Guter Einwand. Natürlich nicht. In der Tat haben auch die Russen und andere Völker gar 1914 in Ostpreußen unmäßig gehaust.
Nemmersdorf mit an Scheunen genagelten deutschen Volksgenossen, vergewaltigten 8 bis 80-Jährigen war ein Fanal, dem viele folgten.
Aber die Rote Armee bestand aus vielen Völkerschaften.
"Danach habe ich einen blinden Fleck in meiner Erinnerung. Vielleicht einen Tag? Vielleicht auch nur Stunden? Dann finde ich mich wieder in unserem kleinen Zimmer am Ende des alten Ziegenstalls in Kausche. Im Zimmer drängte sich ungefähr ein Dutzend andere Leute zusammen, meist junge Frauen und halbwüchsige Mädchen, und meine Oma rang mit Frau Weber, die mit einem Messer herumfuchtelte und gespenstisch herumschrie, sie werde ihr Baby abschlachten. Oma erklärte mir später, Frau Weber sei übergeschnappt durch all das Schreckliche, und es war fürchterlich, was nun ständig in dieses Zimmer hereinbrach.
Die Tür war unter Stiefeltritten aufgesprungen, und Horden von Russen, schlitzäugig, grinsend, drangen ständig ein, griffen nach den Mädchen, packten die Frauen, faßten selbst nach der noch blutenden Frau Weber und warfen sie alle auf den Fußboden. In meiner Erinnerung waren es mehrere Dutzend russische Soldaten, es waren tatsächlich Mongolen in sowjetischer Uniform, die von Stalin zwangsweise eingezogen worden waren, um in Deutschland Rache zu nehmen, wie Ilya Ehrenburg, der jüdisch-sowjetische Propagandaminister in vielen Radioansprachen sie aufgefordert hatte: ‚Tötet! Tötet! Tötet! Keiner ist unschuldig! Niemand! Niemand! Nicht die Lebenden und nicht die noch Ungeborenen!‘ Massenvergewaltigung! Reihenweise! Unablässig! Ich habe das nicht gesehen. Man hat es mir später gesagt, als ich alt genug war, es zu verstehen. Meine Oma hatte mich in eisernem Griff, drückte meinen Kopf gegen ihre Jacke und hielt mir so die Augen zu. Ich erinnere mich nicht, daß sie weinte, nicht einmal schluchzen hörte ich sie. Ich habe sie als schweigend im Gedächtnis. Mit dem Gesicht gegen ihre Brüste gedrückt, konnte ich gar nichts sehen, doch sie sah es, alles, sie hat alles überlebt, und sie hat niemals wieder darüber gesprochen, was sie in jener Nacht und in den vielen Nächten danach gesehen und erlebt hat.
Ich weiß heute, sie sah ihre Tochter, meine schöne junge Mutter, vor ihren Füßen auf dem Boden, vergewaltigt von Sowjetsoldaten, von einem nach dem anderen, die andere Mädchen, andere Frauen festhielten und ihnen unabläßig Gewalt antaten, wobei immer neue Schwärme von Sowjets hereindrängten und weitermachten, wenn die vorherigen abließen. Während dieses ganzen Wahnsinns wurde unser Gebäude noch von einer Granate getroffen, die, glaube ich, zwei Ziegen tötete. Im Raum selber gab es Schläge, die Zähne kosteten, aber keine Todesopfer. Nur Vergewaltigungen. Endloses Vergewaltigen. Reihenvergewaltigung von jungen deutschen Mädchen, jungen deutschen Frauen durch Asiaten in sowjetischer Uniform.
Meine nächste Erinnerung ist, daß ganz plötzlich unser Hof voll von deutschen Soldaten war, die kurz durch die Front gebrochen waren und versuchten, sich nach Berlin durchzukämpfen, wo sie hofften, sicher zu sein. … Unsere Erretter! Wie es vorher, seit wir die Ukraine im Herbst 1943 verlassen hatten, zahllose Male geschehen war, hatten diese deutschen Jungen und deutschen
Männer sich tapfer bis zu uns durchgekämpft, auf ihre Kosten, mit großen Mühen und Opfern an Leben und Gesundheit, um uns zu erretten! Das glaubten wir damals, und ich glaube es noch heute. Meine Oma, die stoisch gefaßte, tiefreligiöse alte Frau, hing einem von diesen von ihrem deutschen Herrgott Gesandten in deutscher Uniform am Hals und weinte, weinte, weinte. ...."








