Zitat Zitat von John Donne Beitrag anzeigen
Der heute in der westlichen Welt verbreitete Kulturmarxismus geht m.E. nicht vorrangig auf sowjetische Propaganda zurück und ist auch nicht vorrangig in Großkonzernen beheimatet.
M.E. versuchen die Großkonzerne vor allem, nirgendwo anzuecken und möglichst viel Gratismut zu zeigen. Die früher vom "Osten" finanzierte DKP hatte ein großes UZ-Pressefest, das hatte sicher eine gewisse Reichweite. Der wesentliche Einfluß zur Verbreitung entsprechener Ideen kam aber doch aus der Bundesrepublik selbst, z.B. über die Frankfurter Schule. Deren Sprache, Gestus etc. ist nach wie vor besonders im Medienbetrieb und an den Hochschulen vorherrschend.
Das ist letztlich eine nahezu unschlagbare Kombination. Erstens sind im Diskurs Positionen, die für sich in Anspruch nehmen können, auf Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung zu basieren, grundsätzlich privilegiert (das ist ja auch zumindest eine der Motivationen für das Abgrenzungsproblem; und m.E. ist das der wesentliche Grund, warum zahlreiche Wissenschaftler (m/w/d), die ihrer Natur nach eher Aktivisten sind, für eine "emanzipatorische" Wissenschaftstheorie eintreten). Und zweitens läßt sich medial nicht nur die eigene Meinung verbreiten, sondern auch die Andersdenkender - oder gleich diese selbst - wunderbar diskreditieren.
Interessanterweise hat gerade letzteres nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus erheblich zugenommen. Hatte der Gegner früher einfach nur das falsche Bewußtsein, ist er heute gleich menschenfeindlich.
Diese nach dem Ausgang des 2. WK entstandene typisch deutsche Leidenschaft jeden Scheiß blind auf sich zu nehmen und sich mit dieser ach so schonungslosen Ehrlichkeit vermeintlich selbst wieder aufzuwerten, ist wirklich ein großes Dilemma.
Bestes Beispiel, dein Beitrag.
Kein einziges Wort von dir darüber wo die Frankfurter Schule erstmal Fuß fassen konnte, nachdem die ach so unsäglichen Nazis sie des Landes verwiesen hatten. Kein Wort von dir über die Länder, die für das Überleben der Frankfurter Schule gesorgt und sie aus der eigenen Agenda heraus genährt und unterstützt haben und nach dem Weltkriegssieg wieder hier implementiert haben.
Stattdessen "immer schön an die eigene Nase packen", das ist ja unsere große Stärke... damit unsere smarten Freunde aus Übersee nie aufhören unsere liebesbedürftigen Köpfe zu streicheln.
Wäre das Vereinigte Königreich nicht das Mutterland des Liberalismus und wäre dieses Land nicht der größte Sieger der vergangenen drei Jahrhunderte, dann gäbe es heute auch keinen sogenannten westlichen "Kulturmarxismus".
Es gibt keine Linke und Rechte mehr, wie wir sie aus dem letzten Jahrtausend noch kannten. Heute sind es besonders flexible Links- und Rechtsliberale, theoretisch heute dort, vielleicht aber auch übermorgen da...
Und wer solche Entwicklungen auf die Deutschen mit ihrer "Frankfurter Schule" zurückführt, der will sich bzw. anderen nur was vormachen.