Die Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Einheiten bei Prochorowka im Juli 1943 galten jahrzehntelang als „größte Panzerschlacht des Zweiten Weltkrieges“ und triumphaler Sieg der Roten Armee. Aktenfunde und Fotoauswertungen ergeben inzwischen ein ganz anderes Bild.
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Basierend auf Akten in deutschen und russischen Archiven sowie auf Zeitzeugenaussagen entlarvte der deutsche Militärhistoriker
Karl-Heinz Frieser diese Erzählung seit 1993 als Mythos;
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Friesers Befund wurde 2019 von seinem Kollegen Ben Wheatley untermauert: Der britische Forscher hatte in einem ansonsten wenig beachteten Bestand deutscher Luftaufklärungsbilder von der Ostfront im amerikanischen Nationalarchiv in College Park (US-Bundesstaat Maryland) mehrere Aufnahmen gefunden, welche die Fakten belegten. Wheatley beschreibt seine Ergebnisse jetzt detailliert in seinem neuen Buch über die Prochorowka-Schlacht (
„The Panzers of Prokhorovka: The Myth of Hitler’s Greatest Armoured Defeat“. Osprey, 316 S., 31 Euro), umreißt die unmittelbare Vor- und Nachgeschichte der Kämpfe und stellt sie in den größeren Zusammenhang der „Zitadelle“-Offensive.
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Offenbar glaubte die deutsche Generalität den Berichten der eigenen Frontoffiziere über ihren Erfolg nicht und schickte deshalb nach der Schlacht Aufklärungsflugzeuge über das Kampfgebiet. Deren Fotos, aufgenommen am 14. und am 16. Juli 1943 sowie Anfang August, hat Wheatley entdeckt und ausgewertet.