Zitat Zitat von Dima Beitrag anzeigen
Wie lange hast du denn "unter Stalin" gelebt? Ich schätze mal gar nicht.

Es ist ja nicht so, dass es keine Zeitzeugen gibt. Meine noch lebende Großmutter (* 1933) hat die ersten 20 Jahre ihres Lebens "unter Stalin" verbracht und ich rede viel mit ihr darüber. Sie beschreibt ihre Kindheit und Jugendzeit als wolkenlos und glücklich. Sie machte nach der Schule eine Ausbildung zur Tanzlehrerin und lernte Französisch, und das war 1951-1953, noch zu Stalins Zeiten.

Vom Krieg bekam sie wenig mit, da sie in Tscheboksary aufwuchs. Das war Fronthinterland.

Zum Beispiel erinnert sie sich daran, wie im Sommer 1941 sehr viele Menschen nach Tscheboksary kamen. Es waren Kriegsevakuierte, also Frauen, Kinder, alte Männer und andere nicht-wehrtaugliche Menschen aus der Oblast Leningrad, die über die Wolga nach Tscheboksary kamen. Um die hat man sich in "Stalins Schreckensherrschaft" gekümmert.

Auch erinnert sie sich daran, wie 1939/1940 mit einem mal sehr viele prall gefüllte neue Geschäfte und Restaurants eröffnet wurden. Solche Schrecklichkeiten gab es in "Stalins Hell on Earth"....

Die Eltern meiner Großmutter hingegen berichteten ihrerzeit von schweren und hungrigen Jahren. Das waren.... die Jahre 1916 bis 1922. Also als Stalin noch lange nicht an der Macht war. Erst die Wirren, dann war Bürgerkrieg, danach 1920/1921 der bekannte "Wolga-Hunger".
Danke Dir fuer Deine Darstellung aus der Perspektive Deiner Grossmutter. Die ich nicht im Geringsten anzweifeln moechte. Auch glaube ich gerne dass Deine Grossmutter eine wolkenlose und glückliche Kindheit und Jugendzeit gehabt hatte. Auch dass sie Zugang zu guter Schulbildung gehabt hatte, dies bedeutet ,dass sie recht schlau sein muss.
Mehr noch, es gibt bestimmt noch viel mehr Leute die gute Erinnerungen aus der Stalinzeit haben, sie sogar wieder herbei wuenschen. "Viele prall gefüllte neue Geschäfte" Das ist relativ und darf mit einer gehoerigen Prise salz genommen werden. Hier erinnern wir und an endlose Schlangen und stundenlanges Warten fuer Brot, Fleisch, Arzneimittel. Aber egal.

Doch eine Konstante ist aus der Stalinzeit nicht wegzuweisen: *Furcht*. Furcht vor den politischen Kommissaren. Nun kann man einwenden:'wenn man sich so verhielt wie von einem erwartet, konnte einem nichts passieren und man hatte ein schoenes Leben." Zur Furcht kommt noch 'Unfreiheit' hinzu. Und Ungerechtigkeiten, Willkueren, Machtmissbrauch , Denunzianten, etc. Russen beschreiben und kritisieren diese Zustaende selber in ihren unzaehligen Filmen on YouTube.
Da wir bei YouTube und russische Filme sind - undenkbar dass soetwas wie YouTube im misstrauischen Russland aufkommen koennte - es ist erstaunlich dass fast alle Kommentare bei den Filmen sich sehr patriotisch ausdruecken; damalige Soldaten als 'Heroes' bezeichnen, sich sogar noch heute bei ihnen bedanken; Lobeshymnen ueber den Grossen Patriotischen Krieg singen ohne den es ihnen heute nicht so gut ginge, etc etc. Ich verstehe zwar kein Wort russisch, doch den Filmablauf versteht man schon und die Kommentare kann man uebersetzen lassen. Die Russkies haben sogar ganz hervorragende Filme, realistisch, und von menschlicher Waerme. z.B. 'The Red Lotus.'; Беглецы etc etv

Doch Deine Aussage bzgl Churchill in Deiner Signatur ist absoluter Bloedsinn weil sie sich nicht mit der Geschichte deckt.

Zitat Zitat von mabac Beitrag anzeigen
Eine mittlerweile verstorbene Bekannte meiner Schwiegereltern emigrierte 1933 in die Sowjetunion. Dort wurde sie 1938 verhaftet und kam ins Gulag, anschliessend in die Verbannung, gemeinsam mit Zenzl Mühsam. Man nahm ihr ihre Tochter weg, die sie erst nach 1989 wiedersah. Sie durfte erst 1954 nach Deutschland zurückkehren.

Ein anderer Fall, die Töchter der Kippenberger, durften erst 1958, also nach den „Kriegsverbrechern“, die Adenauer 1955 heimholte, nach Deutschland zurückkehren.


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PS Carola Neher hätte mit ihrem Sohn nach Deutschland abreisen können, unter der Bedingung, dass sie für die Sowjets spioniert hätte, was sie verweigerte. Sie blieb in der SU und verreckte im Gulag. Ihr Sohn durfte erst 1975 nach Deutschland zurück.
Zwei Horrorstories von unendlich vielen aus der SU.