Zitat Zitat von herberger Beitrag anzeigen
Wie wir ja durch Schwipper und seine Aktenfunde wissen, wollte die Sowjetunion 1940 noch ihren finnischen Feldzug wieder aufnehmen und natürlich Danzig und Ostpreußen erobern, nur der schnelle Sieg der deutschen Wehrmacht im Westen hielt sie da von ab.
Schwippper macht intensiven Gebrauch vom Halder Kriegstagebuch.

Hier zum Beleg ein paar Beispiele:

22. Juli 1940
"Russisches Problem in Angriff nehmen. Gedankliche Vorbereitungen treffen. Dem Führer ist gemeldet..." (S. 240)

1. Februar 1941
"f) Präventivangriff Russen?" (S. 301)

17. Februar 1941
"b) Äußerung des Führers über Russland: Er sei betroffen über die Nachrichten über russische Luftwaffe. Auseinandersetzung sei unvermeidlich." (S. 299)

8. März 1941:
"Übersicht über Feindkräfte ergibt eine starke Zusammendrängung der Masse an der russischen Westgrenze." (S. 301)

6. Juni 1941
"Ostraum: zunehmende russische Fliegertätigkeit" (S. 301)

6. Juni 1941
"Zahlenmässig also stark, aber altes Material, nach Erfahrungen in Finnland nicht fähig zur Artl. Bekämpfung." (S. 301)


Damit zeigt er das er das KTB Halder als Quelle anerkennt.

Aber solche Passagen sucht man bei ihm vergeblich:



Halder KTB, 31. Juli 1940:

"Ist aber Rußland zerschlagen , dann ist Englands letzte Hoffnung getilgt. Der Herr Europas und des Balkans ist dann Deutschland.
Entschluß: Im Zuge dieser Auseinandersetzung muß Rußland erledigt werden. Frühjahr 1941.
Je schneller wir Rußland zerschlagen , um so besser. Operation hat nur Sinn , wenn wir Staat in einem Zug schwer zerschlagen . Gewisser Raumgewinn allein genügt nicht. Stillstehen im Winter bedenklich.
Daher besser warten, aber bestimmter Entschluß, Rußland zu erledigen. Notwendig auch wegen der Lage an der Ostsee. 2. Groß-Staat an Ostsee nicht brauchbar. Mai 41. 5 Monate Zeit zur Durchführung. Am liebsten noch in diesem Jahre. Geht aber nicht, um Operation einheitlich durchzuführen." (Bd 2, S. 49.)


28. Januar 1941:

"b) Barbarossa: Sinn nicht klar. Den Enländer treffen wir nicht. Unsere Wirtschaftsbasis wird nicht wesentlich besser." (Bd. 2, S. 261.)

22. Mai 1941:

"Vorlage von Fliegeraufnahmen der Staffel Rowehl im russischen Grenzgebiet. Die umfangreichen Verstärkungsarbeiten (besonders auch Panzergräben) längs der Grenze treten deutlich hervor. Zahlreiche Kabelgräben beweisen die Vorbereitung durchlaufender Abwehrstellungen. Die Bilder bestätigen unsere Auffassung von der Entschlossenheit des Russen, an der Grenze zu halten." (Bd 2., S. 426.)


Der Entschluß zu Barbarossa fällt also im Juli 1940.
Dem Generalstabschef Halder ist also der Sinn von Barbarossa nicht klar! Wie kann er ein Präventivkrieg sein?
Noch 4 Wochen vor dem Angriff ist also die deutsche Auffassung das die Russen sich an der Grenze verteidigen wollen.


Schwipper zitiert Halder also wo es ihm passt, und wo es ihm nicht passt lässt er es einfach.

Ein derart selektiver Umgang mit einer Quelle ist zutiefst unwissenschaftlich. Damit hat der Mann doch fertig.

Schwippers Buch setzt den vollständig ahnungslosen Leser voraus, und genau ist auch seine Zielgruppe.