Bei der Frage nach den genauen Gründen muss ich leider auch passen. Ich kenne lediglich ein paar Publikationen und ein Nachkriegs-Interview mit einem der beteiligten Ingenieure wo es schlicht heißt, die industrielle Kapazität hätte dazu nicht gereicht. Das hat mich in Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland gerade in Sachen Werkzeugmaschinen ja Weltspitze war, auch ziemlich verwundert. Aber ich sehe dann halt auch keinen guten Grund, das anzuzweifeln, zumal ich aus eigener Anschauung weiß, dass die Panther-Vorgelege gerade verzahnt sind. Vielleicht haben wir ja jemanden hier, der intimere Einsichten in die deutsche Industriekapazität dieser Zeit hat, und der da Licht ins Dunkel bringen kann. Ich kann das nur so kolportieren.
Der Panther war letztlich auch für Deutschland ein logistisches Problem, noch mehr die beiden Tiger. Ich kann zwar der Grundgedanken nachvollziehen, wenn Deutschland nicht die gleichen Massen produzieren kann wie seine Feinde, dann muss das, was es in geringerer Stückzahl herstellt, eben "besonders gut" sein, das erklärt für mich aber nicht die "Service-Unfreundlichkeit" vieler deutscher Panzermodelle. Nehmen wir wieder Sherman und Panther und betrachten einen hypothetischen Schaden am Steuerschaltgetriebe, dann ist das beim Sherman im Feld binnen weniger Stunden gewechselt, beim Panther ist das eine Operation, die nahe an einen Neubau heran kommt, bei dem alles vorwärts des Motorraumschotts mehr oder weniger komplett demontiert werden muss. Natürlich bei abgenommenem Turm. Selbst bei gleicher Verfügbarkeit der Ersatzteile und gleich starker Service-Mannschaft ist das ein gewaltiger Nachteil.Ich sag mal so: Ich halte den Sherman für besser, als er früher hingestellt wurde. Es hat explizite Gründe, warum er so war, wie er war und die sind ja nachvollziehbar. Für die Amis wäre ein Fahrzeug wie der Panther schon logistisch ein Problem gewesen. Die meisten Hafenkräne waren wohl damals nur bis 40 Tonnen geeignet, was zum Beispiel das Gewicht begrenzte. Aber in der letzten Zeit vernimmt man in der "Szene" den Versuch, ihn zum besten Panzer hochstilisieren zu wollen. Das war er nun weiß Gott nicht.
Der Sherman litt lange unter seinem im Krieg alles andere als legendären Ruf (Ronson - brennt immer!), und besonders die Deutsche Sicht auf die Dinge ist sehr geprägt durch einige Publikationen aus den direkten Nachkriegsjahren, wo der Sherman nicht gut weg kam, die deutschen Panzer dafür nahezu unisono umso besser, aber alles in allem war der Sherman zu der Zeit und unter diesen Umständen der richtige Panzer für die Alliierten, und das ein Panther unter günstigen Bedingungen vier, fünf, sechs Sherman abschießen konnte, bevor es ihn selbst erwischte ändert auch nichts an dem Umstand, dass selbst danach noch fünf weitere Sherman pro Panther übrig waren. Ganz zu schweigen davon, dass die Umstände selten so günstig waren, und der Panther oft genug Beute der Typhoons, Tempests und Thunderbolts. Der Sherman war in großer Zahl verfügbar, und er eckte in der Logistikkette vom Ende des Fertigungsbandes bis an die Front nirgends an, weder in Europa, noch im pazifischen Raum, noch in China/Burma/Indien. Er ließ sich problemlos auf Züge verfrachten, mit nahezu allen Hafenkränen verladen und konnte selbst als Decksladung auf den Luken gefahren werden, mehr kann man kaum verlangen.
Schließlich ist es ja so: Im zweiten Weltkrieg hast du quasi erstmals einen "combined arms"-Ansatz, es geht nicht mehr nur um die Infanterie, nur um die Panzer, nur um die Flugzeuge, es geht um das nahtlose Zusammenwirken all dieser Waffen. Wo das geklappt hat, war Deutschland zunächst unschlagbar, aber diese Zeit ist 1941/42 schon vorbei. Als der Panther in Stückzahlen an die Fronten kam, litt er bereits nachhaltig unter einer nahezu ständigen feindlichen Luftherrschaft, dazu am immer knapperen Sprit, das war viel nachteiliger als alles andere. Wozu die deutsche Panzerwaffe noch in der Lage war, selbst Ende 1944/Anfang 1945, wenn sie nicht unter feindlicher Luftherrschaft kämpfen und mit jedem Tropfen Sprit rechnen musste, sehen wir zum Auftakt der Ardennen-Offensive, war halt nur schnell vorbei mit der Herrlichkeit.



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