
Zitat von
Jony
Grundsätzlich hast du recht, allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass auf einen groben Klotz genauso grundsätzlich ein grober Keil gehört, sonst kann man es auch gleich lassen und sich der Situation ergeben, bzw. aus der Position einer dreibeinigen Kröte mit Israel um mehr Autonomie "verhandeln".
Ich versuche das mal aus der Sicht eines typischen Westlers, sagen wir mal Florence Gaub, zu betrachten:
Wenn die Palis es mit humanistischen Westeuropäern von heute zu tun hätten, die dem menschlichen Leben historisch/kulturell bedingt einen ganz anderen Wert beimessen als die heutigen Nachkommen von osteuropäischen Ganoven, Glücksrittern und in den Wirren des 2. WK sonstwo aufgegabelten Streunern, dann würde dein Punkt viel eher greifen.
Wenn die humanistischen Westeuropäer vor 200 Jahren dem menschlichen Leben genauso viel Wert beigemessen hätten wie heute, dann hätten sie gar nicht soviel Land einnehmen können und es würde die von Ureinwohnern großteils gesäuberte USA bzw. Australien heute ja gar nicht geben.
Eroberer mittels Soft Skills und Verhandlungskunst zu vertreiben, hat historisch gesehen jetzt auch nicht sooo oft geklappt, um es mal ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
Wir können das auch aus der Sicht eines heutigen Israeli sehen: Er weiß (wenn es seine Arroganz nicht zulässt, dann ahnt und spürt er zumindest), dass er im mit weitem Abstand umstrittensten Staat dieses Planeten lebt. Klar, er erklärt sich das damit, dass das alles "Antisemiten" seien und doch eh nur alle neidisch auf die weltbesten Juden....
Wenn er mal in den wenigen schwachen, zweifelnden Momenten seines Lebens die Propaganda seines Staates vergessen und sich ergebnisoffen fragen würde, warum das so ist, dass die unmittelbare Nachbarschaft "seines" Landes ihn ablehnt und seine Fürsprecher, Unterstützer und Sympathisanten immer mehr werden, je weiter er sich von diesem Land und seiner vermeintlichen Heimatregion entfernt, dann kann er ja doch schonmal auf den leisen Gedanken kommen, dass mit diesem Land irgendetwas ganz gewaltig nicht stimmen kann, "sein Land" womöglich eine von weit weg kontrollierte Kolonie ist, bei der der Kolonialist so tut als würden seine Statthalter ihn kontrollieren und die fehlende Impulskontrolle und die seit Jahrzehnten immer wiederkehrende übeschäumende Wut der Ureinwohner vielleicht einfach nur Emotionen von Menschen sind, die halt noch nicht so weit sind wie er, um als internescheneller Weltbürger mit 3 Pässen sich alle paar Generationen auf der Weltkugel eine neue Heimat auszusuchen.
Also rein objektiv gesehen, nun wahrlich kein guter Ort, um (mit Familie) alt zu werden.
Er will es trotzdem wissen und dort bleiben, weil er sich stark fühlt und als geschichtsbewusster "Jude" sich nicht "wieder" vertreiben lassen will? Auch gut und überhaupt kein Problem. Aber dann bitte nicht rumjammern, wenn in der Mittgspause plötzlich Körperteile rumfliegen, sondern beherzt mit druffhauen und aufrecht stehen bleiben in diesem Irrenhaus. Dann werden wir schon sehen wer den längeren Atem und eine stärkere Bindung zu dieser Region hat: Die Neubürger oder die Eingeborenen...