Ich stimme zu, dass das Alter ein Problem ist, wovon ich Biden ja auch nicht ausnehme. Vielleicht nimmt man es in Europa nicht so wahr, aber aus meiner Sicht passiert hier gerade ein Bruch, d.h. das Verhalten Trumps nach der Wahl wird zu einem grossen Teil ein Angriff auf die Institutionen des Landes empfunden. Das mögen die Konservativen im Lande auch nicht, d.h. Trump verliert ausserhalb seiner Anhänger gerade deutlich an Rückhalt. Der Verteidigungshaushalt war dafür ebenso ein Beispiel.
Trump kann diese Rolle nicht einnehmen. Prinzipiell war das Trump-Phänomen auch nur in einem Zweiparteiensystem möglich, d.h. er stellt eher eine Koalition der Notwendigkeit dar. Dass diese Gruppen eine progressive Ideologie ablehnen, vereint sie in politischer Hinsicht jedoch nicht. Oder anders ausgedrückt können viele dieser Gruppen mit dem politischen Gehabe der Trump-Anhänger auch wenig anfangen. Gerade deshalb hatte Biden mit seinem Wahlkampf des Minimalaufwands auch so ein leichtes Spiel.Ich hoffe, dass Trump der Startschuss ist, dass sich in rechten Parteien ernsthafter Widerstand gegen den linksliberalen Mainstream formiert. Das ist eine Sache, die irgendwann auf eigenen Beinen stehen muss und nicht an einem Übervater Trump hängen darf.
Leider zeigt dies ebenso sein Problem auf: Er ist eigentlich immer Wahlkämpfer geblieben. In den Aussenpolitik macht das nur einen geringen Unterschied, aber innenpolitisch ist das fatal. Das Problem existierte auch in ähnlicher Form unter Obama, aber nicht ganz so überspitzt. Sowohl bei Obama und auch Trump ist daher wenig irreversibel.Was ihn und seinen Charakter angeht, ich denke, er hat psychopathische Züge und finde ihn persönlich nicht angenehm. Ich denke aber nur so ein wadenbeisserischer Typ, der den ganzen Tag von Wut angetrieben und dabei offenbar gewaltig angetrieben wird, kann diese Rolle ausfüllen.
Und ja, es wäre manchmal entspannter gewesen, wenn er nicht vor dem Frühstück was anderes getwittert hätte als nach dem Frühstück. Wäre es besser gewesen, wenn er nicht permanent Unsinn geschrieben oder gelogen hätte? Ich bezweifel das. Durch seine ganzen Provokationen, Lügen und Dreistigkeiten hat er die linke Presse jeden Tag herausgefordert. Vom ersten bis zum letzten Tag seiner Amtszeit hat die im 12-Stunden-Takt frohlockt "Jetzt ist er zu weit gegangen", "Jetzt haben wir ihn", "Jetzt muss er zurücktreten", "Diesmal, diesmal müssen die Republikaner einer Amtsenthebung zustimmen". Er hat sich dabei jeden Tag zweimal lächerlich gemacht, aber die Medien haben jeden Tag, an dem sie geschrieben haben, jetzt würden sie ihn damit zu Fall bringen noch lächerlicher gemacht und an Glaubwürdigkeit verloren.
Ich tippe, 75% der Trump-Gegner haben deren Geplärre nach 2 Jahren nicht mehr ernst genommen. Trump ist eventuell jetzt bald schon Geschichte, vielleicht in 2 Jahren, wenn er ein Wunder vollbringt im Jahre 2028. Die Washington Post und die NY Times wird es auch danach eventuell leider noch geben. Trump hat dafür gesorgt, dass viele, die damals noch glaubten, kompetente politische Analysen von echten politischen Denkern die Sache heute sehen, wie sie ist. Geschwafel von notorischen Dummschwätzern. Der Nimbus ist weg und das ist irreversibel.
Er hat im Prinzip die Waffe von Trollen im Internet angewandt, er hat die Leute auf sein Niveau runtergezogen und sie dann mit Erfahrung geschlagen.
Dadurch hat er in den USA in konkreter politischer Hinsicht wenig verändert, dass der Nachfolger nicht wieder umkehren kann, genauso wie Trump es mit den Anordnungen Obamas tat. Ebenso fehlt bei Trump ein echter ideologisch Überbau der mehrheitsfähig ist. In politischer Hinsicht fehlt da wirklich die Substanz, die Vision, wie man eine Mehrheit der Bevölkerung anpricht, und dies auch in der Legislative umsetzt.
Die Republikaner befinden sich derzeit in einer Aufbauphase, und ich weiss noch nicht, ob sie es zu nutzen wissen. Bidens derzeitiges Kabinett, dass aus alten Genossen und den Ratschlägen einer Personalabteilung zu bestehen scheint, bietet hierzu eigenlich die perfekte Angriffsfläche. Die Frage ist, ob man den Schweinezyklus einfach weiterführt, oder ob man Politik machen will.



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