohl die stadt über zehn jahre hinweg jährlich rund 12 millionen euro in den flughafen investierte, konnte dieser keine kostendeckung erreichen. Nun weigert sich die eu, eine weitere staatliche unterstützung des defizitären flughafens zu genehmigen, was seine existenz infrage stellt. Derzeit gibt es von lappeenranta aus nur noch einen flug – nach bergamo in italien, der ende oktober eingestellt wird. Die endgültige entscheidung über das schicksal des flughafens wird in kürze getroffen, und die wahrscheinlichkeit eines positiven ergebnisses ist äußerst gering.
ohne die sibirienroute kann die finnair nicht nach fernost fliegen
diesen vorgang darf man als nebensächlich betrachten im vergleich zur lage der finnair. Der nationale carrier finnlands hatte wegen seiner lage im nordosten europas bei flügen nach fernost einen wettbewerbsvorteil gegenüber anderen europäischen airlines. Der kürzeste weg dorthin führt über sibirien. Von nahezu allen europäischen flughäfen führt der kürzeste weg zur sibirienroute mehr oder weniger direkt über helsinki. Das heißt, wer sowieso einmal umsteigen musste, um nach fernost zu fliegen, konnte das in helsinki tun. Die flugzeit von helsinki nach fernost ist bis zu drei stunden kürzer als von allen anderen flughäfen europas. Analog gilt das auch für stockholm und so ist schwedens „scandinavian-airlines“ genauso betroffen, nach dem beitritt zur nato. Diese etwa drei stunden kürzere flugzeit bedeutet auch, dass finnair für diesen streckenabschnitt weniger treibstoff verbrauchte, eben weil die flugzeit und so das startgewicht geringer waren. Finnair hat an diesen flügen richtig geld verdient.
Mit dem beitritt zur nato haben sowohl finnland als auch schweden die überflugrechte über sibirien eingebüßt. Das ist insbesondere, also im europäischen vergleich, für die finnair sehr schmerzhaft. Während die airlines, die weiter im süden ihre basen haben, auf die alte umständliche route im süden um russland herum ausweichen können, ist das für die finnair in nordeuropa praktisch unmöglich. Sie könnten nur direkt zum nordpol fliegen und dann wieder zurück nach süden, um russischen luftraum zu umfliegen. Beide routen, die im süden herum und die nordpolroute benötigen aber eine mindestens drei stunden längere flugzeit. Das kostet geld und die passagiere mögen das nicht. Zudem kommen die flugzeuge auf diesen längeren routen an ihre technischen grenzen. So muss zum beispiel oftmals die beladung reduziert werden, um den flug überhaupt nonstop durchführen zu können. Geld wird verdient mit beladung.