Ein Blick in die grobe Statistik kann trügen. Bei den derzeitigen Meldungen über die ansteigende Inzidenz in Großbritannien und das Verhältnis zu Hospitalisierungen wird oft nicht zwischen Geimpften und Ungeimpften unterschieden. Die Hospitalisierungsrate steigt dort zwar, aber nicht so stark. Das wird durch die Masse an geimpften Menschen unter den Infizierten beeinflusst, die die Hospitalisierungsrate nach unten drücken. In Staaten in den USA, die eine sehr geringe Impfquote haben – zum Beispiel Mississippi und Alabama –, steigen die Todes- und die Hospitalisierungsrate sehr viel deutlicher. Deswegen gehen wir davon aus, dass die Delta-Variante für den einzelnen ungeimpften Patienten die bisher gefährlichste Variante darstellt. Sowohl für eine Infektion als auch für einen schweren Verlauf. Neuere Studien bestätigen diese Befürchtungen. Das muss man ganz klar trennen von dem Gesamteindruck, dass eine Delta-Welle für die Gesellschaft, in der viele Menschen geimpft sind, relativ glimpflich ausgehen könnte. Die Gefahr für ein ungeimpftes Individuum wird in den Statistiken über eine in großen Teilen geimpfte Bevölkerung immer weniger abgebildet, das kann zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen. Wenn man jetzt noch ungeimpft ist und sich mit der Delta-Variante infiziert, hat man von allen bisher in Deutschland zirkulierenden Varianten das höchste Risiko, einen schweren Verlauf zu erleiden.