Zitat Zitat von Swesda Beitrag anzeigen
Mann kann die CDU schlagen, ohne zur CDU zu werden. Die Gefahr, schleichend zur CDU zu werden bestand für die Grünen und sie sind in die Falle getappt und werden das sehr bald bedauern. Schon der SPD hat es Reputation und letztlich die komplette Basis gekostet, der CDU nachzueifern. Du kannst absolut sicher sein, dass die AfD diese Entwicklungen sehr genau beobachtet und ihre Lehren daraus zieht. Deswegen z.B. auch (m)ein Statement, niemals als Juniorpartner der CDU regieren zu wollen. Gerne mit der CDU, aber nur als Kanzlerpartei.

Deine Analyse des politischen Platzes der AfD ist auf den Punkt gebracht. Ja, deutlich links von der NPD, genauso deutlich rechts von allen anderen. Beides ist wirklich nicht schwer. Mit dem Abgang von Kalbitz ist der wichtigste Draht zur NPD gekappt. Dem restlichen "Flügel" wird weiterhin NPD-Nähe unterstellt, was so nicht stimmt. Es gibt zur NPD programmatisch viel weniger Überlappungen als zur CDU. Wer das nicht sehen will sieht es eben nicht. Damit muss man leben.

Es gibt aber auch zur CDU ganz bedeutende Unterschiede. Der größte ist sicher die Bewahrung deutscher Identität gegenüber geförderter Auslöschung dessen, was deutsche Kultur einmal war. Der Nationalsozialismus hat schlimm unter der deutschen Kultur gewütet. Aber die Regierungen so ab den neunziger Jahren haben noch effektiver an dieser Auslöschung gearbeitet. Dem gilt es ganz entschieden gegenzuwirken. Sinn und Zweck der Kulturbewahrung könnte die AfD sicher besser verkaufen als sie es gerade tut und, mit Verlaub, Höcke ist als Verkäufer keine ideale Besetzung. Zu direkt, zu ehrlich, zu wenig einfühlsam in das, was von der deutschen Volksseele noch übrig geblieben ist.

Der zweite große Unterschied ist die Behandlung des Europathemas. Rein wirtschaftlich funktioniert Europa sehr gut, für die Großkonzerne und ihrem internationalen Wettbewerb. In allen anderen Punkten versagt Europa in der jetzigen Orgaform kläglich. Siehe Pandemie, siehe Migration, siehe Umweltschutz. Deutschland macht den Bezahlaugust ohne angemessen für seine Einlagen entschädigt zu werden. Die lachen uns doch alle aus als die blöden Deutschen. Wir sind nur wirklich gut im bezahlen. Ansonsten bekommen wir nichts auf die Kette. Von der Leyen - oh Gott, wie peinlich! Deutsche Verkehrspolitik - Maut! - noch peinlicher. Informationstechnologie? Man würde Erdogan hängen, wenn die Türken ein so schlechtes I-Netz hätten wie wir.

Undsoweiter. Es gibt viel zu tun. Warten wir besser nicht bis morgen.
Ich weiß, man kann durchaus das selbe beobachten, ohne das gleiche zu sehen. Was die Grünen angeht, so kann ich den von dir beschriebenen Effekt maximal in BaWü erkennen, und selbst da höchstens im Ansatz. Der Rest der Partei ist im haltlosen Drift nach links, beim verzweifelten Versuch, ein eigenes Profil zu bewahren, ohne die Stammklientel zu verschrecken. Den Fehler der SPD, sich von der Brunzlette zum Sündenbock vom Dienst machen zu lassen, haben die Grünen bisher nicht gemacht. Vielleicht dann am 2022, das will ich nicht ausschließen, aber noch nehmen sie keinen Schaden durch die Nähe, die die CDU zur Partei hergestellt hat. Aktuell profitieren sie noch von ihrem Status als Opposition, dass die Grün*innen und Grünen mehrheitlich den ganzen Mist mit abgesegnet haben, der aktuell der CDU auf die Füße fällt, sehen die Wähler nicht - wobei Wähler der Grünen sowieso weitgehend merkbefreit sind, also kein großes Risiko für Spätfolgen.

Ich weiß nicht, woher die Angst vor der NPD-Nähe kommt. Das verstehen wohl nur Leute, die auch Faber-Castell boykottieren, weil die Nazis mit Bleistiften geschrieben haben. Etwas wird nicht automatisch dadurch falsch, dass die NPD es propagiert. Allenfalls von der Instrumentalisierung durch den VS sollte die AfD sich wirklich hüten, der Rest ist Hysterie und Panik. So oder so werden sie das Etikett der Demokratiefeinde nicht los, dafür werden politische Mitbewerber und - vor allem - die Medien schon sorgen, man sollte also lieber lernen, damit locker umzugehen. So lange man sich vor solchen Schlägen duckt bleibt der Eindruck, es sei vielleicht doch etwas dran. Und wir wissen beide, dass die Mehrheit des Stimmviehs nicht nur die Mühe einer eigenen Analyse scheut, sie ist dazu gar nicht in der Lage, nicht mal, wenn sie es wollte. Deshalb: Aufrichten, durchatmen, einstecken, weiter im Text.

Europa hat als EWG/EEC funktioniert, jeder Schritt danach war ein Fehler. Die EWG wurde sogar in den USA als "Bedrohung" wahrgenommen, von der EU kann man das schon lange nicht mehr sagen. Sie ist - statt dessen - eine Union der Nachteile und Schwächen, selbst ohne Eurobonds und den anderen Unsinn, der aktuell in der Pipeline ist. Und sie hat keinerlei politische Vision, kein Fernziel, dem nachzueifern sich lohnen würde, Prinzipien, die Respekt verdienen würden, hat sie auch nicht. Vereinfacht lässt sich die EU unserer Tage auf die Formel bringen: "Wir machen lauter Blödsinn, und die Deutschen bezahlen die Party". So gesehen wären ein paar Jahre Kanzlerin Annalena gar nicht schlecht, dann fiele nämlich der Zahlmeister aus, und das Fest wäre zwangsweise vorbei.

Viel zu tun wäre in der Tat, aber noch ist niemand in Sicht, der das in die Hand nehmen will. Etwas werden wir also noch weiter warten müssen.