Im Laufe des Jahres 1948 vertiefte sich die Spaltung der
früheren Alliierten (Berlin-Blockade), was zu einer
radikalen Änderung der Propagandalinie führte. So fand die
Sächsische Zeitung am 12.2.1949 in der Zerstörung
Dresdens "zugleich eine Anklage gegen die
anglo-amerikanische Kriegsführung... Die grauenhafte
Vernichtung Dresdens war durch keinerlei strategische
Überlegungen zu rechtfertigen." 1950, kurz nach
Gründung der NATO, gab es in der ganzen DDR
Dresden-Gedächtniskundgebungen. Das Dresdner
Vorbereitungskomitee schrieb: "Die Nationale Front des
demokratischen Deutschlands kämpft gegen die Zerstörer
Dresdens, die Kriegstreiber von heute." Der sächsische
Ministerpräsident Seydewitz rief aus, "daß dieselben
Kräfte, die damals Dresden sinnlos zerstörten, heute
schon wieder von neuem zum Vökermord aufrufen." 1951,
der Korea-Krieg war ausgebrochen, schrieb die Tägliche
Rundschau: "Der Feuerschein der blutigen Stadt Dresden,
der am Ende des Zweiten Weltkrieges den Himmel
weithin sichtbar rötete, ließ die räuberische Fratze des
amerikanischen Imperialismus, des ärgsten Feindes der
Menschheit, heraufleuchten." Ein Jahr später verhalf
DDR-Volkskammerpräsident Dieckmann gar der
Goebbelschen Wortschöpfung von den
"anglo-amerikanischen Luftgangstern" zu neuer
Reputation. Damit hatte die SED den Gipfel der
Demagogie erreicht. In der Folge klang die
anti-amerikanische und anti-englische Hetze ab, wurde
ersetzt durch Kritik an den "Bonner Ultras" (60er Jahre)
oder durch allgemeinplätzlerische Friedensappelle (80er
Jahre).