
Zitat von
Empirist
Wie du auf die Idee kommst, die WHO bestimme die Qualität und Kosten der Versorgung in einzelnen Ländern, ist mir nicht verständlich.
Einen großen Beitrag den die WHO leistet ist die Herausgabe der ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) aktuell in der 10. Auflage, ab Januar 2022 in der 11. kommend. Und selbst da ist die WHO eher koordinierend tätig, denn die einzelnen Länder und dort sehr viele Mediziner und Gruppen, liefern die Daten, die damm eine neue ICD Auflage hervorbringen.
Eine weltweite Klassifikation von Krankheiten hat sehr große Vorteile, weil es Forschung vereinfacht, Kommunikation erleichtert und eine Ursachensuche bei untypischen Häufungen/Ausbleiben erleichtert.
Um ein illustratives Beispiel zu nennen, ist es durch einen weitgehenden einheitlichen Standard bei der Definition der Adipositas (E66.0-9 im ICD) möglich Ausreißer wie Japan zu identifizieren und dann dahingehend zu forschen, warum es eines der wenigen Industrieländer ist, das kein nennenswertes Gewichtsproblem entwickelt hat.
Was wiederum nicht durch die WHO bestimmt wird, sind Versicherungssystem, Bedarfsberechnungen, Qualitätsstandards....
Auch hier sei mal ein Beispiel gegeben, wieso medizinische Versorgung ein so komplexes Thema ist und zwar die Vorsorgeuntersuchungen gegen Prostatakrebs:
Ab einem Alter von normalerweise 45 Jahren können ÖKK versicherte Männer jährlich eine Tastuntersuchung auf Kosten der Krankenkasse durchführen lassen. Da dieser Krebs mit >60.000 Fällen im Jahr auf Platz drei in der Häufigkeit steht, ist Vorsorge hier besonders wichtig. Allerdings ist die 10 Jahre Überlebensrate nach RKI ca. 88%, was unter anderem ein Grund dafür ist, weswegen die ÖKKs verdachtsunabhängige, teurere Tests wie eine PSA-Test oder eine Magnetresonanztomografie nicht übernehmen. Deren Preis ist dabei schon deswegen höher, weil man Labore und/oder extrem teure bildgebende Verfahrenstechnik, Personal... braucht.
Der einzelne Patient mag sich aber wegen der Möglichkeit der deutlich früheren Diagnose und weniger aggressiven Behandlungsmöglichkeiten sicherer fühlen wenn die teureren Tests regelmäßig angewandt werden, was aber wieder nicht im Sinne der Krankenkassen liegen mag, die eher eine Betrachtung auf Populationsbasis vornehmen.
Deshalb sind diese Verfahren extrem umstritten, weil man Funktionalität (geringe Sterberate) gegen Lebensqualität (Sicherheit und sanftere Behandlung) abwägen muss.
Wohl gemerkt reden wir hier nur von einem einzelnen Krankheitsbild und das ist schon sehr kompliziert.
Gleich gelagerte Abwägungen kann man bei Gelenkersatz, Zahnersatz, psychiatrischer Nachsorge uvm. führen. Angeschnitten ist hier noch nicht mal, welche "Teilgebiete" der Gesundheit bevorzugt werden sollten und ob überhaupt.
Deswegen ist es so schwer ein Thema wie Kosten des Gesundheitswesen anzuschneiden.